Das Buschtaxi

Wir fahren einen relativ jungen (BJ ’11) Toyota Landcruiser. Es handelt sich um ein sogenanntes „Buschtaxi“, einen „Heavy Duty Troop Carrier HZJ78“. Das Buschtaxi kennt man aus den Fernsehnachrichten der letzten 20 Jahre, es galt zeitweise als unverzichtbar bei Hilfsorganisationen und der UN. Heute gilt das Buschtaxi mit seinem Design aus den 80ern (Starrachsen und Blattfedern) als veraltet und wird nur noch im mittleren Osten, Afrika und Australien verkauft.
Am ersten TagDas Buschtaxi ist auf den ersten Blick ein Dinosaurier: Gross, schwer, säuft wie ein Loch. Beim zweiten Hinsehen relativiert sich aber so einiges. Ein Buschtaxi neueren Baujahrs kommt mit zwei elektronischen Komponenten daher: der Uhr und dem Kilometerzähler. Alles andere ist Elektronik frei und im Grunde von jedem, der sich mit dem Auto auskennt oder das Reparaturhandbuch hat, zu reparieren. Der Motor ist mit 4,2 l Hubraum und „nur“ 131 PS ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Ist aber auf eine Laufleistung von einer Million Kilometern ausgelegt und verbrennt auch noch den schlechtesten Diesel. Ein Blick unter das Auto zeigt den Antriebsstrang, der auch von einem LKW stammen könnte und der mit ein bisschen Glück eine viertel Million km ganz ohne Wartung übersteht. Mit liebevoller Pflege hält er so lange, wie der Motor. Da, wo andere Fahrzeuge Weichteile haben, hat ein Buschtaxi üblicherweise irgendwas überdimensioniertes aus Stahl. Auf die schicken Bleche, die sich Geländerwagenfahrer gerne unter’s Auto schrauben, kann man als Buschtaxifahrer meisst verzichten. Der robuste Leiterrahmen lässt umfangreiche Modifikationen und Reparaturen der Kabie zu. Das bedeutet, dass man ein Buschtaxi bequem zwanzig bis dreissig Jahre fahren kann. Und da ein Auto während der Produktion bekanntlich am meisten die Umwelt belastet, steht das Buschtaxi bei der Ökobilanz da gar nicht so schlecht dar.

Es wiegt allerdings ab Werk 2,1 Tonnen und verbraucht 12 l auf 100 km. Damit ist es zwar noch leichter als so manch ein SUV, aber beim Verbrauch doch ehr oben. Mit 3.5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht kommen wir allerdings auf 1.4 Tonnen Zuladung, etwas was praktisch kein anderer PKW bietet.

Image 13Unser Buschtaxi kam am ab Werk mit grossem Tropenkühler, zwei Tanks à 90 l, Differentialsperren, Klimaanlage und 10 Sitzen daher – 8 davon quer zur Fahrtrichtung. Vom Importeur kam noch eine AFN Windenstosstange, ein zweiter Dieselfilter und ein Nebenstromölfilter, der den Ölwechselintervall auf 50.000 km erhöhen kann dazu. Dazu kam ein „Schnorchel“ und ein Zyklonluftfilter. Beides soll dafür sorgen, dass weniger Staub angesaugt wird und auch bei Flussdurchfahrten der Motor nicht „absäuft“. Obendrein gab es einen umfangreichen Rostschutz. Für die Zulassung in Deutschland rüstete er eine Nebelschlussleuchte nach und eine Abgasrückführung, welche die „Euro4“ Abgasnorm erfüllt, nach. Sitze waren erst 6 in Fahrtrichtung verbaut – Quersitze sind in Deutschland nicht mehr erlaubt. Die deutlich zu kleinen Reifen, die ab Werk dabei sind, wurden durch 255/75 AT Reifen mit ca. 80 cm Grösse ersetzt. Im Frühjahr 2013 wurden daraus 285/75 AT Reifen (s.u.). Auf Alu-Felgen, um das Gewicht der „ungeteerten Massen“ ein bisschen im Griff zu halten.

Nachgerüstet haben wir dann allerlei Kram:

Ein Radio mit vernünftig Bluetooth, USB und Freisprecheinrichtung. Dient auch zum iPhone aufladen. Feuerlöscher gut erreichbar in der Hintertür, Warnwesten für alle Insassen und Warndreiecke & Verbandskästen vorne und hinten um auf jeden Fall dran zu kommen. Ein Nothammer mit Gurtschneider hängt zwischen Fahrer und Beifahrer an der Decke.

Eine Standheizung, die entweder als Motorheizung, oder als Luftstandheizung für den Innenraum arbeiten kann („Caravanschaltung“). Damit kann man nicht nur die Lebensdauer des nicht für kalte Temperaturen gebauten Motors, sondern auch den Komfort erhöhen. die grosse, kaum gedämmte Kabine braucht ansonsten sehr lange, bis Sie im Winter wärmer als Null Grad warm wird.

Einen bequemeren Fahrersitz, der mehr Halt bietet. Die abwaschbaren Vinylsitze waren zwar toll, aber für Langstrecken doch recht anstrengend. Für die Beifahrersitzbank haben wir erstmal keine Alternative gefunden, die bequemer ist. Das Auto ist ja im Grunde ein Dreitürer, was bedeutet, das die Kinder vorne Aussteigen. Die Beifahrersitzbank konnte man leicht drehen, so das der Ausstieg einigermassen erträglich möglich ist. Auf der Fahrerseite ist grössere Kletterrei nötig und regelmässig verhakt oder verklemmt sich jemand und fällt aus dem Auto. Im Frühsommer 2013 war es uns egal und von der Sorte, wie wir auf dem Fahrersitz haben, hat der Beifahrer auch einen bekommen. Dazu kam dann eine Mittelablagekonsole.

Dazu sind auch noch Ablagen in den Türen gekommen für all den Kram von der Parkscheibe bis zur Taschenlampe. Tipp: nix schweres, wie Taschenlampen da rein, denn das Zeug schlägt einen bei einem Überschlag garantiert bewusstlos.

Eine ordentliche Kühlbox! Seit 10 Jahren eiern wir mit Kühltaschen auf Pelletiertechik ‚rum, die aber auf keinen fall genug Leistung haben, ein paar lauwarme Getränke innerhalb von einigen Stunden herunter zu Kühlen. Unsere neu angeschaffte Engel Kühlbox kann das. Sie erträgt auch das Geschaukel im Gelände und kann wahlweise mit 230 oder 12 V betrieben werden.

Wir haben noch zusätzliche Haltegriffe aus einem australischen (rechts gelenkten) Buschtaxi verbaut, so dass es jetzt auf beiden Seiten jede Menge Möglichkeiten gibt, sich festzuklammern und beim Ein- und Aussteigen nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Die Kinder wünschen sich für die Rücksitze aber auch noch Griffe, für die etwas holperigeren Strecken.

94f8357381729e4ef10c20d8e2ecef204bcd59d5466b9aea7f1976a16d1cad11Dabei hat es auch eine Dachablage vorne über den Sonnenblenden gegeben. Ungemein praktisch. Ein Aussen- und Innenthermometer befriedigt unsere Neugier bezogen aufs Wetter – das ist aber nun schon sehr lange nur provisorisch angebracht. Bei der Verkabelungsorgie (s.u.) haben wir auch direkt Lautsprecher hinten im Fußraum der Kindersitze und in der Dachablage eingebaut, damit wir deren Hörspiele nicht so ohrenbetäubend laut stellen müssen.

Auf die Windenstosstange kam dann recht im Frühjahr 2013 schnell eine Winde, nachdem ich einmal zu oft von jemand anderem „gewincht“ werden musste. Ein Jeep kommt gut mit einer 8000 Pfund Winde aus, das dicke Buschtaxi hat eine Warn Zeon 12 Seilwinde mit 12.000 Pfund (5.4 Tonnen) Zugkraft. Um genug Leistung für die Winde zu haben, gibt es einen Regler, mit dem man die Leerlaufdrehzahl des Motors anheben kann. Seit wir die Winde dabei haben, war sie nie wieder wirklich nötig – wie ein Regenschirm. (Bis wir im Frühjahr 2014 dann doch in Andorra mit  Schnee auf Eis ganz alleine festsassen)

Da die Winde ganz schön schwer ist (80 kg) und ganz aussen am Rahmen hängt, muss man vorne am Fahrwerk was tun. Wenn schon, denn schon: Wir haben also das „OME mittel“ Fahrwerk verbaut, was für 400 kg Dauerbeladung gedacht ist. Das ganze kann man durch Einbau einer zusätzlichen Feder in die hinteren Blattfederpakete einfach auf 600 kg Dauerzuladung hochrüsten.

Image 5Mit dem neuen Fahrwerk kommt das Auto leer ca. 6 cm höher. Dann kann man ja auch direkt grössere Reifen draufmachen. Wir haben 285/75 AT mit 5-fach verstärkten Seitenwänden drauf, dadurch kommt das Auto nochmal 2 cm höher. Um ein bisschen Gewicht zu sparen, sind die grossen Reifen auf Alufelgen. Mit den Reifen geht der Tacho jetzt ganz genau, d.h. wenn der Tempo 100 zeigt, fährt man auch exakt 100 km/h. Der Kilometerzähler geht aber jetzt nach. Kilometerstand mal 1.065 gibt die in etwa gefahrenen Kilometer.

Da der schwere Ersatzreifen die Hecktür auf Dauer verbiegt, haben wir eine AFN Heckstossstange nachgerüstet, auf der ein oder zwei Reserveradhalter befestigt werden können. Wir haben da einen Reserverad- und gelegentlich einen Kanisterhalter drauf. Allerdings ist der Reserveradhalter in der Schweiz im Frühjahr 2013 bei einem leichten Satz eine Wiesenstufe herunter abgebrochen. War ein Serienfehler und wurde ersetzt. in der Zwischenzeit war das Reserverad aber erstmal auf dem Dach. Im Herbst 2013 haben wir die End-„Anschläge“ des Reserveadhalters als Garantieleistung verstärkt bekommen, weil die einen gang haben, sich zu verbiegen. In der Zwischenzeit waren Reserverad- und Tankhalter in Island aber zueinander gewandert – das ganze Stoßtangenthema scheint eine Dauerbaustelle zu sein. Die neue Stosstange ist so hoch, dass das hinten Einsteigen ohne einen Tritt schwierig ist – wir nahmen erst eine Zarges-Kiste als Stufe. Inzwischen haben wir eine Defender Stufe verbaut. Die Nebelschlussleuchte war unter der Stosstange dauernd kaputt gefahren, so das wir die in die Stosstange verlegt haben.

Kochen!Modernere Buschtaxis, wie unseres haben eine Macke: für den australischen Markt mussten größere Motoren her. Dafür war mehr Platz im Motorraum nötig. Deswegen hat man Motorhaube und Achse vorne 6 cm breiter gemacht. Den Rest vom Auto hat man so gelassen, wie er war. Das hat den ästhetischen Effekt, dass unser Buschtaxi von vorne wie von 2001 und von Hinten wie von 1984 aussieht. Schlimmer ist aber, dass die Spurbreite hinten 6 cm kleiner ist, als vorne. Das ist nicht immer lustig. Wenn man beispielsweise mit den Vorderreifen eine schöne Spur in den Schnee zieht, dann entscheidet sich das Heck ob es mit dem rechten Rad in der rechten Spur folgt oder mit dem linken Rad in der linken. Beide gleichzeitig geht nicht. Das bedeutet auch, ordentlich gradeaus geht auch nicht. Nicht lustig, wenn man einen Bergkamm lang fährt und es rechts und links in die Tiefe geht. Also wurde hinten die Spur um 6 cm verbreitert, so dass sie vorne und hinten gleich ist. Und damit das keine riesen Sauerei gibt, mussten auch die Kotflügel und Spritzlappen verbreitert werden.

Da ich gross im Radio anlassen und dergleichen bin und wir nicht ohne Strom in der Pampa stehen wollen, haben wir eine zweite „Versorgungsbatterie“ eingebaut, wo alles dranhängt, was nicht unmittelbar dem Autofahren dient. Das bringt einen recht umfangreichen Umbau der Fahrzeugelektrik mit sich. Ein Trennrelais sorgt dafür, dass die Lichtmaschine den Strom da hin schickt, wo er gebraucht wird, es gibt jetzt einen Sicherungskasten hinter dem Fahrersitz und ein halbes duzend Auto Steckdosen im Wagen verteilt. Vor allem die in der Dachablage haben sich als ungemein praktisch erwiesen, um allerlei Gerätschaften aufzuladen.

Eine alte Höhlenforscher Weisheit sagt „viel Licht ist schon Geil“. Vorne sind zwei einfache H1 Ralley-Scheinwerfer dran und Hinten ein LED-Arbeitsscheinwerfer.

CampingDas Dach wurde durch ein Klappschlafdach ersetzt. Das Auto ist dadurch nur 50 kg schwerer geworden und gut 25 cm höher. Mit einem Dachzelt wäre das mehr. Aber ein Dachzelt kann man abmachen. Im Klappschlafdach können zwei Personen unkompliziert und sogar beheizt schlafen. Schlafsäcke haben da oben auch noch bei zugeklapptem Dach platz. Wenn wir zu fünft sind, müssen die Kinder zelten – eins kann aber bei Bedarf auch auf der Rückbank schlafen. Ein OZtent lässt sich an die Hintere Kederschiene anschliessen, so das Zelt und Auto zu einer Einheit verschmelzen.
Obendrauf gibt es jede Menge Befestigungsmöglichkeiten durch Airline-Schienen. Eine Heckleiter macht das Dach einfach und komfortabel begehbar – eine Möglichkeit, die wir auch ständig nutzen.

Auf der linken Seite sind zwei Sandbleche angebracht. Die Halterungen sind so konstruiert, dass man die Bleche auch ‚runterklappen kann und als am Auto angebrachten Tisch nutzen kann. Darüber gibt es eine Markise. Die Markise hat sich als ein Lieblings-Feature herausgestellt. Unter ihr Kochen wir, sitzen, stehen, tratschen und halten uns warm. Oft sind Handbremse anziehen und Markise ausrollen in einem Zug erledigt. Nachts muss die halb eingeklappte Markise unsere Campingmöbel oft vor nächtlichem Tau schützen. Als die Markise in Island kaputt gegangen war, waren wir richtig aufgeschmissen. Nach der Reise, wurde das gute Stück sofort ersetzt. Aber: Das Ding ist windanfällig und deutlich zu klein. Vor allem kann man nicht an die Heckklappe, ohne durch den Regen zu müssen. Wir überlegen, ob wir noch zusätzlich eine Foxwing anschaffen, die Anbringung ist aber schwierig.

FurtenInnen, an der größeren der beiden Hacktüren gibt es auch noch einen fest installierten Klapptisch für alles mögliche.

Fest zum Auto gehört noch eine Bergematerial- (unter der Rücksitzbank), ein Kompressor- und eine Kiste mit Werkzeug und Ersatzteilen.

Ein Serien-Buschtaxi hat eine Wattiefe von 70 cm. Mit Fahrwerks- und Reifenänderungen sind wir bei knapp 80 cm. Da das Fahrzeug aber über einen Schnorchel verfügt, geht auch noch mehr. Das theoretische Maximum ist das obere Ende des Schnorchels, das bei knapp 2 m liegt. Vorher schwimmt man aber weg. Da beim häufigen Furten Wasser in diverse Entlüftungsöffnungen von Achsen & Co kommen kann, haben wir die entsprechenden Entlüftungen hoch in den Motorraum gelegt. Mehr dazu im Beitrag Furten durchfurten.

In seinem ersten Jahr sind wir mit dem Buschtaxi etwa 40.000 km unterwegs gewesen, unter anderem:

Import, Zulassung und die kompletten Umbauten wurden von Tom’s Fahrzeugtechnik erledigt. Wir würden das Auto genau so wieder bei Tom kaufen, obwohl die Fahrzeuge wohl dank Euro 5 Abgasnorm deutlich teurer geworden sind. Inzwischen übernimmt die Wartung re-Spezialfahrzeuge, die auch die Motorleistung ein Stückchen optimiert haben.

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