Über das Bücher kaufen. Eine Liebeserklärung an Frau Funk.

tl;dr: Sucht euch eine Buchhandlung, die nicht zu einer Kette gehört und kein Webshop ist. Kauft da. Ihr werdet es auf lange Sicht nicht bereuen.

Ich mag ja Bücher. Stellenweise in meinem Leben vielleicht zu sehr. Als ich auf dem Dorf wohnte war Informationsbeschaffung ein Riesenproblem. Alles interessante in der Stadtbibliothek war nach ein paar Jahren gelesen. Der lokale Buchhändler konnte oder wollte mir mit meinen Interessen nicht so recht weiter helfen. Das Zweitausendens Merkheft bot etwas Abhilfe. In der Datenschleuder las ich etwas später, dass man über das Postamt die „Lehrblätter zur Fernmeldetechnik“ beziehen könne. Das ist mir aber nie gelungen. In der Provinz kannte die keiner.

An der Uni gab es dann viele Bücher. Elektronische Kataloge. Fernleihe. Und gleichzeitig kamen Internet-Buchhändler. Lehmanns. FatBrain.com. Irgendwann kam Amazon.com dazu. Und irgendwann kam das „Leute die dieses Buch gekauft haben, haben auch folgende Bücher gekauft“ bei Amazon dazu.

Wow! Die Ratschläge, die ich mir immer von meinem Buchhändler gewünscht hatte. So viele spannende Bücher. Ich habe über viele Jahre angefangen, Bücher schneller zu kaufen, als ich sie lesen konnte.  War ja alles so interessant. Vermutlich.

Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legte ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Aber inzwischen gibt es ja eigentlich jede Information detaillierter und aktueller im Internet. Bücher bieten etwas anderes: Statt Informationsbröckchen den Überblick. Das sich-dem-Thema-widmen.

Mal eben was erfahren geht im Internet besser und schneller. Ein Buch ist das Obligo sich mit einem Thema näher und und länger auseinander zu setzen.

Das scheint generell ein Trend zu sein. Z.B. gibt es wieder viel mehr typografisch und von der Bindung her schön gemachte Bücher. Bücher, die auch haptisch und optisch ansprechen.

Da ist es nicht mehr zeitgemäß, sich ein Buch im Internet zu klicken und dann am Tag drauf mit viel Verpackungsmüll aus dem Briefkasten zu ziehen. Das macht nur Frust über ungelesene Bücher und ein zu volles Regal.

Also: wenn ich heute von einem interessanten Buch erfahre, bewege ich das erst etwas in meinem Herzen. Lang genug, bis ich mich überwinde, den Schlossberg hoch zu laufen. Während der Ladenöffnungszeiten!!! In meinem Fall ist dass dann Buchhandlung Funk (gräßliche Internetpräsenz – ohne die tollen Emotionen des Ladens). Wenn man heute eine unabhängige Buchhandlung betritt, kann man bei einem sicher sein: die verstehen ihr Geschäft. Sonst wären sie längst pleite oder von den Thalias dieser Welt gefressen.

Und klar: keine Buchhandlung der Welt hat die Gebiete Transhumanismus, Overlanding, Machine Learning, Typografie, Geografie, Speleologie & Karst-Hydrologie komplett vorrätig. Und kein Buchhändler kann in all den Bereichen sinnvoll beraten. Vermutlich in keinem der Bereiche. Macht aber nix, wenn man eh ein konkretes Buch will.

Dann wird das Buch bestellt und man hat Vorfreude. Mit der kann man ein paar tage später wieder den Berg erklimmen, das Buch durchblättern, ein Schwätzchen halten und wenn man es mag, kaufen.

Alles so weit, so gut. Aber jetzt passiert das magische: Die Leute, die heute in einer unabhängigen Buchhandlung arbeiten lieben Bücher. Da man selber Bücher mag, fängt man an über Bücher und Interessen zu sprechen. Klar hat man selber einen viel besseren Überblick über die speleologische Literatur und die Buchhändler werden einem da kaum interessante Hinweise geben können. Aber beim Buchhändler hat man viel mehr Überblick über den Literaturbetrieb als solchen. Und allein durch das drüber reden wird der Blick für die Interessengebiete des Kunden (also meine) geschärft. Bei der Lektüre des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels wird die Buchhändlerin jetzt bei entsprechenden Büchern aufhorchen. Beim Verlagsvertreterbesuch wird der Buchhändler jetzt empfänglicher für Bestellvorschläge aus den abseitigen Sortimenten die (mich) interessieren.

Und Stück für Stück werden Bücher im Laden auftauchen, an denen man mehr Spass hat und die aus dem Einheitsbrei von Baedeker und dem geheimen Leben der Bäume herausstechen. Das ist natürlich ein gegenseitiger Prozess: die Buchhandlung lernt, was ich mir wünsche und ich lerne von den erfahrenen Bücherwürmern, was sich noch anzuschauen lohnt; wo man mal über den Tellerrand schauen kann.

Das ganze ist ein Mordsspass für alle: Ich freu mich über neue Ideen und Bücher. Die Buchhändlerin was gefunden zu haben, wo ich Spass dran habe (und Geld für ausgeben). Und darüber, Feedback vom Kunden zu bekommen.

Und weil der Prozess doch recht entschleunigt ist, kaufe ich nicht mehr Bücher, als ich lesen kann. Kaufe auch mal ein Buch wegen der tollen Aufmachung oder Illustrationen. Erfahre mehr über Autoren und Verlage.

Habe einfach viel mehr Freude an einem Buch, wenn ich es nach einigen Mühen als Beute nach Hause trage.

Viel besser, als sich im Internet ein Buch zu klicken!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s