17: auf die Norröna

Heute war Einschiffung. Der Wetterbericht kündigte Regen ab 7:00 h an. Also früh aufstehen, in der Hoffnung, alles noch trocken ins Auto zu bekommen. Nach 48 h im Auto auf der Fähre wäre sonst vermutlich alles gut feucht gewesen. Das Päcken brauchte heute auch extra Konzentration, weil wir während der Überfahrt nicht ans Auto können und auch nicht gemeinsam das Schiff betreten können. Fahrer und Passagiere kommen getrennt auf das Schiff. Obendrein werden die Fahrzeuge so dicht stehen, dass man die Heckklappe vom Auto nicht mehr öffnen kann. Also vor dem Frühstück noch ordentlich Plänen und auf Rucksäcke verteilen.

Als ich die letzte Isomatte ins Auto stopfe, fängt es an zu regnen. Perfektes Timing! Um7:30 fahren wir vom Platz.

Checkout ist erst ab 8:00 möglich. „Wie geht das mit der Abrechnung der Duschkarte?“ hatten wir am Vorabend gefragt. „Ach steckt die einfach in den Briefkasten!“ – „Und wie bezahlen wir dann, was wir vertuscht haben?“ – „Gar nicht.“
Diesen pragmatischen Ansatz haben wir oft auf Campingplätzen bemerkt. Die Bereitschaft fünfte grade sein zu lassen, ist erfreulich weit verbreitet.

15 Minuten bis Hirtshals. Eine Bäckerei. Auf dem Parkplatz gegenüber stehen einige Expeditionsmobile. Kontainerkai. Sowas wie eine Mautstation, aber nur ein Fahrzeug vor uns. Man bekommt direkt die Zimmerschlüssel und einen Stapel Zettel in die Hand gedrückt. Wir sollen in Schlange 7 von 12 oder so fahren.

Vielleicht 100 Fahrzeuge sind schon vor uns angekommen. Links Schlangen mit PKW und vereinzelten Wohnwagen. Unsere Schlange besteht praktisch nur aus Buschtaxis und Defendern. Dazwischen ein paar Pinzgauer und VW Syncro Busse. Weiter Rechts die größeren Expeditionsmobile. ein Unimog mit scheinbar verlängertem Radstand, ein neuwertig aussehender Magirus Langhauber, ein 6-Achser KAT, diverse 4- und 6-Achser MANs und allerlei zwischen Buschtaxi und LKW. Sehr viele Italiäner. Ein schicker von diesen älteren Mercedes Kleinlaster als Doppelkabine mit riesiger Alkovenkabine aus Belgien. Ganz rechts jede Menge Motorräder. Es gibt viel zu gucken.

Das Fahrzeugalter ist im Schnitt umgekehrt proportional zum Alter der Insassen. In den neuen, riesigen Expeditionsmobilen sitzen „Silvercamper“ im Rentenalter. Die jungen Familien mit drei Kleinkindern sind in irgendwas, das total überladen ist und mit Spucke zusammengehalten wird, unterwegs. Wir bewegen uns in allen Dimensionen im Mittelfeld.

Dazwischen sind „Stewardessen“ auf Fahrrädern unterwegs. Irgendwann kommt die Norröna an. Klappe auf, Autos raus.

Noch mehr warten. Zeitvertreib: Autos fotografieren. Noch mehr warten. Die Passagiere müssen sich am Tor sammeln und werden mit Bussen zum Schiff gebracht. Vorher nochmal hektische Gepäck Verteilung.

Irgendwann darf auch endlich Schlange 7 ins Schiff fahren. Die Expeditionsmobile kamen vor uns dran, die PKWs zum Schluss. Es geht über die Heckklappe ins Schiff, da eine Rampe hoch dann einen 270 Grad Kreis an den LKWs vorbei und dann Nochmal eine 180 Grad Drehung und dann außen ganz dicht an der Schiffswand parken. Ob ich bei all den Drehungen mein Auto wider finde?

Oder meine Familie? Die Kabinen können wohl noch nicht bezogen werden. Ich steife etwas durch‘ Schiff. Viele Leute, aber nicht meine. Naja, „wenn ich nicht hier von, bin ich auf dem Sonnendeck … oder am Radar“. Da positionier ich mich. Die Sonne brennt. Ich schreibe SMS an die liebem, wo sie mich finden können. Zwei Norwegische Schiffe laufen nach Hirtshals ein. Ein Kieswerk kieselt vor sich in. Endlich: Leinen los.

Der Kaptain kündigt eine ruhige Reise an. Nur 10 Fuß hohe Wellen. Schiffszeit ist Mitteleuropäische Sommerzeit + 1. Menschen schießen sich zur Feier der Abfahrt zwei Bierdosen Deck. Meine Lieben erwarten mich in der Kabine.

Die Kabine der Kinder ist etwa so groß, wie ein Schlafwagenabteil bei der Bahn und auf Deck 8. Wir Eltern haben eine „Luxuskabine“ auf Deck 7. De ist wirklich erstaunlich groß (und war im Vergleich zu den anderen Kabinen erstaunlich günstig) und hat den Vorteil, dass man sich da zu fünft ohne Athemnot aufhalten kann. Wenn man alle Hocker und Schemel mitzählt, gibt es sogar Sitzgelegenheiten für fünfe. Obendrein kann man toll in der Fensterbank sitzen und nichts als Wasser sehen.

Und das Schiff? Es gibt einen Supermarkt mit erträglichen Preisen (0.33 Cola 1.20 €), allerlei Unterhaltung – der Pool ist mit Wasser gefüllt (ist wohl nicht immer der Fall) und das Preis/Leistungs-Verhältnis der Diversen Restaurants ist nicht gut, aber wir haben auch schon deutlich schlimmeres erlebt.

Nachmittags Kino. Frau Kleinkind behauptet „alles“ vom englischen Film verstanden zu haben. Die berühmte durch Mahlzeiten strukturierte Langeweile vom Schiffsreisen stellt sich ein. Es gibt tatsächlich ein Schiffseigenes GSM und WLAN Netz aber zu exorbitanten Preisen. Wir haben einen WLA-zu-WLAN Router dabei, mit dem wir alle das Netz zum Preis für ein Gerät gemeinsam nutzen könnten, aber irgendwie klappt der Internetzugang nicht so recht mit unseren Kreditkarten. Naja, dann eben offline reisen.

Das Schiff ist voll. Die letzten zwei Wochen hatten wir rundweg angenehme Erlebnisse mit unseren Mitreisenden, aber das hier sind zu viele und zu voll. stellenweise „Liege mit dem Handtuch reservier“-Mentalität, Schlangen an vielen Ecken, Gedränge. Nicht dass man auf einem Schiff was anderes erwarten könnte, aber Entspannt ist das nicht. Zum Glück können wir uns auf unsere Kabine zurück ziehen. Die Reisenden mit „Couchinette“ haben es da schwieriger. Da gibt es Räume mit höchstens 10 qm in denen 9 Pritschen untergebracht sind. Ohne abschließbare Tür. Die hängen natürlich lieber in den Cafés des Schiffes ‚rum. Oder richten es sich dauerhaft auf Deck in arktistauglicher Kleidung ein. Oder schlafen im Schlafsack im Flur. Echte Profis bringen eigne Klappstühle mit. Eine Person undefinierbaren Geschlechts hat so einen Einkaufskarren („Hackenporsche“) voller Essen dabei. Hat dann schon sehr was von Homeless.

Aber alles halb so wild. Ich finde es auf dem Schiff großartig. Alles nautische ist toll. Bedauerlicherweise ist mir auch die ganze Zeit flau im Magen, aber meistens läßt sich das ignorieren. Eins unserer Kinder klagt deutlich mehr. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: irgendwann bin ich neues Bettzeug besorgen und das Bad putzen und Nicky besorgt Medizin gegen Seekrankheit. Verspricht „Komatösen Schlaf“. Wir füllen die großen Kinder damit an und lesen denen vor bis sie komatös sind. Frau Kleinkind packen wir in unser Bett.

Ich mach noch einen Spaziergang an Deck. Was ein Wind! Einmal im Leben hatte ich schonmal solchen Wind erlebt: in Bonn auf der Beuler Rheinbrücke. Krass.

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  1. Island 2013 | Daheim & Unterwegs - 2013-12-22

    […] ans Auto, also Gepäck vorbereiten. Auf dem Fahrzeugdeck kann es Unglaublich eng sein. Zum Schiff  Tag 17, Tag 18, Tag 39, Tag 40 und Tag […]

  2. 5: Fähre nach Klaipeda („Memel“) – Daheim & Unterwegs - 2016-06-26

    […] Fährfahrt. Angenehm. Die Preise an Bord waren so, dass man sich nicht ausgenommen vorkam, wie auf der Norröna. Schiffskabinen sind immer spannend. Abendessen war […]

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