Von der Normandie nach Süden

Wir erwachten im wahrsten Sinne des Wortes mit den Hühnern.

94f8357381729e4ef10c20d8e2ecef203280674e38a8c3d448a415ad2f8b5648Ein Stück vor unserem (offenen) Fenster war ein kleines Steinhaus und an dem kleinen Steinhaus war ein kleines Gehege und in dem kleinen Gehege waren große Hühner – und ein Hahn.

Die Freuden des Landlebens. Aber wir sind ja eh gerne früh unterwegs. Also Frühstück, auschecken  und ab ans Meer, das noch mal genauer in Augenschein nehmen.

Auschecken war etwas schwieriger, als Gedacht, denn die Rezeption von unserem Hotel befand sich in dem Schlosshotel, das vielleicht 500 m weg war. Der Frühstücksraum war hingegen nicht im Schloss. Alles ein bisschen unübersichtlich.

Der Versuch, an ein „einsames“ Stückchen Strand zu kommen, endete in Kurverrei durch Wohngebiete und der Entdeckung, dass die Parkplätze in Frankreich oft durch Balken auf Fahrzeuge unter 2 m Höhe beschränkt sind – wohl um Camper fern zu halten.

Dumm nur, wenn man mit einem 2.02 m hohen Fahrzeug unterwegs ist. Ein Nervenkitzel, der uns noch öfter begegnen sollte: passen wir ohne Schrammen drunter durch? Ja, in Frankreich und Spanien passte das immer. Einige Monate später durfte ich aber lernen, dass die Tiefgarage in „Haus Ennepetal“ ist höchstens 2.01 m hoch.

Der Strand war auf Menschenmengen eingerichtet aber fast leer. Campingplatz samt Bar, überquellende Mülleimer, jede Menge Trampelpfade durchs Gebüsch und Schilder, die vor Autoaufbruch warnen. Uns hat’s da nicht lang gehalten.

Wir sind auch noch bei dem seltsamen Park des Chateau de Creullet vorbei gefahren, da gab es aber eigentlich nicht’s zu sehen.

Den Tumulus von Colombiers sur Seulles hatten wir am Vorabend auf der Hinfahrt gesehen, der war aber nicht so spannend, wie die Wikipediaseite dazu tat. Also ab in den Süden!

IMG_3329Dabei versuchten wir von unserer üblichen Art zu reisen – zwölf bis vierzehnhundert Autobahnkilometer am Tag – zu einem overland-angemessenen Reiserhythmus zu finden. Bis Le Mans ging es auf der Autobahn, ab da versuchten wir „querfeldein“ zu fahren. Dazu spielten wir mit der Navi-Software CoPilot Live mal auf dem  iPad und mal auf dem iPhone ‚rum. Bei CoPilot kann man die Gewichtung der Strassen-Arten einstellen und wir versuchten uns mit „Autobahnen und Hauptstrassen meiden“. Das klappte auch ganz gut.

Picknick in Le Grand-Lucé und dann weiter bis auf die höhe von Bordeaux. Dabei stellen wir fest, dass unser Ziel für den Tag, die gemeinde „Saint-Front-de-Pradoux“ etwa 50 km weiter östlich lag als gedacht. Eine Autobahnetappe und dann das Navi auf „kürzeste Route“ und über zum Teil abenteuerliche Wege zum Ziel. Im Dorf angekommen, fiel es uns etwas schwer, das Hotel aus zu machen.

Das  Château La Thuilière war ein Verlobungsgeschenk (!) und vielleicht absichtlich etwas versteckt gelegen. Das Kartenmaterial in der Ecke scheint besonders fehlerhaft zu sein. Aber irgendwann fuhren wir die beeindruckende Auffahrt zum Schlösschen hinauf, an im Garten spielenden oder Campari schlürfenden Leuten die alle freundlich grüßten und einem kunstvoll verfallenen Gewächshaus vorbei und versuchten unser Buschtaxi irgendwie sozialverträglich auf dem doch ehr engen Parkplatz unterzubringen.

Der Besuch in La Thuilière ist sicher das, an dass wir am meisten bei dieser Reise zurückdenken. Bereits gegen mittag wurden wir vom Hotel angerufen. Ob wir zu Abend essen wollten. Ja. Gut. Wir sollten um 20:00h da sein, das essen wäre dann fertig.

Guter Service! Aber …. die hatten doch gar nicht gefragt, was wir essen wollen. Hmm. Wir mussten jedenfalls am Ende unserer Tour ein bisschen hetzen, um einigermassen pünktlich anzukommen. Dann das beeindruckende, aber nicht sonderlich grosse Gebäude und die freundliche Begrüssung. Das Thuilière wird durch ein spanisches Paar geführt. Die  beiden Jungs haben das Haus mit einem Blick für Design und viel Sinn für das Historische renoviert und führen es ausgesprochen familiär. Die Zimmer sind individuell, gross, historisch und Komfortabel. Die Bar besteht aus einem hervorragend sortierten Schrank und einem Block, wo man aufschreibt, was man getrunken hat. Das Haus ist voller Bücher und Zeitschriften.

Leicht verspätet kamen wir beim Abendessen, das im Garten stattfand an – die anderen waren schon mit dem Aperitif durch. Es gibt – wenn ich mich recht erinnere) acht Zimmer in dem Hotel und für jedes Zimmer einen Tisch. Essen wurde ungefragt serviert (d.h. „es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“) aber war köstlich und kam in 5 oder sechs Gängen daher.

Zwischen den Tischen liefen ein Huhn, ein Hahn und ein Hund herum. Huhn und Hahn führten eine besondere Show auf. Erst jagte das Huhn dem Hahn einen Wurm am und raste damit raketengleich davon. Dann kletterte der Hahn auf dem Geländer der Aussentreppe herum und verschwand dann.Als n¨åchstes wurde das Huhn vom Kellner getreten und veranstaltete einen totalen aufstand und der – nicht zu erblickende Hahn – stimmte in den Radau mit ein. Dann rief der Hahn scheinbar das Huhn, es solle doch auch kommen und  wir sahen das Huhn auf dem Treppengeländer entschwunden.

Das mag sich jetzt anders angehört haben, aber es war ein wunderschön entspanntes Abendessen. Wie wir am nächsten morgen – nach Wecken durch den Hahn – feststellten, hatten Hahn & Henne aussen auf einer Fensterbank – ich vermute direkt vor dem Fenster der Patrones – übernachtet.

Zwischenzeitlich konnte ich eine Mücke beobachten, wie sie in meiner Hand saugte – und das Vieh durch Muskelanspannung festsetzen und dann niedermetzeln. Half aber nichts, es gab trotzdem eine Schwellung. Mücken scheinen da eh nciht ganz selten zu sein – läge angeblich am Wetter. Die Zimmer waren aber alle mit Mückengittern in den Fenstern versehen, so dass wir bei offenem Fenster schlafen konnten.

Das Frühstück am nächsten Morgen war dann genau so schön, wie das Abendessen.

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