Immer der Sonne nach: Tag 4 – im Schnee stecken bleiben (Teneda-Pass)

Beim Wild Campen in den Seealpen abgeknickt. Zu fünft in einem vierer Hotelzimmer. da sind wir schon ein bisschen zerknautscht. andererseits: Problemlos.
IMG_2596Duschen für alle – auch die gar nicht wollen. Ein „richtiges“ Frühstück im Warmen. Auch nicht schlecht. Beim Frühstück sind Mitarbeiter irgendeines Rennstalls und mir Fällt ein: ih will nach Monaco. Ich will es mal gesehen haben und – ich gebe zu, das ist irgendwie auch doof, peinlich und falsches Leistungsstreben – ich will im den nächsten 50 Jahren oder so in jedem Land der Welt gewesen sein, warum nicht jetzt Monaco mitnehmen? Das ist natürlich gut 2 Stunden Umweg, wo auch immer es hin geht, aber …

Solche Autoläden gibt es wohl nur in Monaco.

Solche Autoläden gibt es wohl nur in Monaco.

Also Richtung Westen, Richtung Monaco. Tja. Wenig überraschend. Monaco, was praktisch gleichbedeutend mit Monte Carlo ist, ist das dichtbesiedelste, zweitkleinste, und vermutlich nach diversen Messmethoden reichste Land der Erde. Den Übergang aus Frankreich haben wir nicht bemerkt, aber in Monaco Mitte ist es schick, etwas Eng für ein Buschtaxi und alles wurde auf ein Formel 1 Rennen vorbereitet. Wir bereuten den Umweg nicht, planen aber auch erstmal keine weitere Reise dahin.

Blick aus Frankreich auf Monaco.

Blick aus Frankreich auf Monaco.

Und nun? Es sollte, wie am Vortag schon, durch das Roya Tal Richtung Tendapass gehen. Vielleicht vorher schon ein Abbieger auf die Ligurische Grenzkammstrasse (LGKS). Da aber das letzte Stück der LGKS um diese Zeit noch gesperrt sein soll, ehr nicht, sondern erstmal über den Tendapass zum Forte Central und dann mal oben schauen, wie es da weiter geht. Es ging also wider ach Italien, an der Stelle vorbei, wo wir gestern Abend Richtung Wohnmobiltoilettenentleerung abgebogen waren. Wieder nach Frankreich. Hier hatte ich zwar bessere Karten, aber kam beim Fahren kaum dazu, die zu studieren. „Geht es da rechts ab hoch zur LGKS?“ Hm. wir bleiben weiter im wild romantischen Tal.
Nette Ortschaften. Besonders witzig: Ein Restaurant sieht einladend aus, aber etwas düster. Aber mehrere Tische sind besetzt. Muss ja was gutes sein. Dann merken wir, dass die Tische mit Schaufensterpuppen besetzt sind. Raffinierte Marketingtechnik!

Ganz oben: das „Forte Central“

Irgendwann sind wir kurz vor dem Tunnel. Links geht der Teneda-Pass ab. Da steht ein „Durchfahrt Verboten Schild“. Direkt dahinter ein „4×4 empfohlen.“ und ein „Befahren auf eigene Gefahr“. Die Gattin meint, es sei ganz offensichtlich weder legal noch weise, da lang zu fahren. Ich zitiere den Denzel Alpenstrassenführer: „Das Verbotsschild ist im Sinne eines Haftungsausschlusses zu verstehen.“ Also auf zum Forte Central!

Die Alpen sind voller Militärstrassen, die zum Bau diverser Festungen in diverse Richtungen gedacht waren. Hier dazu, die Italienische Grenze Richtung Frankreich zu schützen. Die Grenze verläuft inzwischen woanders, aber die Millitärstrassen sind noch da. Und da sie für den Transport schwerer Artillerie gebaut wurden, wurden sie ist gutem Unterbau gebaut.

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Erste Schneefelder

Und deswegen haben sie sehr lange Gehalten. Der „Große Alpen Strassen Führer“ von Denzel Führt den „Colle di Tenda / Col de Tende“ unter der Nummer 409 als “ landschaftlich hervorragende und empfehlenswerte Strecke“.
Die Strecke über den Tendapass war lange die bedeutendste Verbindung von Turin Richtung Süden und wurde erst durch einen Strassen- und
Eisenbahntunnel entlastet und dann durch eine Autobahn, die die Region umgeht, nahezu überflüssig gemacht. So richtig ausgebaut wurde der Pass wohl zuerst durch Napoleon.

Immer mehr Schnee

Immer mehr Schnee

46 Kehren hat die Südrampe, die wir jetzt angehen. Anfangs sind die Kehren noch geteert und wahnsinnig eng. Das führt zu allerlei Rutschpartien, weil ich das Buschtaxi in L4 geschaltet habe. Wegen denn nicht vorhandenen Mitteldifferenzial rutscht das jeweils äußere Hinterrad durch. Das erste Dutzend Serpentinen ist komplett geteert, danach nur noch die Kehren, dann ist nur noch Schotter. Bis Kehre Nummer 20 oder so ist es so eng, dass wir keine Kehre bei einem Wendekreis von 13.5 m in einem Zug durchfahren können. Also jeweils zurückrollen, bis der Hintern über dem Abhang hängt und dann um die Ecke. Das Scheint die Nerven meiner Mitfahrer deutlich mehr zu belasten, als meine eigenen. Ein Motorradfahrer kommt uns entgegen.

Weiter oben kommen wir an zwei verlassenen Gebäuden vorbei. Dann kommen die ersten Schneefelder. Es ist Mai und wir fahren die Südrampe hoch. Wie mag die Nordrampe aussehen. Anfangs sind es kleine Schneefelder, die zum Glück nicht in den Kehren, sondern auf der Graden dazwischen liegen. Und es schaut immer noch genug Schotterpiste raus, so dass man mit dem Talwärts stehenden Rädern nicht durch den Schnee muss.

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Zu viel Schnee – wir kehren um!

Dann, bei Kehre 39 ist das Ende für uns erreicht: Das Schneefeld bedeckt die ganze Straße bis zum talseitigen Hang und ist mindestens 100m lang. Es ist nicht mal zu erahnen, was darunter ist und die Kante zwischen Strasse und Hang ist auch nicht auszumachen. So viel Freizuschaufeln, können wir nicht leisten. Vielleicht würden wir es schaffen durchzufahren, aber da man nicht sehen kann wo man lang fährt, ist uns das zu riskant. Wenn man von der Strasse abkäme, hätte man gute Chancen, 500 m lang den Hang runterzupurzeln, bis man wieder am Tunnelportal ist.
Zurück im Rückwärtsgang zur letzten Kehre.

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Unerreichbar thront das Forte Central über der Ruine.

Die Wegpunkte zu dem Stück gibt es als GPX Download oder bei Google Maps zum anschauen.

Da auf einer Briefmarke wenden und ab geht es wieder Richtung Tal. An der ersten Ruine halten wir an für ein Picknick.
Zelt und Handtücker auspacken, zum trockenen.

Der Ort könnte wild-romantisch sein. Aber leider ist die Ruine auch  „Zugeschissen und zugefüllt“, wie ein Freund das ganz korrekt ausdrücken würde. Und da waren nicht nur die Kühe dran schuld – in jedem Aspekt. Sonne, kalter Wind, schlechter Geruch. Aber schön. Die Mitfahrer mit Höhenangst haben Gelegenheit sich zu erholen und es wird ausführlich geschmaust. Mobilfunkempfang ist auch gut, Fleece-Decken sind zur Hand – ach wie behaglich!

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Zwei Wanderer kommen bergan vorbei. Ich durchsuche meine Italienisch Kenntnisse und rufe „Buongiorno!“ (Oder war es doch „Bonjour!“?) Die Wanderer fangen aber 5 Meter vor uns demonstrativ an, sich laut zu unterhalten und hochkonzentriert nicht in unsere Richtung zu schauen. Vermutlich sind wir als fahrendes Volk nicht grußwürdig.

5 Minuten später hechelt ein Einzelwanderer an uns vorbei und lässt sich zumindest zu einem Kopfnicken hinreissen. Irgendwann wird es uns dann doch zu frisch und wir machen uns weiter talwärts auf.  Stopp am einer weiteren, größeren Ruine. Die ist recht groß und um einen Innenhof angelegt. Die Zufahrt zum Eingang ist mit Rosenbüschen zugewuchert. Es gibt noch fliessend Wasser aus einem Bergquell. Der Innenhof steht voll mit Baumaterialen, wo vor vielleicht 20 Jahren mal jemand angefangen hat, das Gebäude zu sanieren. Der ist aber nicht weit gekommen. Der Klassiker sind die nass gewordenen Zementsäcke, aber auch jede menge Gebrauchtmaterialien, die „man sicher noch brauchen kann“. Wir finden ein Schild, dass uns vermuten lässt, dass es sich um ein ehemaliges Kloster handelt.

Spannend! Von da geht’s weiter bergab. Die letzten – besonders engen – Kehren sind anstrengend. Durchfahren in drei Zügen hatten wir ja schon auf dem Weg nach oben. Aber diesmal kann man nicht einfach zurück rollen lassen, sondern muss sich mit Handbremse und Rückwärtsgang die Kurve zurück hoch kämpfen. Anstrengend.

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Komische Concons

Auf dem letzten Metern vor der regulären Strasse sehen wir seltsam abgestorbene Äste mit irgendwelchen Spinnenweben oder der gleichen an den Ästen. Richtig gross und ein bisschen gruselig. Nähers darüber, was das ist können wir aber weder vor Ort, noch später in Erfahrung bringen.

Vor dem Tenda-Tunnelportal ist eine Ampel und einer Autoschlange, getrennt für LKW und PKW. Der Tunnel wird abwechselnd in die eine und in die andere Richtung benutzt und es wird im Konvoi gefahren. Angeblich (und plausibel) soll es in dem Tunnel noch jede Menge Befestigungs- und Verteidigungsanlagen geben, aber wir haben nix gesehen.

Auf der Italiänischen Seite ging es dann zum Campeggio Valle Gesso am Rande des Parco delle Alpi Marittime. Als wir eintreffen sieht es erstmal wenig einladen aus. Vor allem Dauercamper. Es ist unklar, ob der Campingplatz überhaupt auf hat. Grosse Aushänge mit vielerlei Regeln. Man soll klingeln, dann käme Jemand.

Klingel an der Freisprechanlage gedrückt. Ein Freizeichen. Dann Nix. Neuer Versuch. Eine raue Stimme die italienisch spricht, aber durchaus auch dem sprachunkundigen sehr gut mitteilt „jaja, ich komm ja schon, hetz mich nicht“. Ein Radlader, der auf dem Gelände hin und her manövriert. Nieselregen, aber nur kurz.

Dann kommt er: Holzfällerhemd, einen halben Kopf grösser als ich, drahtig, perfektes Englisch. Ein Kanadischer Austauschstudent? Nein, der Campingplatzbesitzer. In den nächsten stunden werden wir uns viel mit Ihm unterhalten. Oder er viel von Ihm unterhalten werden. Über die Bürokratie, den Schnee, Führerscheine für Baumaschinen, Alpenpässe, Dauercamper, Politik, Geländewagen, Europa u.v.m..

Mir hilft es, einen Campingplatz als ein Wirtschaftsunternehmen zu begreifen, dass ständige Investitionen braucht, um am Markt zu bleiben. Momentan werden neue Elektroleitungen verlegt. Die Gäste werden immer Energiehungriger, so dass man die Kabeldicken aufrüsten muss, um die nötige Spannung zu transportieren. Die Ansprüche ans Internet steigen auch ständig. Im Sommer verlangen die Kunden immer wechselndes Entertainment – hier in der Region vor allem Abenteuer-/Natursport im Nationalpark. In schneereichen Zeiten, muss dafür gesorgt werden, dass der Schnee nicht die „Weisse Ware“ („Jogurtbecher“, Wohnwagen) der Dauercamper zerdrückt.

Die einzig anderen Gäste sind zwei Niederländer, mit einem Suzuki Jimmy mit Seilwinde und Gepäckkisten auf dem Dach. Es stellt sich raus, dass die Beiden aus dem Niederländischen Vaals stammen, als praktisch Nachbarn von uns sind – knapp 15 km Luftlinie durch drei Länder. Die beiden sind nach dem „Off-Road Sonderheft Westalpen“ unterwegs, haben auch schon einige Male im Schnee gesteckt und wollen am folgenden tag zum Forte Central hoch. Wir Fachsimpeln ein bisschen – auch über Biere der Heimatregion. Die Kinder geniessen derweil den „besten Spielplatz den wir kennen“.

Die Sanitäreinrichtungen machen zunächst einen beängstigten Eindruck: Irgendwelche seltsamen Blech Shelter die mufften, als wären sie Jahre nicht gelüftet worden. Münzduschen.

Aber: Sauber. Viel weisses Wasser. Eine Warnung, 30 Sekunden, bevor man die nächste Münze einwerfen muss. Genügend Ablageflächen. Also schon ok.

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