Immer der Sonne nach: Tag 3 – zum Meer

IMG_6463

Nach dem stressigen Tag gestern: Italien wie man es sich denkt! Die Nacht angenehm warm. Vogelgezwitscher. Die Pizza schwer im Magen. Aufwachen in der Sonne. Hach ist das schön.

LagerkücheHeute hat eine mitreisende Dame Geburtstag. Endlich können wir das riesige Paket aufmachen, dass seit Tagen das Auto verstopft. Hurra „ein Fahrrad mit Pedalen“. Umfangreiches Ausprobieren auf dem Campingplatz. Der Rücktritt macht allerdings noch etwas Probleme. Ich betätige mich als Lagerkoch und fabriziere Rührei mit Speck. Speck, weil wir sonst kein Fett dabei haben. Der „Notkocher“, den wir Samstag nach viel hin und her besorgt haben, leistet gute Dienste. Sehr gute Sanitäranlagen machen die Morgendusche zu einem Vergnügen.

Endlich müssen wir unsere Reiseplanung mal nicht zu 100 % vom Wetterbericht dominieren lassen: Rundherrum herrscht gutes Wetter. Unsere Stimmung ist dem angepasst. Auf der Hinfahrt am Vorabend war uns schon das eine oder andere aufgefallen, was einen Blick wert wäre – insbesondere die Reste einer grossen Brücke.

FahrversucheWas mit noch aufgefallen war, war, dass ich die Sprache Italienisch überhaupt nicht ernst nehmen kann. Mir kommt kein Wort über die Lippen. Es hört sich alles wie eine Parodie aus dem Kellner der Pizzaria in daheim und schmalziger 70 Jahre Musik an. „Arividercci kleiner  Italiener“. Die können doch nicht wirklich so sprechen? Bestimmt kommen gleich Romina Power mit Al Bano hinter dem Busch vorgesprungen. Ich brauch Tage, bis mir das erste italienische Wort über die Lippen kommt.

Einpacken, losfahren. Erstmal zur verfallenden Brücke, die wir auf dem Hinweg gesehen haben. Dem Navi (CoPilot Live) sagen wir, es soll die kürzeste Strecke nehmen und los geht es zwischen Feldern und durch das schöne Städchen Roddi. Irgendwann sind wir an der Brücke angekommen. Scheinbar stand da mal eine Hängebrücke und nur noch die beiden Pylonen am Ufer sind übrig geblieben. Sah imposant aus. Es gab auch noch einen Picknickplatz mit Tischen und Bänken. Leider war der Besuch etwas unentspannt. Langer Anruf aus dem Büro, Streit mit den Kindern über das nicht auf dem Eisengitter aufspiessen und nicht in den Fluss fallen. Steine im Schuh – Gestresse allerseits.

Brückenreste

Und nu? Weiter zum Meer. Von Frankreich und Spanien und Deutschland hatte ich ordentliche Kartenwerke (TK25 oder was entsprechendes) dabei, von Italien nicht. Und wo genau hin? Bei San Remo war ein Campingplatz, der laut Führer erträglich aussah. Mit Strand, allerdings „fast komplett geteert“. Uh. Naja. San Remo als Ziel eingegeben. Ein bisschen mit kürzester und schnellster Route gespielt und ab Richtung Süden. Durch malerische aber auch schnell langweilig werdende Landschaften gekurvt. Landstrassensperrungen machten die Tours spanend. Meer. Mittagspicknick an einer kleinen Kapelle. Jemand versucht sich das erste Mal alleine mit „Buschpipi“. Trockene Kleider auftreiben. Irgendwann: Das Meer!

Das Meer sit wie es sein soll: Blau. Die Küste ist steil und schön. Aber leider auch voll. Eine Gelegenheit, mal eben ans Wasser zu kommen, gibt es kaum. Zwei drei Parkplätze Richtung Wasser gibt es schon, aber wir sind immer zu schnell vorbei und „mal eben drehen“ geht in dem Dichten verkehr kaum. Dauernd sind Supermärkte ausgeschildert. „Lidl 5 km Via Dingsibumsa“. Aber dann gibt es nie Folgeschilder. Wir suchen sicher insgesamt eine Stunde nach einem Supermarkt, bis wir endlich einen gefunden haben. Vom Meer ist der Parkplatz unüberwindbar durch die Kistenstrasse getrennt. Alles voll mit Deutschen. Ich höre ein empörtes „aus Remscheid!“ von Leuten, die in Flip-Flops vorbeischlurfen und unser Kennzeichen sehen.

Irgendwie ist das wie ich „am Meer“ kenne. Und wie ich mir nicht Urlaub vorstelle.

Meer, Autos, kein Weg zum Strand.

Meer, Autos, kein Weg zum Strand.

Vom Parkplatz geht es nur in die falsche Richtung auf die Küstenstrasse. „Aber die Strasse da lang …“ Die Strasse wird eng und enger. Dann wird sie ganz eng – wir schleifen rechts und links am Efeu der umgebenen Mauern. Dann kommt ein Knick – und ein Absperrpoller, der den weg versperrt. Oh. Nach zehn Minuten sind wir wieder draussen, die Reifen um ein paar Karzer an den Flanken reicher und ein Fussgänger, der natürlich nicht an uns vorbei kam, ziemlich genervt. Gelernt: nur weil nicht „Sackgasse“ dran steht, heisst das nicht unbedingt, dass man durch kommt.

Weiter auf der Küstenstrasse. Wir sehen eine Festung, suchen einen Weg dahin und scheitern nach einigem Suchen an einem Schild „Maximale Durchfahrtshöhe 2.10m“. Wir sind freundlich gerechnet „2.27“. Kein befriedigender Parkplatz in Sicht, also weiter.

Irgendwann nähern wir uns dem Campingplatz Villaggio dei Fiori in San Remo. Erstmal ein riesiger Schotterplatz gut bestückt mit Wohnmobilen. Hmm. Dann der eigentliche Campingplatz. Grün. Die Camper wie Hühner auf der Stange. Ein Schild, das der Platz besetzt ist.

Da war auch gar nicht so, wie wir uns das mit dem Urlaub vorstellten.

Overlanding is the self-reliant overland travel to remote destinations where the journey is the principal goal. Typically, but not exclusively, accommodated by mechanized off-road capable transport (from bicycles to trucks) where the principal form of lodging is camping. (Wikipedia)

IMG_2584FrankreichEine Option wäre weiter Richtung Westen über Monaco nach Nizza in Frankreich zu fahren – wir hatten allerdings das Gefühl, dass wir da jeweils die gleiche Situation antreffen wurden. Plan: Richtung Norden durch Frankreich nach Piemonte. Da sollte es gleich mehrere Campingplätze geben. Was sich schnell herausstellte: wir hatten das Fahren durch das Tal der Roya Richtung Tenda Tunnel deutlich unterschätzt. Es fing bald an zu dämmern und wir hatten noch locker 2 Stunden Fahrt vor uns – ehr mehr. Doof.

Plötzlich ein Schild: „Links ab Wohnmobiltoilettenentleerung, 3km“. Klingt Campingtauglich, nichts wie hin. Nach einigem rumgekurvte stehen wir vor einem Loch im Boden. Dahinter ist auch sowas, wie ein Campingplatz, aber keine Menschenseele irgendwo zu sehen – und mit einer Kette versperrt. Hmm.  Needulassman. Stinkt auch nach Toilettenentleerung.

Weiter die Strasse lang. Zack sind wir in Frankreich und der Teer hört auf. Nett hier. Kuhglocken. Eine kleine Alm. Hier könnte man doch ….? Eine Feuerstelle gibt’s schon. Wir suchen einen Platz für das Zelt und stellen uns so, dass man unser Licht vom Dorf unten im Tal nicht sehen kann. Toll hier, wenn auch auf 600m oder so etwas frisch. Ein Kind schmollt: Wild zelten, das geht ja mal gar nicht. Es wird kälter. Ein Pickup-Truck rast wie eine gesenkte Sau vorbei. Ein Kind kriegt den Grusel. Hmmmgmgpf.

Wildes Camp

Hotel bei Nizza. Kurz vor Mitternacht könnten wir da sein. Bedenken wegen der Bergpiste im Dunkeln. Ich fahr ja gerne Nachts und hab eine Familienpackung Licht dabei. Anrufen: 5 Personen mit Frühstück 110 €. TunnelEine warme Dusche. Na gut, wir packen unsere Essenssachen zusammen und fahren wieder. Ich studiere vorher nicht die topographischen Karten von Frankreich, die ich auf dem Computer habe, so dass wir erstmal ein Stück auf einer Piste fahren, die sich als ein Wanderweg herausstellt. Auf der Navteq war das als normale Strasse angezeichnet. Na dann fahren wir einfach da lang, wo der Pickup lang ist.

Nach weniger als 5 Minuten kommen wir an einer Gruppe Jäger vorbei. Hmm. Piste bei Nacht macht mir Spass. Der Rest ist ehr still. Irgendwann Pferde. Dann Teer. Dann winzige Tunnel, dann weniger Berge, dann eine Stadt am Meer. Ibis Hotel, keine 50 m weg ein Parkplatz für das Buschtaxi. Ab in’s Bett!

Trackbacks/Pingbacks

  1. Immer der Sonne nach: Tag 4 | Daheim & Unterwegs - 2013-06-23

    […] Wild Campen in den Seealpen abgeknickt. Zu fünft in einem vierer Hotelzimmer. da sind wir schon ein bisschen zerknautscht. andererseits: […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s