20: ins leere Nordland – Langanes

Nach unserem ersten Tag und der ersten Nacht in Island: Frühstück im Hostel Ytra-Lón – wobei wir ja angeblich in einem Hotelzimmer / Appartment für gut 150 € übernachtet hatten. Herbergsfrühstück in einem liebevoll mit Treibgut und Kram eingerichtetem Wohncontainer. Alles Selbstgemacht aber nicht zwingend unendlich lecker. Wie immer: das Brot gewöhnungsbedürftig. Als einzigen Fisch gibt es Lachs. Die Tischbeine sind umhäkelt.

Hatte ich erzählt, dass ich gestern vom Herbergsvater / „Farmer“ (so nannte er sich selbst) ausgelacht wurde, für die Idee, Campingplätze zunutzen. „Here in iceland you just stop where you like it – usually at a river“ Er selber wollte nämlich auch kurzum in Urlaub.

Es sollt heute weiter auf die total verlassene Langanes Halbinsel bis zur Geisterstad Skálar gehen. Erstmal die Strasse vom Hof / Hostel weiter gen Osten. Eine Sackgasse, an der zwei weitere verlassene Höfe liegen. Einer ist inzwischen frisch mit Wellblech verkleidet und hat neue Fenster. Scheinbar fast zu Ende als Ferienhaus renoviert. Das andere Haus stürzt fast zusammen, aber 50 m weiter ist das, was als „Bungalow“ auf einem Dauercampingplatz durchgehen würde (66.222, -15.135). Das Farmhaus ist hingegen derart morsch, dass uns eine Besichtigung zu gefährlich erscheint.

Zurück und weiter nach Norden. Dann rechts ab zu einer verlassenen Radar Station „H-2“ Heidarfjall an der Ostküste. Die Strecke ist recht kernig und wir fahren in die Wolken hinein. Oben sind ein paar Fundamente, Stahlskelette und eine gruselige Atmosphäre bei vielleicht 20 Meter Sicht und Sturm, der das Auto schüttelt. (66.278, -14.993) Der Nebel ist so dick, dass wir das auf Satelittenbildern gut zu erkennende noch intakte Haus nicht finden. Die Radarstation ist wohl in den 1950ern gebaut worden und 1970 aufgegeben worden (alte Fotos). Leider haben die Amerikaner wohl nachhaltig Boden und Grundwasser versaut. Der Film Misty Mountain von Oskar Thor Axelsson spielt in der Gegend. „H-4„ganz im Nordwesten Islands hätten wir auch gerne besucht, aber da kommt man nur mit einem Schiff oder Flugzeug hin.

Zurück zur Strasse nach Norden. Da besichtigen wir eine der vielen seltsamen Steinskulpturen mit einer Art Briefkasten darin. Wofür das wohl ist? Vorbei an einigen verfallenden Häusern und etlichen eigestürzten Torfhütten. Viel Treibholz am Strand. Die Strecke zieht sich. Unterwegs drei neu errichtete Ferienhütten.

Dann die Reste eines Schiffes. Wenn ich die Geschichten richtig im Kopf habe, ein englisches Fischerboot, dass ans Ufer geschleudert wurde. Die Seeleute schafften es, sich an Land zu Retten müssten aber riesige Leiden durchstehen, bis sie auf der schon damals einsamen Halbinsel wider Menschen zu Gesicht bekommen. Das Schiff war wohl aus Metall und ist zerfleddert und in großen Teilen abtransportiert. Aber hier am Ende der Welt haben die Metalldiebe kein schweres Gerät. Wir treffen da einen Schweizer, der 2.5 Monaten in Island ist und mit viel Ruhe Schönheit im Rost fotografiert. Hie Kinder sind von der Umgebung begeistert und wollen allerlei Metallschrott nach Hause schleppen. Derweil pfeift bei 10 Grad Celsius ein unglaublicher Wind.

An den berühmten Vogelfelsen (66.385, -14.850) vorbei weiter nach Skálar, dem verlassenen Fischerdorf. Vorher noch an der Nord/Westküste eine eingezäunte Wies mit einem Campingplatzschild dran. Wohl ein Schafsschutzzaun. Über Skalar hatten wir ja am Vortag im Museum schon einiges gelesen.

Vor dem Ortseingang von Skalar noch die Reste einer ehemaligen Radar Station. Im Ort gibt es einen Biwakschachtel (66.328, -14.763), Toilette und Waschbecken – also praktisch einen Campingplatz. Auf Satelittenbildern deuten sich zwar Wege an, aber in der Praxis sieht das doch sehr nach Offroad-Fahren aus, wir fahren also nicht weiter an der Küste lang.

Wir machen dort Mittagessen bei dem Sturm,  aber ohne was warmes (zu windig) und beschließen – schweren Herzens – die Langanes Halbinsel zu verlassen udn nicht mehr den Leuchtturm im äusersten Nordosten zu besuchen.. Es gäbe hier noch tagelang etwas zu entdecken, aber es ist und einfach zu windig. Und weniger Nebel wäre auch schön. Skálar selbst war nicht so spektakulär, wie vermutet, aber die Langanes Halbinsel hat es uns angetan. Vermutlich ist die ruhige Insel mit ihrer nicht so schroffen Landschaft genau das richtige zum akklimatisieren.

Zurück nach Thorshöfn sind es 45 km für die wir bei sehr sportlicher Fahrweise eine Stunde brauchen. Gut 45 Minuten entfallen dabei auf die ersten 30 km. Insgesamt haben wir auf Langanes 5 Autos gesehen, drei davon im äuersten Süden.

Und nun? Wir beschließen nach Ásbyrgi (66.014 -16.503) zu fahren. Da gibt es ein Tal, dass angeblich ein Hufabdruck von Thors Pferd sein soll. Auf dem Weg dahin Wollten wir eigentlich die Schotterpiste 867 nehmen, die einen Bogen der 85 abschneidet, aber da stand ein Schild „34 km Impassable“ dran (N 66.22777°  W 15.79781°) und wir gingen zu dem Zeitpunkt davon aus, dass die Isländer „unbefahrbar“ meinen, wenn sie das irgendwo dranschreiben.

Grosser Campingplatz mit „Bäumen“ in Ásbyrgi (N 66.02651°  W 16.50254°). Es regnet doll. Wir räumen das Auto um, so dass Sitzraum für uns alle entsteht. Standheizung an. Gemütlich!

Morgen wird es bis zum Myvatn gehen.

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4 comments on “20: ins leere Nordland – Langanes

  1. ueli bühler
    2013-11-02 at 23:34 #

    Zitat: „Wir treffen da einenSchweizer, der Schönheit 2.5 Monaten in Island ist und mit viel Ruhe den Rost fotografiert.“
    der schweizer ist zufällig auf euren blog gestossen!

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  1. 21: klassischer Island Tourismus | Daheim & Unterwegs - 2013-12-22

    […] Ásbyrgi scheint die Sonne am Morgen. Die Laune ganz oben. Tolle Duschen, Secundus und ich duschen zusammen […]

  2. Island 2013 | Daheim & Unterwegs - 2013-12-22

    […] vie Freude hatten wir an der Langhanes Halbinsel, der Gegend um Lokinhamrar und Strandir. Aber spektakuläre Ruinen gibt es eigentlich überall. […]

  3. 19: der erste Tag in Island | Daheim & Unterwegs - 2014-01-05

    […] nächsten tag ging es dann weiter nach Langhanes im […]

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