Das Mö(h)renmuseum bei Aachen

Die alte Töpferstadt Raeren liegt direkt hinter der Grenze südlich von Aachen. Da beginnt die „Deutsschprachige Gemeinschaft“ (DG) Belgiens, eine von Europas Minderheiten, die sich sehr gut mit Europa engagiert haben. Zu den Privilegien von der Minderheiten gehört oft ein besonders reiches Kulturleben, da scheinbar im Wege des Minderheitenschutzes einfach mehr Fördermittel vorhanden sind.

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So kommt Raeren (gesprochen „Raren“) natürlich mit einem Töpfereimuseum daher. Raerener Steinzeug war ein Exportschlager der es auf dem Bild „die Bauernhochzeit“ in die meisten Schulbücher geschafft hat. Aber die Webseite der Stadt verkündet, dass es in Raeren zwei Museen gibt: neben dem Töperreimuseum das  Mö(h)renmuseum.

Es ist schwierig zu entscheiden, ob es sich bei dem Mö(h)renmuseum und dem dazugehörigen Verein um eine klassische Kultureinrichtung, ein Fluxus-Aktionskunstwerk, einen Scherz oder inzwischen gar um die Parodie einer Parodie handelt. Auf jeden Fall widersetzt sich das Ganze doch sehr der Einordnung in den Kulturbetrieb. So stellt die deutschsprachige Gemeinschaft auf Ihrer Webseite humorfrei fest:

Das Museum befindet sich in einer Elektrokabine. Ausstellungen von
Möhrenartikeln und -gegenständen. Informationen. Von außen zu besichtigen.

Der Möhrenzuchtverein beschäftigt sich mit den Belangen der Möhrenzucht im Orsteil Berlotte in der Gemeinde Eynatten/Raeren; Er trifft sich jeden Mittwoch ab 21.00 Uhr.

Der Verein heisst mit vollem Namen „1. Lokalpatriotischre Mö(h)renzuchtverein MZV Berlotte ohne Gewinnerzielungsabsicht“. Und erklärt: „Warum ist das h im Mö(h)ren geklammert? Weil das Leben nicht perfekt ist.“ Und die Belange der Möhrenzucht in Berlotte mit seinen vielleicht 100 Einwohnern? Grosse Möhrenplantagen konnte ich nicht erblicken. Aber an jeder Ecke stand Möhrenkunst. Sie Satzung des vereine verbietet es dien Mitgliedern auch, mehr als 10 (!) Möhren im Jahr auf den Markt zu bringen – „um den Weltmarktpreis stabil zu halten“.

1024T@2x-2Ein Scherz also? Nö. Die Vereinsgeschichte berichtet, dass die Damen des Ortes Mittwoch Abends jede Woche gemeinsam Turnen waren und die babysittenden Herren sich Abends da trafen, wo alle Babyphone noch so eben Empfang hatten und einen Kasten Bier verkosteten. Dabei muss die Idee vom Mö(h)renzuchtverein entstanden sein. Und auch wenn man durchaus anzweifeln darf, dass der Verein in botanischer Hinsicht weit vorne steht, ist die Möhre im Dorfleben allgegenwärtig. Auch wird der Martinszug am 11.11. jedes Jahres vom MVZ organisiert. Und bei dem Verein haben sich wohl über Jahrzehnte hinweg Möhrenandenken gesammelt.

Also auf zum Museum! Als Adresse wird der „Berlotter Kirchweg“ genannt. Dass ist aber eine Wohnstrasse in Eynatten, die in einem Feldweg endet. Die Sonne scheint, es sitzen Leute vorm Haus. Zum Möhrenmuseum? Zurück, Rechts, 2. Rechts, Links, vergessen. Kreuz und Quer durch Felder und Weiler. Beim 3 Fragen lacht die vor der Haustür versammelte Familie: „Ja, direkt hier hinter dem Haus“. Gelernt: Das Museum ist in der Berlotter Strasse, an der Kreuzung zur Kinkebahn. Und wenn man Openstreetmap glaubt, ist der kleine Fussweg, der Am Museum vorbei führt tatsächlich die Fortsetzung des Berlotter Kirchwegs – aber halt wie so einiges in Raeren nur für Fußgänger geeignet.

Und das Museum selbst? Ein Trafohäuschen. Ein Fenster, durch dass man die Exponate betrachten kann. Ein raffinierter Paternoster, der auf Knopfdruck aus den Tiefen des Türmchens immer neue Exponate am Schaufenster vorbeiziehen lässt. So sieht also ein Museum aus, das rund um die Uhr, auch Montags besichtigt werden kann. Toll. Muss man gesehen haben

Die Exponate? Möhrenkitsch aller Art. Nicht ganz so mein Ding.

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