TGM: 4×4 WoMo

Irgendwie war das Buschtaxi in vielerlei Hinsicht doch zu klein. Wir wollen zu 4-5 „drinnen“ schlafen und ohne groß zu packen losfahren können. Das ist durchaus auch ein Sicherheitsfaktor an zweifelhaften Stellplätzen. Dusche und Klo wären auch schön.

Nach diversen Irrwegen ist es dann doch ein „Ferienhaus auf Rädern“ geworden – mit all dem Komfort, den ein Haus bietet und einigen der Probleme.

 

Das Chassis

Nachdem ich lange an einem Steyr 12M18 basierten Wohnmobil ‚rumgeplant hatte bekam bequeme, sparsame Autobahnfahrt irgendwann doch eine höhere Priorität. Da es über eine Sonderregelung 2015 noch möglich war, 2015 Euro5 Fahrzeuge ohne AdBlue zuzulassen, war das Fahrzeug der Wahl gefunden: Ein TGM 13.290 4×4 BB. Entwickelt für das Militär von Singapur ist das im Grunde ein 18 Tonnen Fahrgestell, das mit 13 t zulässigem Gesamtgewicht verkauft wird. (D.h. das N37 und N38 Chassis von MAN sind angeblich identisch, der N38 wird als TGM 18.340 vermarktet. TGM 18.290, TGM 18.280, TGM 15.250, TGM 13.250 verfügen wohl alle über schwächere Chassis)

15 " Bliss auf TGM

Oben drauf ist dann ein 15″ Bliss Aufbau gekommen. Den kann man bei Bedarf auch immer noch auf einen Steyr  oder ZILstellen. Zusammen ist das dann ein sehr komfortables und hinreichend geländegängiges Fernreisefahrzeug mit etwa 10 Tonnen Gewicht, mit dem man bequem bei 110 km Reisen kann (und z.B. in Frankreich auch darf).

Basis ist ein TGM 13.290 4X4 BB / LN37MG29, blattgefedert, 290 PS Euro 5 ohne AdBlue, verstärkte Kuppelung,  12 Gang Automatik, Untersetzung, 3 Sperren, 14.00 Reifen, große Lichtmaschine (135A) & großer Luftpresser, beheizter Diesel-Vorfilter, komfortables Fahrerhaus.

SchlafsitzDer MAN D0836 Motor ist bei Bedarf ist relativ leicht von 290 PS auf  340 PS, Euro3 und schwefelhaltigen Diesel zurück/-umzubauen. Druckluft Tanks liegen im Rahmen, so dass der Wagen „untenrum“ nackt ist und viel Platz bietet.

Im Fahrerhaus ist nach diversen anderen Versuchen hinter den Vordersitzen das MAN Fernfahrerbett verbaut. An dem Bett wurden zwei Beckengurte und eine Rückenlehne nachgerüstet, so dass es jetzt 4 Eingetragene Sitzplätze im Fahrerhaus gibt. Das sitzen und Rumlümmeln auf der „Bett-Sitzbank“ hat sich als ausgesprochen Beliebt bei den Kindern und als sehr lankstreckenfreundliche Sitzvariante herausgestellt.

tgm

  • Höhe Fahrerhaus 3.25 m, mit Wohnkabine ca. 3.70 m, Breite 2.49m, Länge 7.95 m (7.21 m ohne Fahrrad & Reserveräder),
  • Radstand 3.9 m, Überhang vorne 1.4 m, hinten 2,59 m (1,85m ohne Fahrrad & Reserveräder), Rampenwinkel etwa 31°, Böschungswinkel > 30°, Bodenfreiheit ca. 35 cm
  • Reifen 14.00 (∅ 1.24 m) auf Sprengringfelge, ein Reservereifen auf Felge, eine Karkasse ohne Felge.
  • Leergewicht Chassis 6.6 t, mit Wohnkabine reisefertig ca. 10.5 t
  • Wendekreis 18 m – mein Hauptkritikpunkt an dem Fahrzeug.

 

Die Wohnkabine

SitzeckeDer Wohnaufbau ist das 15″ Modell von Bliss Mobil und wurde in Rekordzeit  fertiggestellt – das ist der Vorteil von Serienfertigung. Mit  4.70 x 2.27 m Grundfläche ist die Kabine relativ schmal – genau so breit wie das Führerhaus. Das bedeutet, der breiteste Punkt des Fahrzeugs sind die Reifen – das fährt sich angenehm und sieht je nach Perspektive erstaunlich zierlich aus.

Vorne gibt es eine Sitzecke (die man zu einem 200 x 140 Bett umbauen kann), dann folgen Küche und Eingang, dann Dusche und Klo, am Heck ein Doppelbett 140×210 mit der „Garage“ darunter und hinten Dran ein Träger für Ersatzräder und Fahrrad.

Bliss hat den Ruf, technisch an die Grenzen des machbaren zu gehen. 500 l Frischwasser, 175l Grauwasser, 110l Schwarzwasser, 22 kW (Netto-) Batteriekapazität, knapp 1 kW Solarleistung, elektrische Fussbodenheizung, Klimaanlage, Luftheizung, Küche mit Mikrowelle, Backofen und Induktionsherd, Kühlschrank, Gefriertruhe, Boiler & Durchlauferhitzer und sogar eine Nespressomaschine ist ab Werk dabei. Das ganze mit einem Bus-System auch über Smartphone usw. steuerbar. Das TCP/IP Netz kam von Anfang an mit einen halben duzend SCADA Devices daher. Aber natürlich bin ich dabei, noch jede Menge weiterer Netztechnik nachzurüsten.Grundriss

Wichtiger als all sie Technik ist aber das Wohngefühl. Es ist halt letztendlich ein Ferienhaus auf Rädern und es soll sich nicht Anfühlen, als sei man in einem Joghurtbecher eingesperrt. Und das klappt ganz gut. Die vielen Holz- (genau genommen Bambus-) Oberflächen, die zwar ehr kleinen, aber genau auf Blickhöhe angebrachten Fenster und die drei Dachluken geben Tags ein helles, freundliches Gefühl und Abends viel Gemütlichkeit. Barfuss mit den Füßen auf dem beheizten Holzboden in der Sitzecke und beim ersten Kaffee dem Sonnenaufgang über dem Feld zuschauen – das ist schon genau, wie Urlaub ein tag anfangen soll.

StauraumFür einen Erwachsenen und drei Kinder ist der Platz grade richtig. Ein Teenager im Fahrerhaus, zwei auf dem Sofa, der Familienvorstand im Doppelbett. Das lästigste ist es, die Beiden Türen zwischen Fahrerhaus und Wohnaufbau jede Nacht irgendwo zu verstauen, da wir sie nicht zu lassen wollen und sie offen im Weg sind.

Der Stauraum im Bliss Aufbau reicht nicht wirklich für 4 auf einer langen Reise, aber im Fahrerhaus und in der „Garage“ ist genug Platz für Taschen und Kram. Bei bedarf könnte man auch noch Staukästen ans Chassis schrauben, um mehr Ausrüstung zu verstauen.

Fahr- & ErsatzradHinten dran ist noch ein Reserverad- und Fahrradhalter. Rechtlich ist das Ladung und gehört nicht zum Auto. Ein Fahrrad dabei  und schnell zur Hand zu haben hat sich als riesen Vorteil herausgestellt. Leider wird das Rad da hinten blitz schnell unmenschlich dreckig.

Ein Reserverad soll auch praktisch sein, hab ich gehört. Bei 105 kg Gewicht von Reifen und Felge ist ein Radwechsel alleine aber mal so gar nicht lustig. Deswegen spricht einiges dafür in Zentraleuropa – wo immer ein Reifendienst um die Ecke ist – den ganzen Spass zuhause zu lassen. Reifen samt Halter kommen locker auf 500 kg, die man da zusätzlich mitschleppt.

 

Tuning

„Viel Licht ist schon geil“ – alte Höhlenforscher Weisheit. Auf den Dachträger sind noch vier Scheinwerfer nach Vorne gekommen. Das ist auch ein bisschen optisches Tuning. Eine Rückfahrkamera – damit ich keine Kinder überfahre – ist auch dazu gekommen. Und eine „Umfeldbeleuchtung“, die die Reifen anstraht, damit ich auch im Dunkeln präzise rangieren kann.

Für die nun insgasammt 8 Frontscheinwerfer würde ich mir eine  höhere Streuung wünschen.

Für die Rückfahrkamera als Display, Navi und Freisprechanlage tut ein Pioneer AVIC F77DAB Radio seinen Dienst.

 

Der Name

Bisher nennen wir das Auto „LandCrusher“ im Gegensatz zum „LandCruiser„. Ich mag das nicht so recht. Der Name „LandCrusher“ klingt nicht nach Öko-Tourismus, aber die Kinder haben darauf bestanden. Und ja, die Fuhre hat einen höheren Bodendruck, als das Buschtaxi.

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