In schweres Gelände

Morgens machte ich erstmal einen Erkundungs-Spaziergang um unseren Stellplatz vom Vorabend. Es war wild-idyllisch, teile der Wiesen wurden noch regelmässig gemäht, andere wuchsen grad zu. Es gab sogar eine scheinbar noch intakte Stromleitung in die Richtung, in die wir wollten. Das fast verlassene Dorf Petryata/Pogranichny/Пограничный,  und Umgebung waren in der Morgensonne wirklich zum verlieben.

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Die Strecke weiter in Ost-Richtung war ein Waldweg, der offensichtlich länger nicht mehr befahren wurde, andererseits gab es recht neue Unterstände (für die Jagd?) und Waldbrandwarnplakate. Gelegentliche Pfützen, aber das sollte schon zu schaffen sein!

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img_8911Luftdruck auf 3 bar und los. Mit Luftdruckspielerreien sollten wir noch sehr viel Zeit verbringen.

Allerdings war die Strecke wirklich selten befahren: es gab zwar Fußabdrücke, aber keine aktuellen Reifenspuren und niemand hatte in letzter Zeit umgestürzte Bäume von der Fahrbahn geräumt. Mal kamen wir drüber und mal drum.

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Aber auch Säge und Machete mussten immer wieder ausgepackt werden.

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Ich weiss nicht, ob wir es da schon mit Permefrostboden zu tun hatten (ehr nicht), aber der, der Untergrund war eigenartig: Keinerlei Steine, auch kein Sand, aber die obersten 50 cm waren ein einziger schmier. Darunter scheinbar recht tragfähiger Grund. Als „cremig“ würde der Höhlenforscher die Untergrundbeschaffenheit bezeichnen …

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Die nicht immer gleichmässige Tragfähigkeit des Untergrundes führte mehrfach zu atemberaubenden Kipp- und Wankbewegungen unserer grossen Autos.

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Immer mal wieder hatten wir so wenig Traktion vor lauter Schleimigkeit, dass wir uns gegenseitig vor oder zurück ziehen mussten.

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Zum Teil war der Untergrund auch für das Zugfahrzeug so glitschig, das wir es nur mit einem elastischen Bergegurt („Hashi-Ken H-20“) hinbekommen haben, beide Fahrzeuge zu bewegen.

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Große Probleme bereiteten uns Spurrillen. Oft war kein rauskommen aus der Spur, soviel man auch lenkte (Obwohl teilweise vielleicht auch mal zu enthusiastischer Einsatz der Differentialsperren Mitschuld hatte).

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Das war ja weiter nicht schlimm, es sei denn, die Spur führte in einen Sumpf oder endete vor einem Baumstumpf. Manchmal reichte es 10 Meter zurück zu fahren, einmal konnten wir Den Hintermann mit dem Seil in die richtige Spur ziehen und immer wieder mussten wir die Ränder der Spur einreissen und Rampen aus der Spur heraus bauen.

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Ein andermal schafften es zwar die Vorderräder in die Richtige Spur, aber die Hinterräder blieben, wo sie waren und wir „drifteten“ quer über den Waldweg.

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Irgendwann in dem ganzen Gemocke stellte ich fest, das es zischte, wenn ich die hintere Differenzialsperre einlegte. eine längere und ehr matschige Fehleranalysephase schloss sich an. Ein Schalter an der hinteren Sperre war ab, dadurch trat Luft aus und die vordere Sperre liess sich nicht einlegen. Ziemlich lange versuchte ich den Schalter wieder aufzuschrauben, bis mir klar wurde, dass da was abgebrochen war. Der Schalter an der Vorderachse war baugleich, so dass wir den zur Not nach hinten hätten einbauen können. Aber erstmal beschlossen wir, das zu lassen wie es war. Die Mittelsperre ging ja noch rein und die hintere wohl auch. Allerdings ging dann der Betriebsdruck runter, also lieber nicht rein machen.

Wenig später fuhr ich mich schon wieder fest. Nachdem dann auch noch Starkregen einsetzte, beschlossen wir für die Nacht zu bleiben, wo wir sind. Wir hatten an diesem Tag nur 11 km geschafft und waren körperlich durch, von Mücken zerfressen und sicher schlug am Abend der Mut auch nicht ganz zuverlässig immer den Zweifel.

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Nach einer heissen Dusche und Ende des Regens sah die Welt schon wieder anders aus. Ab zum Abendessen zum Nachbarn!

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Den Track zur Tour gibt es hier und Günthers Bericht über das Abenteuer dort.

Wie ging es am nächsten Tag nach all dem Regen weiter? Das steht hier.

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