8: Durch die Pyrenäen

Mit den Kindern an Bord sind wir das Tech-Tal entlang gefahren. Immer weiter nach oben, bis es über den Pyrenäenhauptkamm ging, der hier bei 1800 m noch recht niedrig ist (N 42.36762°  E 2.45379°). Von da sollte es westlich gehen nach Ribes de Fresner und von da dann wieder über die Pyrenäen nach Frankreich, wo es eine Spanische Enklave und den großen Sonnenofen zu bewundern gab.

Statt der Bundesstraße, die einen großen Bogen nach Süden macht, wollten wir bei Camprodon eine kleine Strasse, die praktisch wie direkte Verbindung darstellt, fahren. Weiße durchgezogene Linie, sollte also eine ganz brauchbare Strecke sein – letztes Jahr hatten wir die Bundesstrasse genommen.

VMware FusionSnapz009Nach dem zweiten (und enorm schmucken) Dörfchen (Abella, N 42.31916°  E 2.31572°) wurde die Betonpiste allerdings so steil, dass ich in die Untersetzung musste. Dann hörte der Beton auch schnell auf und es gab nur noch Piste, oft mit knackig Fels besetzt. Nach 200 m kam uns noch ein Auto entgegen und ab da ging es nur noch durch malerische Almlandschaften.

Nachdem klar war, das wir eine Einsidelei rechts der Strecke nur zu Fuß würden erreichen können, und auch klar wurde, dass wir es heute nicht mehr bis zum Sonnenofen kommen würden, haben wir uns einen kuhfladenarmen Platz auf einer großen Wiese gesucht und unser Lager aufgeschlagen.

Ein Auto kommt vorbei und grüßt freundlich.

Bezaubernde Ecke. Toller Sonnenuntergang. Die Bedienung des „Son of Hibachi“ Grills ist inzwischen hinreichend eingeübt und es gibt Würstchen und Leberkäse. Alles Toll. Allerdings will ein Bursche lieber sitzend im Auto schlafen, statt „wild“ im Zelt zu campen. Wie so Verhandlungen innerhalb der Familie sind: wir einigen uns darauf, erstmal im Zelt vorzulesen und dann schauen wir weiter. Nach etwa 60 Minuten vorlesen sind alle – ich eingeschlossen – hinreichend müde, um im Zelt einzuschlafen.

Dass ich im Zelt schlafe ist nicht nur der Sohnessorge geschuldet. Die Wettervorhersage von Secundus „Regen und Gewitter“ hatte mich auffiel Wetter-App schauen lassen und dort
war tatsächlich beides angekündigt. Als Sahnehäubchen obendrauf gab es eine Unwetterwarnung. Hmmmm.

Nun haben wir ja aus gutem Grund ein sturmsicheres Zelt. Aber was soll ich sagen? Ein Gewitter in den Bergen ist ein Erlebnis. Es gab jede Menge Regen, jede Menge Licht und jede Menge Lärm.Wie mir danach wurde, hat das Buschtaxi dabei auch Furchterregend geschwankt.

Kurz kam der Gedanke auf, sich ins Auto zu flüchten. Die Frage, ob ein Klappschlafdach den Fadadeyschen Käfig des Autos zerstört geisterte und aber allen durch den Sinn. Gut, dass wir Ihn nicht zu deutlich ausgesprochen hatten, denn am Morgen wurde sich aus dem Klappschlafdach über unser lautes Gerede beklagt.

Irgendwann schliefen alle wider. Um kurz nach drei höhere ich Schritte ums Zelt. Jemand schleicht da durchs Gras. Nach einer Kuh klingt es nicht. Ausserdem haben die Glocken und schlafen nachts. Es klingt auch nicht, wie etwas, Wass durchs Gras raschelt, wie zB ein Marder, sondern wie etwas, dass vorsichtig das Grass nieder tritt. Etwas großes.

Inzwischen höre ich das Rascheln an zwei Seiten des Ausenzeltes. Welches große Tier ist denn bitte mitten in der Nacht unterwegs? Menschen hätten Taschenlampen und weniger Ruhe und Geduld.

Wölfe! Ich glaube in den Alpen gibt es viele, aber in den Pyrenäen? Außerdem klingt es inzwischen, als würde da Grass abgerissen. Rehe? Wikipedia korreliert mich: Rehe sind nicht nur in der Dämmerung aktiv sondern auch mitten im der Nacht. Üblicherweise um 3:00. Ich bin beruhigt(er).

Leider sah ich keine sinnvolle Möglichkeit, mal rauszuschauen, die nicht in totalem Radau geendet hätte, so dass ich auf eine Überprüfung meiner Rehthese verzichten musste. Aber jeder weis ja auch, das Rehe unbewegte Sachen nicht sehen können, weil sie praktisch direkte Nachfahren des Tyrannosaurus Rex sind – vielleicht besser, dass ich mich nicht gerührt habe.

Was für eine Nacht – am Tag drauf geht es wieder auf Teer! Eine komplette Streckenbeschreibung gibt es hier.

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