Immer der Sonne Nach: Tag 1

Das Doppelabitur bescherte uns dieses Jahr so etwas wie Pfingstferien. Das wollten wir nutzen und ausprobieren, ob wir als „Happy Camper“ durch die Lande ziehen könnten. Im Sommer soll es recht lange durch Island gehen und das wollten wir nicht ganz unvorbereitet machen. Die Ausrüstung sollte vorher doch mal  getestet werden.

Abreisebereit mit Gepäck für eine Woche. Wie soll das nur werden, wenn wir einen Monat verreisen.

Abreisebereit mit Gepäck für eine Woche. Wie soll das nur werden, wenn wir einen Monat verreisen.

Unsere Tour sollte irgendwie Alpenpässe anschauen und bis zum Meer kommen. So ganz genau war das alles nicht geplant und wir wollten vor allem der Sonne hinterher fahren.

Grosses Geplane. Tertia mit Primus und Secundus im Zelt? Idee: das Mädel schläft auf der Rückbank, da passt sie noch gut hin. Mein aktuelles Zelt stammt aus dem Kaugummiautomaten und ist eigentlich nur dafür geeignet, Ohrenkneifer in rauen Sommernächten fern zu halten. Wir schaffen noch schnell ein ordentliches Zelt an. Und eine Isomatte – die beiden die im Haus vorhanden sind, sind auch ehr auf Sommer ausgelegt. Ein Klapptisch. Ein Trekking-Handtuch zum Ausprobieren. Kisten. Und der Freundliche Verkäufer bei Globetrotter verkauft mir gleich auch noch einen zweiflammigen Gaskocher und eine Mehrwegflasche dazu. Bei McTrek noch Wasserkanister – das vorhandene Höhlenforscher-Modell mit 20 Litern ist zu unhandlich. Blechteller, Kochgeschirr, ein Paar Fleece-Decken, den 5. Camping Stuhl.

Dann schnell alles im Auto verstaut und Samstag morgen geht es los zum grossen Belastungstest. Nein eigentlich ging es schon Freitag Abend los mit der Belastung. Ein durchstöbern des Gaskochers zeigte, dass der Schlauch so nicht an die gekaufte Gasflasche passte. Nicht nur ein Druckminderer musste her (den hatten wir ‚rumliegen) sondern die Campinggaz Flasche kam mit einem Innengewinde daher. Der Druckminderer erwartete aber ein Aussengewinde. Also der Plan „Samstag in irgendeinem Baumarkt“ das fehlende Teil zu beschafften. Abends Aufregung.

Bei einem unserer zahlreichen Baumarktbesuche.

Bei einem unserer zahlreichen Baumarktbesuche.

Morgens kamen wir dann ganz gut los, um 9 waren wir mit frischen Brötchen versorgt und aus Belgien raus. Nur das was in die Kühltasche sollte, hatten wir im Kühlschrank liegen lassen, aber was soll’s!

Die Sonne schien. Wohin den nun genau? CoPilot Live auf entspannten Fahrstil programmiert, Strassbourg als Ziel angegeben – das kam von der Richtung hin – und los gefahren.Es ging erst die Deutsch-Belgische Grenze lang, dann durch Trier und ins Saarland. Zwischendurch haben wir an jedem Baumarkt oder allem, was auch nur annähernd Campingausrüstung führen konnte, angehalten. Der Höhepunkt war ein Obi, wo es zwar unsere Gasflasche und unseren Kocher gab, aber nichts, um die beiden zu verbinden. Am Ende haben wir dann einen günstigen Kocher mit günstiger Gaskartusche gekauft.

Die Reste eines ehemals prächtigen Bahnhofsgeländes - Steinölgeruch läd zum Verweilen ein.

Die Reste eines ehemals prächtigen Bahnhofsgeländes – Steinölgeruch läd zum Verweilen ein.

Die Tankstelle „Old Smuggler“ an der Deutsch-Belgischen Grenze stammte wohl noch aus den Zeiten, als Benzin & Kaffee in Belgien deutlich günstiger waren und hatte ihren ganz eigenen Charme. Das Saarland war nett anzuschauen – viele Industriebrachen laden zum Erkunden ein. Picknick in Konz an der Bahnhofsbrache.

Wir hatten den ADAC Campingführer für iOS dabei und und uns damit schon den Campingplatz L’Oasis in Oberbronn ins Auge gefasst. Die Beschreibung redete von „am Waldrand“ und das klang gut. Es ging also durch das Elsass. Faszinierende Gegend. Deutsche Ortsnamen und doch so französisch. Schöne Landschaft. Und die Grenze ist unauffällig wenn man drüberfährt, aber doch deutlich vorhanden. So sahen wir zum Greifen nah eine Baustelle, wo ein Windpark aufgebaut wurde. Da wollten wir hin! Aber nach einigen Fehlversuchen und anschliessendem Kartenstudium fanden wir heraus, dass die Baustelle in Deutschland war. Und da es in unmittelbarer Nähe keinen Grenzübergang gab. Ein kleiner Baustellenbesuch wurde so zu einem erheblichen Umweg.

Ziemlich nah an der Grenze kamen wir durch Bitsch, das mit seiner mächtigen Zitadelle Zeugnis der Wechselvollen Geschichte der Gegend ist. Wir warn erstmal Lebensmittel einkaufen – schliesslich hatten wir so einiges daheim im Kühlschrank vergessen. Dann durften wir erfahren, dass die Zitadelle um 17:00 h schliesst und ab 16:30 kein Einlass mehr ist. Dann eben nicht. Vor der Zitadelle gibt es einige Wohnmobilstellplätze, die ganz gut aussahen – aber nix für uns.

Kühler mit Federn

Kühlergrill nach dem Zusammenstoss mit einem recht grossen Vogel

Ehr unerfreulich: dauernd fliegen Vögel unglaublich Knapp vor dem Auto vorbei. Sind die seltsam drauf? Oder ist der Luftkeil vor unserem Auto so seltsam? Einen erwischen wir jedenfalls so richtig mit Schmackes. Später finden sich reichlich Federn am Kühlergrill. Gruselig. Wird auf der weiteren Reise zum Glück nicht mehr vorkommen.

Also weiter nach Oberbronn. Oberbronn ist sehr malerisch, der Campingplatz ist am Waldrand gelegen. Mein erstes Mal Campingplatz seit Kirchenfreizeit mit 16 und eine Nacht mir der Freundin im Zelt mit 18. Da war ich schon ein bisschen aufgeregt. Natürlich hatte die Rezeption schon zu (ein Muster, was uns die ganze Reise über begleiten sollte). Der gelangweilte Herr hinter der Bar schickte uns eine Frau vorbei, die sagte niemand sei zuständig, aber wenn wir unsere Personalausweise hinterlassen würden, könnten wir einfach so auf’s Gelände fahren und morgen zahlen. Gut.

Langsames Rollen unter der Schranke durch. Hierlang? Oder dalang, oder doch dortlang? Wie geht es an den Waldrand da drüben? Zwischen einem guten Duzend  „Joghurtbechern“ (so, nennen Off-Roader weniger robuste, überlicherweise weisse Reisefahrzeuge) durch und allerlei freie Plätze gefunden. Mit kühnem Schwung rückwärts Richtung Wald auf die Wiese.

Ah! Fast sogar ein bisschen einsam hier! Knapp 100m bis zum nächsten Zelt dazwischen allerlei Hecken und Gesträuch.

Wo geht die Sonne auf? Wo kann das Zelt grade stehen. Zelt aufgebaut, dann gemerkt, dass wir wohl zwei Stellplätze belegen und mit dem Buschtaxi noch etwas n¨åher an Wald und Zelt rangerückt. Camp aufbauen ging schneller, als gedacht.

Derweil waren die kleinen schonmal auf Erkundung gegangen. Die Klos seien „schlimmer als in der Schule“ und „unzumutbar“. Irgendwo gab es noch einen Aufenthaltsraum. Der Junge vom Nachbarzelt musste herhalten, damit man präsentiert, wie gross und wild man ist. Leider ging dabei dessen Wurfballspiel kaputt. Peinlich.

unser Stellplatz

Das für viel Geld angeschaffte Zelt erwies sich als dem Preis angemessen grossartig. Gut! Ein kleines Drama gab es, als heraus kam, das nicht die beiden von den Burschen genutzten Isomatten genau gleich gross und dick waren. Die schreiende unger¨åchtigkeit geriet dann aber in Vergessenheit, als ich darauf hinwies, das der mit dem Daunenschlafsack doch bitte die Dünnere Isomatte zu nehmen hätte und der mit dem Schlafsack vom Wühltisch bitte die dickere Matte nehmen sollte. Nagut. Ach ja: das wir 5 unterschiedliche Campingstühle hatten sorgte natürlich auch für hitzige Debatten, wer wo sitzen dürfte. Zum Glück kam das Thema in den folgenden Tagen kaum noch auf.

Frau Kleinkind kam auf die Rückbank. Den Burschen vorlesen im Zelt ist sehr gemütlich. Und Irgendwann war ruhe bei allen Kindern und wir grossen saßen mit einem Bier am Waldrand und lauschten dem Knacken zwischen den Bäumen. Kuhglocken (?). Wie behaglich!

Rundblick

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    […] mit Speck. Speck, weil wir sonst kein Fett dabei haben. Der “Notkocher”, den wir Samstag nach viel hin und her besorgt haben, leistet gute Dienste. Sehr gute Sanitäranlagen machen die […]

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