Daheim & Unterwegs

Zurück in die EU: Aussengrenzen

In der Pampa aufgewacht und kurz überlegt, ob ich über Nador oder Melilla, der zweiten spanischen Enclave in Marokko (neben Cetua), ausschiffen will. Medilla scheint mir einfacher. Zum einen will ich mir die EU-Aussengrenze anschauen. Zum anderen scheint es einfacher, Grenzkontrolle und Einschiffen nicht in einem zu haben. Mich gruselt ein bisschen, denn man hört allerlei Horror-Geschichten von Leuten, die sich in die EU-Schmuggeln wollen.

1 km vor der Grenze mein marokkanisches Geld vertanken und Auto washcne lassen. Ich hab das Gefül, die Jungs wollen mich übel über den Tisch ziehen. Aber am ende haben wir uns nur bei den Nullen vertan. 4 Euro für ne (ehr schlechte, als rechte) LKW-Wäsche ist schon OK.

Dann Richtung Grenze. Einmal vorbei fahren und die Lage peilen. Dann anstellen. Es sind vielleicht nur 200 m bis zur Grnzkontrolle, aber die unangenehmsten 200 m, die ich bisher erlebt habe.

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Eingekeilt in einer Blechlawine, rechts und links Geschäfte. Lärm, Hiitze und Gruppen aggressiver Jugendlicher, die am LKW fummeln, versuchen in die Radkästen zu kriechen, Versuchen aufs Dach zu klettern und so weiter. Das ist purer Stress, denn ich mache mir einen Kopf am ende Probleme wegen Menschen- oder Drogenschmuggel an der Backe zu haben. Obendrein sind die Jungs einfach frech, fordernd, unsympatisch und generell nicht meine Freunde. Mit Humor und Empathie wäre laut guter Ratschlaggeber sicher alles toll und entspannt gelaufen, aber das ging mit in dem Moment ab. Die Handgemänge zwischen verschiedenen Grüppchen mit gelegentlichem Einsatz von Sicherheitskräften taten ihr übriges zur unentspannten Stimmung.

Kurz vor dem Grenztor werde ich rausgewinken. Irgend ein Uniformierter steigt zu, läst mich in dem ganzen Chaos drehen und auf der Ausreisespur zurück fahren. Es geht zum Frachthof. Da wird der LAster geröntgt und dann zurück über die Ausreisespur bis kurz vors Tor. Ich soll jetzt einfach durch zur Kontrolle fahren.
Ach das Dach ist zu niedrig. Dann soll ich bitte einfach rüber zum ganz rechten Tor fahren, da passt das.
Zack! - ist der Typ mit mienem Pass verschwunden.

Ich quäle mich quer zu etwa sechs Spuren zum rechten Tor. Das gibt so aber nichts ich werde mehrere Züge brauchen, bis ich da rein komme. Alles Gestikuliert, zeigt an und gibt Rat-Schläge. Leider kann ich mit dem automatisierten Schaltgetriebe vom TGM auch nicht nur ein oder zwei cm vorziehen - was bei dem Gedrängel hier aber nötig ist.

Immerhinkann ich durch einschlagen der Lenkung die 14.00 recht weit nach rechts und Links rausstrecken und so ein bisschen zurück drängeln. IRgendwann gebe ich auf und lasse mir vom Aufdringlischsten der Helfer helfen.

Das procedere läuft dann so: Ich fahre über das Ausreisetor in den Zollberech dann mit viel rangiererrei udn dem verbiegen einiger Absperrungen (zum Teil durch den MAN zum Teil durch den Helfer, zum Teil durch Soldaten) geht esquer zu den Wachhäusschen, dann rückwärts wieder brav dahin, wo der Laster kontrolliert werden soll.

In der Zwischenzeit gibt es einen Motorradumfall auf dem Zollgelände und eine Schlägerrei. Nach viel Papier will der Helfer 40 € für sich und all die Zöllner haben. 10 mal so viel wie eine LKW-Wäsche. Find ich doof. Aber eine gute Show hat er schon geliefert. 35 € und er zieht murrend ab.

Ich schnell in die leere "EU-Citizens" schlange. Eine ehr oberflächliche Kontrolle durch den Spanischen Zoll. Die verlassen sich auf ihre HErztonmonitore. Mein Hinweis, dass sich da leute am LKW zu schafen gemacht hatten und vieleicht was versteckt huatten, fanden die Jungs nicht so wahnsinnig interessant, wünschten mir eine gute Fahrt und ich machte so schnell ich kommte, das ich nach Europa kam.

Dann durchs Tor. Europa. Irgendwie. Ich wälze mich durch den Verkehr, bis ich einen Lidl erspähe. Auf dem Parkplatz treffe ich einen schnautzbärtigen Spanier, den ich aus der Schlange vorm Zoll kenne. Er spricht Deutsch und lebt bei Hanau. Umfangreiche Erklärungen üebr "die hier unten". Die Jugendlichen an der Grenze wollten eigendlich gar nicht nach Europa, sondern "nur" nach Melilla. Das wäre das Paradies für sie.

Zum Hafen. Diesmal ohne Schlepper eine Fährkarte zum Europäischen Kontinent kaufen.

Ich will - wie schon in Cetua - die Grenze erkunden. Irgendwelche Kinder winken und wollen mich anhalten. Das bin ich ja aus Marokko gewohnt. Nee. Aber an den Speedbumps fahre ich langsamer. Dann mit Schmackes einen steilen langen Berg durch Häuserschluchten rauf. Im Rückspiegel sehe ich in einer Kurve kleine Beine am Heck hervorbaumeln. Mir läuft es heiss und kalt den Rücken runter. Anhalten. Durchatemen. Zack geht die Beifahrertür auf und ein Junge steigt ein.

Ich sage ihm auf Deutsch, er soll letzt aussteigen. "Porque?" - "Wer in meinem Auto mitfährt, entscheide ich. Raus mit Dir!" - "Porque?" - "RAUS!" - "Porque?" -"No hacemos porqueria aquí", erst als ich die Hand erhebe, macht er sich von dannen.
Sicher keine Glanzleistung. Nach der Grenze bin ich echt angeschlagen.

An einer grossen Kaserne vorbei geht es zur Nordspize der Enklave. ¨Wärmebildkameras üebrwachen das Meer. Wachhäuschen sind wie Schwalbennester an die Felswand geklebt.