36: Rettung und nochmal Myvatn

Heute wollten wir Freunde treffen. Wie und wo, war aber nicht klar. Nach einer kurzen Wiederholung des Dip im Hot Pot vom Vorabend sollte es von Laugafell nach Nydalur (N 64.73900°  W 18.07107°) gehen. Dort wollten worden ansässigen Ranger nach der Befahrbarkeit der Strecken nach Askia befragen.
Zum einen ging es um die Befahrbarkeit der Furten auf der F910 bei Kambsfell westlich des Trölladyngja zum anderen um den großen Sander (ca. N 64.83986°  W 17.04918°), über den man kommt, wenn man von Askia kommend von der F910 abbiegt und direkt auf dem Vatnajökul zuhält, um dann den Trölladyngja an der Südseite zu umrunden. Gæsavatnaleið sýðri heißt die Route wohl und hat keine Nummer, ist aber auch als die „alte F910“ bekannt.

Aber erstmal kam es anders: Regen und Sturm auf der F752 Richtung Norden. Ein total verpackter Wanderer, der so auch in Grönland unterwegs sein könnte, auf dem Weg. Wir fahren im Schrittempo hinter ihm her, er geht nicht aus dem Weg. Doof oder taub – denn eigentlich bemerkt man ein 3 Tonnen Auto 1 m hinter einem auch bei Sturm. Zeit für die Hupe (die klingt, als wäre sie von einem Fiat Panda).

Zusammenschrecken. Er macht erst die Bahn frei, überlegt sich es anders, stellt sich wider in den Weg und kommt dann zum Fenster. Sagt etwas unverständliches auf Englisch mit Akzent. Ob er auch deutsch spreche? Ja.

Nach einigem hin und her wird die Geschichte klar: Gesten morgen ist Sebastian in Laugafell aufgebrochen. Irgendwas mit dem Knöchel. Viel zu langsam unterwegs. Übernachtung in der Hochland Wüste im Sturm. Wasser geht aus, keine Autos auf der Piste, alles doof. Und dass mit einem 37 kg Rucksack.

Also: Tertia auf Mutters Schoss, Rucksack hinten rein gequetscht und zur nächsten Hütte. Die Furten bis zur Hütte wären zu Fuß sicher auch nicht lustig gewesen. An der Hütte machte sich Sebastian „ein wenig frisch“ und sah kurzum auch deutlich zufriedener und gesünder aus. Alle zwei Tage kommt auch ein Us an der Hütte vorbei, aber das kam für Ihn nicht in Frage – durchaus verständlich.

Das Gespräch mit dem Ranger war ulkig. Der Mann soll ab jetzt mein Rollenmodell sein: Gross, gutaussehend, tatkräftig, optimistisch, gut gelaunt, kompetent.

Er sprach mich schon auf dem Parkplatz an: „So how do this Tom’s Fahrzeugtechnik Conversions hold up in the Storm? I always was wonderding about Wind stability.“ Nachdem ich da meine Zufriedenheit versichert hatte ging es zur Beratung in seine Hütte / Wohnzimmer / Schlafzimmer / Küche / Büro / Werkstatt. Ja, mit einem Blick aus dem Fenster aufs Auto meinte er, die Furt würde ich schon schaffen. Fluss aufwärts fahren, dann im Spitzen Winkel mit der Fliessrichtung furten. Wäre etwas unübersichtlich, weil die Furt aus der Gegenrichtung anders gefahren werden müsse.

Der Sander nach Askia, das sei eine andere Sache. Den könne man eigentlich nur früh morgends fahren. Umd bis zum Sander würde man 3 bis 4 Stunden brauchen (es war 13:00 Uhr). Es gäbe vorher eine Schutzhütte, aber da wolle man nicht wirklich übernachten. Eigentlich müsse man den Sander – der auch Treibsand hat – immer mit mindestens zwei Fahrzeugen im Konvoi befahren. Nachmittags müsse man mehrere Kilometer durchs Wasser fahren und sich halt an den aufgestellten Stöcken orientieren, wen die nicht fortgespühlt seien. Bis Askia müsse man 6 Stunden rechnen. – „Dann schaff ich das also nicht?“ – „Doch, klar, sind ja nur 6 Stunden, ich ruf‘ mal eine Kollegin an, die ist da vorgestern Abend lang gefahren.“

Ja die Kollegin habe breite 34 Zoll Reifen,ich ja nur schmale 31 Zoll Reifen, da müsse ich auf jeden Fall noch Luft ablassen. 20 km/h, nicht anhalten, wenn man anhält auf jeden Fall Motor aus, damit das Auto sich nicht weiter in den Treibsand arbeitet. Hätten sie oft: Leute steigen aus um ein Foto zu machen, lassen dabei den Motor laufen und wenn sie einsteigen, geht nix mehr.

Sollte man besser nur vormittags im Konvoi fahren. Da währ aber grade auch in SAR (Search and Rescue Team) in Askia und wir hätten ja ein Satelittentelefon dabei, die zu rufen wenn was unerwartet scheid ginge. Ich sollte schon über den
Sander fahren, die anderen Routen wären länger und weniger schön.

Nach diesen widersprüchlichen Ratschlägen entschlossen wir uns, den Sander für ein anderes Mal aufzuheben und die Kumpels am Myvatn zu treffen. Also Abenteurfurt (N 64.82105°  W 17.87371°, „for BIG Jeeps only“) auf der F910 – der Fluss war echt reißend – dann weiter auf einem Track nach Norden. Bei N 64.82157°  W 17.63023° noch innen schicken Wasserfall angeschaut, dann bei N 64.83389°  W 17.63951° nicht zum Sander abgebogen sondern nördlich auf der F910 weiter. Bei N 64.98712°  W 17.43863° nicht auf der F910 nach Askia geblieben sondern nördlich auf einer Piste zum Myvatn.

Tolle Landschaft, zieht sich aber etwas. Viel Landschaft, die die Farbe von Regolith (Mondgestein) hat.

Abends gegenüber vom Kuh-Cafe die beste Pizza, die wir in Island hatten. Dann kleinen Vortag von mir über isländische Geologie vor der Island-Reisegruppe von TC-Offroad, die scheinbar an Ihrer Tour wahnsinnig Spass hatten. So spät, wie hier noch nie, in’s Bett.

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  1. Island 2013 – ein kleiner Reiseführer | Daheim & Unterwegs - 2013-12-31

    […] Der Campingplatz von Landmannalaugar ist so bizarr überfüllt, dass dies schon fast einen Umweg wert ist. Die atemberaubende Landschaft natürlich auch. Andere Campingplätze, die uns gefallen haben sind Ásbyrgi bei “Thors Hufabdruck” (Tag 20 und 21) und der Campingplatz am Dynandi (Tag 31). In Heydalur (Tag 33) haben wir nicht gecampt, weil wir noch weiter fahren wollten. Die Hütte Laugafell ist nett, aber im Hochland Campen ist schon eine kernige Sache, wir haben in der Hütte übernachtet (Tag 35 und 36). […]

  2. 37: Abstieg aus dem Hochland | Daheim & Unterwegs - 2014-01-05

    […] Sonne!” Im Osten fährt auch die Fähre, da müssen wir also bald eh hin. Abschied von der TC-Offroad Truppe mit der wir gestern einen so netten Abend hatten und erstmal in den […]

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