Minerve: In die Cevennen

Es geht auf kleinen Straßen Richtung Cevennen. Ein bisschen habe ich das Gefühl, das die Stimmung sich ändert. Die Leute sind nicht mehr so offen und amüsiert über den Reiselaster. Schon bei einfachen Ausweichmanövern hatte ich in den Pyrenäen oft das Gefühl, das mir Begeisterung entgegen schlägt oder am Atlantik zumindest Amüsement. Hier ehr Missbilligung. Die Teppichstangen sind auch zurück.

Es soll nach „Minerve“ gehen. Stadt auf einer Felsnadel. Viel Schluchten & Höhlen darum. Eine letzte Festung der Katherer. Das sind die, zu denen der Papst an seine Generäle die Arbeitsanweisung gab „Tötet sie alle, der Herr wird die seinen finden.“

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Parken ist in so einer Zerklüfteten Landschaft nicht so einfach. Der Busparkplatz ist beschrankt und lässt mich nicht rein. Der PKW Parkplatz ist 5 km weg und auch da lässt mich die Schranke nicht rein.

Zu wenig Metall am Boden ist meine Theorie. Hier kam mal ja der hilfreiche Vorschlag, ich solle bei Ampeln, die mich nicht bemerken, ein Backblech hinter mir her ziehen. Oder einen Ortstermin mit dem Strassenbauamt machen…

Ich versuch’s mal mit einer Schaufel. Schaufel auf Kontaktschleife, Ticket ziehen, Schranke auf, Schaufel hoch, Schranke zu.

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So nicht, nochmal. Im Zweipersonebetrieb. Diesmal donnert die Schranke mit Schwung auf den Dachträger um sich dann zwischen Führerhaus und Koffer zu verankern. Das Führerhaus hat ne Delle und der „A-Holm“ des Koffers Leck ab. Gut das das ein fettes Stahlprofil ist. Der Schrankenarm ist ein bisschen aus der Verschraubung und wackelt leicht.

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Da ich diesmal ohne Werkzeug reise, muss das so bleiben. Kratzer hat der Wagen auf dieser Reise eh schon genug bekommen und das Loch im Koffer aus Langenaltheim steht auch noch zu verschliessen, also keine grosse Sache, muss mitgemacht werden.

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Die stadt ist schon spektakulär. Aber auch sehr touristifiziert. Und außerhalb der Saison – praktisch nichts hat offen. In einem Bistro ist jemand zugange. Ob es offen sei? Klar! Gibt es auch was zu Essen? Empörung. Neiiien! Jetzt doch noch nicht. Essen gäb es erst ab 12, da sei man hier ganz falsch. Um diese Zeit! Nein, also….

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Es ist 11:48.

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Runter in die zwei Schluchten, die die Stadt definieren. Alles schon spektakulär. Treppen, Tunnels.

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Und nahebei zwei gigantische Durchgangshöhlen, wo der Fluss sich eine Abkürzung gegeben hat. Das ganze Wasser ist nicht zu sehen, hier muss es auch noch einen Untergrund-Fluß geben. Ich überlege, wie und ob ich das auto in die eine Höhle rangiert kriege. Das soll ja auch mal Spaß haben. Wäre sicher auch nen netter Übernachtungsplatz….

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Zurück hoch in den Ort.

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Ein Hund der genüsslich sein Geschäft mitten auf den weg macht. In die Kirche darf man auch nicht rein. Zwischendurch ärgerliche Nachrichten von zuhause. Dann zurück zum Parkplatz.

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Da schleicht wer um’s Auto. Ob ich helfen könne. Mein Auto habe die Schranke beschädigt!

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Nene. Deine Schranke hat mein Auto beschädigt. Das ist dann eine Diskussion, die der Franzose mit dem Deutschen doch lieber vermeidet, man weis, die Krauts machen völlig unsinnigen Aufstand um jeden Kratzer am heilig Blechne. Er beweist mir, die Schranke sei voll funktionsfähig. Ich rede viel von „Misconstruction“. Genervt meint er, ich solle bezahlen und mich dann verdrücken.

Die Schranke an der Ausfahrt geht natürlich auch nicht auf. Nach Palaver ist er der Meinung, ich hätte zu lange vom Automaten bis zur Schranke gebraucht, daran läge es. Ist klar.

Seine Lösung: Schlagbaum abschrauben. Ich helfe, das will er aber gar nicht. Stau. Alle genervt. Ich fahr durch und helfe wieder beim anschrauben. Ich soll mich verziehen. Zum Abschied nehme ich mit der Kofferkante noch ein Stopschild mit. Ich glaube gleich fliegen Steine, nix wie weg.

Das erste ernsthaft unangenehme Erlebnis auf der Reise.

Gelernt: Wenn man Stress hat, erstmal Momentchen Pause. Nie „schnell aus dem Weg“ fahren. Hab ich eigentlich auch in der CE Fahrschule gelernt.

Obendrein: Beschrankte Parkplätze meiden, lieber im Parkverbot an der Straße stehen. Schade eigentlich. Ich versuche ja Geld im Land zu lassen. Aber wenn der Parkplatz und das Restaurant mich nicht wollen und alle Läden zu haben …

Es geht mit recht viel Wut im Magen – vor allem über mich, das ist am ärgerlichsten – weiter Richtung Cevennen.

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Die „Couriosität von Lauriole“ bleibt links liegen – ein Tatsache, die ich inzwischen natürlich bitter bereue.

Weiter gen Nord-Osten!

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  1. Hausboote schauen – Daheim & Unterwegs - 2016-11-13

    […] Jetzt in die Cevennen! […]

  2. Weiter in die Cevennen – und wieder raus – Daheim & Unterwegs - 2016-11-13

    […] gestern nicht genug Kilometer abgespult wurden, langsam mal weiter und Strecke machen. Eine stillgelegte […]

  3. Aufs Schiff nach Schweden – Daheim & Unterwegs - 2017-10-03

    […] hab das notiert. Aber auf welchem Zettel? Ich will auch schnell unter der Schranke weg, nach dem eine französische Schranke im Herbst versucht hatte, das Führerhaus vom Aufbau abzuguillotinieren. Gasse 18 … 17 … 16 steht ein Laternenmast … 12 … 11 … […]

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