Im Gelände mit dem Steyr

Das sich ein Steyr 12M18 im Stadtverkehr erstaunlich gut fährt und im Zweifel auch als Einkaufswagen geeignet ist, wusste ich ja schon. Aber wie siehts im „schweren Geländeeinsatz“ aus? Das Mitglieder des Steyr-Forum wollten sich Himmelfahrt im Fürsten Forrest treffen, um das herauszufinden. Und natürlich auch Workshop Reifenwechsel & Schneeketten, Grillen, Friede, Freude, Lagerfeuer, Reden von Abenteuer & das übliche.

Im Fürsten Forrest war ich schon mit dem Buschtaxi unterwegs gewesen, jetzt also mit gut doppelt so viel Gewicht und 70 cm mehr Breite.

Zusammenfassung: so lange die Höhe & Breite passen, kann man mit dem Steyr alles fahren, was man auch mit dem hoch geländegängigen Toyota fahren kann. Vermutlich sogar noch ein bisschen mehr.

Ich kam mit als einer der Ersten an der ehemaligen Bundeswehr-Fahrschule Fürsten Forrest an. Die schon eingetroffenen drei Steyr hatten sich ein schönes Plätzchen im Vorgarten der Veranstaltungshalle der Ex-Kaserne gesucht. Anstatt lange mit Zeltaufbau und dergleichen zu fackeln,  ging es erstmal aufs Fahrgelände. Die Panzerstrecke, die grosse Sandgrube, Baumbrücken, Matschlöcher.

Anfangs – grade auf der Berg- & Talbahn der Panzerstrecke – hatte ich schon ein Problem, die Richtige Kombination aus Gängen und gesperrenten Differentialen zu finden. Immerhin hat man 20 Gangkombinationen zur Auswahl multipliziert mit mit den Kombinationen aus drei möglichen Sperren.

Was sich für mich als der Default herausgestellt hat: Geländeuntersetzung – damit hat man doppelt so fein abgestufte Gänge und jeweils etwa doppelt so viel Kraft. Anfahren im 5 Gang ist damit kein Problem und man spart sich die kraft- und materialzehrenden Gruppenwechsel vom 4. in den 5. Gang. Man muss mehr schalten und ist gezwungen sich besser um den optimalen Drehzahlbereich zu kümmern, aber das halte ich für eine gute Sache. Also wie beim Buschtaxi: im Gelände: Geländeuntersetzung rein!

Die Mittlere Sperre hab ich auch direkt rein gemacht und drin gelassen. Klar kann man einen Großteil der Strecke auch ohne fahren. Aber ich habe schon gerne die Garantie, dass sich immer mindestens zwei Räder drehen und will mich nicht erst darum kümmern, wenn der Wagen am Hang rückwärs rutscht. Dann hab ich besseres zu tun, als an den Sprerren rumzufummeln. Z. B. schreien und jammern. Das Buschtaxi hat gar kein Mitteldifferential und deswegen ist es um Allradbetrieb immer wie mit mittlerer Sperre unterwegs. Auf losem Untergrund (kein Teer und kein Beton) ist das völlig unproblematisch für den Antriebsstrang.

An Stellen mit viel Verschränkung habe ich vorausschauend noch die Hinterachssperre rein gemacht, aber immer nur für 20 Meter oder so – und möglichst nur im Gradeauslauf. Und natürlich: Luftfederung der Sitze arretieren (danke für den Tipp).

Anfangs hatte ich ein bisschen Sorge, auf Kuppen aufzusetzen. War aber nie ein Problem. Das Buschtaxi hat einen Rampenwinkel von 27º und der Steyer mit 14.00R20 Reifen 29º. Meiner mit den „kleinen“ 14.5R20 Reifen vermutlich also auch gut 27º.

Im grossen und ganzen waren viel Stellen mit dem Steyr weniger aufregend, als mit dem Buschtaxi. Insbesondere Schräg-Passagen erschienen deutlich weniger gruselig. Da helfen wohl die 70 cm mehr Spurbreite. Die vielen Gänge machen das Bremsen mit dem Motor deutlich komfortabler und die Staudruckbremse erlaubt das Eingreifen in die Motorbremsleistung ohne auszukuppeln. Im Crawler („0. Gang“) mit Staudruckbremse kann man fein doziert selbst extreme Steigungen hinunter klettern. Sehr schön. Extreme Stiegungen hoch geht in den ersten Gängen auch sehr schön, wobei ich ja auf weichem Untergrund gerne auch etwas Schwung nutze und den 3. oder 4. Gang (in der Geländeuntersetzung!) nehme. Gerne auch im oberen Drehzahlbereich, so dass ich bei leichter Verlangsamung den extra Kick bekommen, weil der Motor dann den Optimalen Drehmoment hat – ohne schalten zu müssen. Und beim durchdrehen ist man dann schnell am Drehzahlbegrenzer, was auch nicht schadet. Das ist aber sehr eine Sache des persönlichen Fahrstils.

Einmal ging es 100 m rückwärts durch den Wald, weil es einfach zu eng wurde – das wurde vor allem durch Quad-Fahrer erschwert, die meinen, es sei eine gute Idee hinter einem rückwärts fahrenden Laster rummzucruisen.  Ne Rückfahrkamera wäre schon eine gute Sache, den in den toten Winkel eines Lasters kriegt man schon einige Fußballmannschaften …

Einmal steckte der Steyr in einer Hohlweg-Kurve einer Steilpassage fest – das war dann doch einfach zu eng. Also rückwärs raus.

Was mich nicht uneingeschränkt glücklich macht, ist die Tatsache, dass der „Richtungswechsel mit dem Anlasser am Berg“ mit dem 12M18 nicht geht, weil anlassen nur im Leerlauf möglich ist. Ich würde wohl anlassen udn dann die Kuppelung im Rückwärtsgang schnacken lassen, hab aber Vergessen, das auszuprobieren.

Abends grosses Hallo, essen, trinken, klönen. Überraschend Besuch von Freunden aus der Mongolei (!) die grad vorbei kamen. Morgens stach mich natürlich der Hafer und nach rummliegen, die Füsse Stillhalten, zu den Duschen schleichen uswetc. Bin ich dann halt los, Brötchen zu holen. 1h Fußweg war mir zu weit, also den LKW angeworfen. Ein paar minuten Betriebsdruck aufbauen und dann los. Stellte sicher, dass dann auch alle von dem Geräusch ihres Lieblingsautos  geweckt wurden und der Kaffe fertig sein sollte, wenn ich zurück kam.

Die Innenstadt von Fürstenau ist für LKW gesperrt – was sich als gut rausstellte, denn da hätte icha uf keinen fall einen Parkplatz gefunden. Also Spaziergang an der Festung vorbei durch den Sonnenschein und mit 40 Brötchen und 4 Schachteln Zigaretten (ich Drogenhändler) zurück zum Frühstück. Danach im Rudel ins Gelände. Mehr über das Fahrzeug lernen.

Kurze tiefe Bodenwellen hat der Steyr gar nicht gut vertragen. Selbst im 3. Gang Untersetzung waren wir noch viel zu schnell und der Inhalt des Cockpits flog einem permanent durch den Wagen. Erst dachte ich es läg daran, dass ich unbeladen zu leicht wäre oder das die Stoßdämpfer neuer sein müssten – aber auch mit den 9t (statt 5.5t) und neuen Stoßdämpfern eines Freundes war das super heftig.

Ich durfte dann mal ein befreundetes Wohnmobil fahren, damit der Eigner das von aussen angemessen Fotografieren konnte.  Crawler über den Hügel, 1. Gang über den Berg. Dann etwas dynamischer über den nächsten Berg. Entsetzte Gesichter beim Eigner: „du bist da drüber gesprungen!“. Mal ein Blick in die Wohnkabine. Oh!

Es wurde beschlossen, die Schrankschlösser noch ein bisschen weiter in Verschränkungs- und Rüttelpassagen zu testen. Fazit: da müssen leistungsfähigere Schlösser dran.

Zum Abschluss sammelte sich der ganze Tross an einem Wasserloch. Was keiner wusste: ich war da ja schon am Vortag durchgefahren – also mit viel Schwung viel Wasser verspritzt. Und nochmal fürs Foto.

Beim Verlassen des Geländes war eine Riesenschlange am Waschplatz. Also erst Abendessen, packen und dann waschen. Beim Waschen hab ich noch gelernt, dass wenn man mit dem Schlauch auf den Kotflügel hält, das wasser senkrecht hoch durch die Türdichtung spritzt und das gesamte Führerhaus mit einer Fontäne beglückt. Mein Sitz war komplett nass. Das war besonders doof, weil ja die Lüftung nicht klappt und deswegen die Scheibe anfing zu beschlagen. Also einen Handtuchstapel als Kissen und das Fenster auf, damit die Nachtluft rein kam.

Nett wars, aber doch auch Anstrengend. Viel Autobahn und viele Stunden Offroad – da weiss man, was man getan hat.

Mit dem Universalwerkzeugs ist vast alles am Steyr zu reparieren - hier die Sitzarretierung

Mit dem Universalwerkzeugs ist vast alles am Steyr zu reparieren – hier die Sitzarretierung

Danke an K. und G. für die Fotos!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s