Geisterstädte im Baskenland

Nachdem es am Vortag durch’s Baskenland gegangen war, ginge es zeitig los von Bidania. Wir wollten südlich unter den Pyrenäen lang Richtung Mittelmeer. Was sich dann im laufe der Tour zeigte, war, dass es vor allem eine Geisterstadt-Tour wurde.

IMG_3434Zunächst besuchten wir aber noch die Kirche am Ort, die uns in der Dunkelheit am Abend vorher zwar bereits aufgefallen war, wo wir aber keinen Nerv hatten, im Dunkeln auf der Hotelsuche anzuhalten.

Mächtiges Ding für einen Ort mit geschätzt 100 Einwohnern. Lustig war: für 1 Euro Münzeinwurf wurde die Kirche 15 Minuten ordentlich beleuchtet – das war es wirklich wert, aber wie viele Besucher verirren sich wohl in dieses abgelegene Nest? Und muss Sonntags während des Gottesdienstes immer jemand neben dem Münzschlitz stehen und nachwerfen?

IMG_3439

Bei Albiztur gab es direkt die ersten Steinbrüche. Oft kann man bei Steinbrüchen ja nicht so recht erkennen, ob die noch in Betrieb oder schon aufgegeben sind. In der Gegend gab es zum Teil jedenfalls sehr aufwändigen Anlagen, wie diese riesige Förderstrecke. Bein Weiterfahren fielen uns vor allem die Gigantischen Infrastrukturprojekte im Baskenland auf: Autobahnen, die fast nur Aus Brücken und Tunneln bestehen, auf denen wir aber oft genug alleine unterwegs waren.

Bei Tolosa ging es dann für uns auf die Autobahn N-1 nach Norden. Tolosa war eine sehr schöne Stadt, aber uns zog es erstmal weiter.

Bei Villabona dann auf die A-15 in süd-östliche Richtung. Auch hier beeindruckte wieder die unglaublich aufwändige Trassenführung. Dann gegen den Uhrzeigersinn um Pamplona und auf die A-21 bis etwa Liedena – die Autobahn wird da grad munter weitergebaut.

Von da ging es zu unserem grob ins Auge gefassten Etappenziel, dem Stausee von Yesa. Bei Anlegen des Stausees und auch in der Umgebung, sollte es die eine oder andere Wüstung geben, ob die Dörfer im Rahmen des Staudammprojekts entvölkert wurden, oder schon früher in der turbulenten spanischen Vergangenheit des 20. Jahrhunderts, hab ich nicht so ganz verstanden.

Direkt ins Auge sprang uns Tiermas. Die Stadt geht wohl auf die dort liegenden heissen Quellen zurück, die seit der Römerzeit bekannt sind. Scheinbar gibt es eine Unter- und eine Oberstadt. Die Unterstadt mit den heissen Quellen ist teilweise überflutet, überwiegend geschliffen und in Wikipedia (Stand: 2012) beschrieben. Die Oberstadt habe ich nicht im Internet Beschrieben gefunden, ist aber hier und auch von der Strasse gut zu sehen. Wir hatten den Eindruck, dass irgendwo dazwischen noch ein Steinbruch oder grosse Erdarbeiten waren.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die verfallene Oberstadt wirkte ausgesprochen ungewöhnlich. Oben auf dem Berg, drückende Hitze, stehende Luft und eine seltsame Struktur. Erst ging ich davon aus, das es sich um eine „Company Town“ handeln müsse und das grosse Gebäude eine Art Kasino/Theatersaal war.  Aber vielleicht hab ich auch nur zu viele verfallene Kasernen besichtigt und die Spanier bauen Ihre Kirchen einfach nur anders. Warum auch Companytown oben auf einem Berg ohne Company?

Als wir uns wider auf machten, kam uns erst ein zweites Auto entgegen und dann noch ein Pärchen in Badelatschen – so abgelegen, wie gedacht, ist das da wohl gar nicht.

Wenige Kilometer weiter zeigte sich auf der dem See abgelegenen Seite der Strasse die nächste Ruinenstadt: Escó. Der Weg von der Strasse zum Dorf stellte für miene nicht vorhandenen Off-Road-Fahrkenntnisse ob grosser Auswaschungen eine gewisse Herausforderung dar, aber da nur üben übt sind wir über die tiefen Auswaschungen zum Dorf gefahren.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das Dorf hatte einen deutlich anderen Charakter. Was mich vor allem Wunderte: „Gibt es denn hier keine Kupferdiebe?“ Die Stromleitungen waren noch vorhanden. Während wir den Berg, an dessen Flanke sich das Dorf anschmiegte erklommen, stellten wir fest, dass das Dorf von hinten noch über eine Strasse erreichbar war und an der Strasse ein moderneres, bewohntes Gebäude stand. Aber weiter oben hörten wir plötzlich Geräusche aus einem Haus, was man so eben nicht als Ruine bezeichnen konnte. Hier endeten auch die Stromleitungen und irgendwer schaute dort bei offenem Fenster Fernsehen. Escó ist also noch bewohnt. Die Kirche oben auf dem Berg sah kirchiger aus, als in Tiermas und ich habe mich sogar ein Stück in den Turm auf dessen Wendeltreppe getraut.

Auch hier trafen wir wider ein (anderes) Touristenpärchen und jemanden, der wie „einheimisch“ aussah. Nachdem uns auf dem Weg zur Strasse noch einmal wegen grossem Gerumpel recht mulmig geworden war, ging es zum Parador de Bielsa für die Nacht.

Wir hätten am gegenüber ligenden Ufer noch die Geisterstadt Ruesta besuchen können, hatten aber ja noch einige Kilometer vor uns.

94f8357381729e4ef10c20d8e2ecef20dc0c84a4ca62883112061b19343a2332

Ein Parador ist eine seltsame aber gute Sache. Letztendlich ist es eine vom spanischen König gegründete Hotelkette, die dafür Sorgt, das allerlei Denkmäler, Schlösser und Burgen einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Scheinbar gibt es einen duzend anderer Gründungmythen für die Paradores, aber dieser gefällt mir am besten.

Den Parador in der abentlichen Dunkelheit zu finden, war gar nicht so einfach. Er liegt nämlich nicht – wie behauptet – in Bielsa, sondern noch viele Kilometer lang die HU-V-6402 in ein Seitental lang. Die Umgebung ist atemberaubend.

Ein bisschen plüschig eingerichtet präsentierte sich der Parador so, wie ich internationale Hotels im Ostblock kenne. Freundlich, unaufmerksam und gerne viel versprechen und dann nicht halten. Der Kellner bewarb z.B. massiv eine Bier-/Frucht-Bowle die eine lokale Spezialität sei. Kaum hatte er uns Breitgeklopft, ein Liter davon zu bestellen, kam er zurück, meinte das Gesöff sei leider aus und knallte uns zwei Corona auf den Tisch. Wir fanden das ganze Ambiente sehr Charmant, und schliefen bei offenem Fenster & Flussrauschen.

Am nächsten Morgen sollte es dann so richtig in die Berge gehen.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pyrenäen: so richtig in die Berge | Daheim & Unterwegs - 2013-03-02

    […] wir am Vortag genug Geisterstädte besichtigt hatten, starteten wir zeitig im Parador de Bielsa, der mit seiner athemberaubenden Lage imponierte. Dazu […]

  2. Island 2013 | Daheim & Unterwegs - 2013-12-22

    […] Hobby: wir suchen Postantromorphe und Postindustrielle Landschaften – also Gebiete, aus denen sich der Mensch wieder zurück […]

  3. Durchs Baskenland – Daheim & Unterwegs - 2016-11-13

    […] das Essen … schlecht. Nicht nicht gut, sondern schlecht. Am folgenden Tag sollten Geisterstädte dran sein. 43.123039 […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s