Muskelkater im Rasenmähererdfall

Höhlenforschen soll ja wahnsinnig Gesund sein. Weil alle möglichen Muskelgruppen schön Gleichmässig beansprucht und gelockert werden. Sogar geistig wird man ganz gut beansprucht.

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Seit etwa neun Monaten graben wir jetzt an dem Rasenmäher-Erdfall. Inzwischen haben wir da recht viel Technik aufgefahren. knapp 11 Meter ausgebauter Schacht mit künstlicher Bewetterung und einer recht Komplexen Fördertechnik. Die Matten Wetter werden über einen am Schachtboden liegenden Schlauch und einen Staubsauger über tage abgeführt, so das frische Wetter nachströmen. Um die gewünschte Förderleistung in dem gewundenen Schacht zu erzielen, arbeiten wir mit einem umgekehrten Flaschenzug (d.h. halbe Kraft der Winde, dafür doppelte Geschwindigkeit). Damit das sauber funktioniert, muss der Bediener der Fördermaschine in der Mitte des Schachts stehen. Damit das nicht lebensgefährlich ist, haben wir Klappen in den Schacht eingebaut, die herabfallendes Material aufhalten, bevor der  Fördermeister getroffen wird. Obendrein wird auch das Arbeiten in der Grabungskammer dadurch sicherer.

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Mit geschickter Seilführung und Schwerkraft passen die Fördereimer bei der Fahrt abwärts an den Klappen vorbei, aufwärts gehen die Klappen automatisch auf und schliessen sich wider automatisch hinter dem Förderkorb. Nur die Oberste Klappe braucht wegen der starken Schachtkrümmung in diesem Bereich in beide Richtungen einen Bediener.

Mein letzter Samstag hat jetzt zu einer sehr gleichmässigen Belastung geführt.

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Erstmal war wir genug Leute und es gab fast nix zu tun. Dann in der Grabungskammer graben. Kann ich, kenn ich, ist anstrengend. Nicht nur in den armen, sondern auch in den Beinen uns im Rücken, weil man halt ständig irgendwo auf halb acht hängt, um dem anderen nicht unter die Hacke zu geraten und gleichzeitig möglichst viel Erde in die Eimer zu hieven. Dabei der Bedrückende Gedanke, das man momentan dabei ist, 200 Tonnen oder so langsam über dem eigenen Kopf abzusenken. Und die geistige Anstrengung, das Absenken sinnvoll zu planen.

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Plötzlich waren wir nur noch zu dritt. Arbeit am oberen Schacht-Ende: jeweils Schleifschutz positionieren und Ausbauen, bevor er dem Fördermeister auf den Kopf fällt, einen 15 und einen 28 Liter Eimer voll Erde aushängen und dafür sorgen, dass die nicht in den Schacht fallen, leere Eimer korrekt einhängen und dabei Seil entheddern, „ruuuunter“ in den Schacht brüllen, oberste Schachtklappe öffnen, Eimer so auskippen, das nix in den Schacht fällt (was üblicherweise auf 1.50m hochheben hinausläuft), Eimer leerkratzen, kalken (damit nix drin festklebet), zusammenstecken und dabei darauf achten, dass der Schleifschutz für die erneute Seilfahrt auch schon wieder sitzt. Und von Vorne.

Nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch extrem stressig, weil zwischen all den Hangriffen sehr viel ist, was unmittelbar die Sicherheit der Kammeraden weiter unten im Schacht beeinflusst. Und ganz leicht irgendwelche Klein- und Großteile zum Schachtrand kullern.

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Danach Durfte ich die Förderanlage im Schacht bedienen. Irgendwo bei 5 m im Schacht, auf den komischen Sprossen der Schachtringe stehend. Angebunden, dass man, wenn man die Kontrolle verliert nicht abstürzt. Mit dem Hintern an der nassen Schachtwand. Eimer bis auf die eigenen Höhe hochwinden, dabei das Seil mit dem Fuss so führen, dass die Eimer nicht an den Leitersprossen der Schachtringe hängen bleiben. Dann Schauen, dass Eimer und man selbst nebeneinander in den 80 cm Schacht passen. Wenn der untere Eimer in Gesichtshöhe ist, eimer von der linken auf die Rechte Seite des Schachtes schwingen lassen, um die Krümmung im Schacht auszugleichen. Nach passieren der Klappe, dieser einen Stubs geben, damit die zufällt.  Auf das „STOPPPP“ von oben warten und sofort aufhören zu fördern. Absenken, bis das Seil vor der eigenen Nase schlaff wird. Wenn sich die Klappe über einem öffnet, abwärts fördern. Dann Eimer mit Seilbewegungen an den Klappen weiter unten vorbei bugsieren. Seil prüfen und bei Bedarf entwirren und wieder von vorne. Zwischendurch schauen, dass die Schachtbewegung nicht das Kabel der Steuerung abreisst.

Ich hab jetzt gut verteilt überall Muskelkater. Aber am schlimmsten ist es im Daumen vom Bedienen der Seilwinde – und ja, ich habe die Hände gewechselt.

Die grossartigen Untertagefotos in diesem Artikel stammen von Ulrich Brämer.

One comment on “Muskelkater im Rasenmähererdfall

  1. mdornseif
    2013-06-09 at 13:11 #

    Hat dies auf Arbeitskreis Kluterthöhle News rebloggt.

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