Vulkanhöhlen

Hier eine Zusammenfassung der ersten zwei Tage des wissenschaftlichen Teils des Symposiums:
Der erste Tag war recht angefüllt mit Besuchen von Dignitarien und festlichen Reden.

John Busch (AU) trug eine Retroperspektive über den verstorbenen Chris Wood vor, der prägend für die Vulkanspeleologie war. Die Präsentation war nicht von Busch selber, sondern von Martin Mills, einem Mitstreiter von Wood.

Prof Stephan Kempe gab einen guten Überblick über die Jordanische Höhlenlage – ich hoffe, er stellt seine Präsentation online. er war auch hinreichend beschämt, das die Lokalen Forscher einen (kleinen :-) Vulkan und eine Höhle nach ihm benannt haben.

Harry Marinakis (US) berichtete über die „Zuni-Bandera-Volcanic-Fields“ („El Malpais“) in New Mexico und die Höhlen dort (viele) und warum es da nicht so viel Spass macht, die zu erforschen: 2200 m über dem Meeresspiegel, kaum Strassen, sehr mühevolles Laufen, sehr heiß. aber die Gegend hat Potential!

Julia James (AU) berichtete von Ihrer abenteuerlichen Suche nach Vulkanhöhlen auf den Kurilen und der Kamchatka Halbinsel (RU! Oberhalb von JP). Spannende Gegend, sehr schwer zu erreichen, bisher keine Spektakulären Höhlenfunde, interessante, aber einstürzende, Tunnelanlagen aus dem zweiten Weltkrieg.

Am zweiten Tag – technisch der Sonntag in Jordanien – war eine Exkursion.

Am dritten Tag – technisch der Samstag in Jordanien – war der Bus pünktlich, um uns abzuholen. Sehr unerwartet. Bis dann aber in der Universität die Vorträge beginnen konnten, war doch einige Zeit vergangen, so dass das Gleichgewicht der Dinge wieder hergestellt … und auch die arabischen Zeitvorstellungen.

Der Tag begann mit einem Vortrag von Ingo Bauer / Stephan Kempe, die von ihren Frschungen in den letzten Jahren in Hawai’i berichteten, die in Ingo Bauers Diplomarbeit (unveröffentlicht) gipfeln. der Vortrag nahm die meiste Zeit auch den nicht-Wissenschaftler mit an die Hand, um hinreichend viel von dem Vortrag zu verstehen (d.h., selbst wer a’a vorher für ein Vedauungsprodukt hielt, wusste nachher mehr).

Im großen und ganzen kann man sagen, dass mehrere Lava „Sheets“ gleichzeitig übereinanderlegen und kleine „conduits“ mit flüssigerer Lava beinhalten. Dabei kann es passieren, dass die conduits in tiefer liegende conduits „durchbrennen“ und damit in dem untersten conduits eine stürmerei Schmelzkraft entsteht, die es schafft sich in die darunter liegende, ältere ubd längst erkaltete Lava einschneiden kann. das scheint vor allem zu passieren, wenn die Pahoehoe Lava Sheets über a’a Lava fließen.

Dann wurde ein Paper von Tsutomu Honda (JP) durch Harry Marinakis vorgetragen. Honda konnte nicht persönlich erscheinen. Tree-Moulds sind Löcher im Basalt, wo Bäume standen, die von der Lava umschlossen wurden und erst verbrenne, wenn sie dauerhaft ein Lock im Basalt hinterlassen haben. Honda hat die Verteilung der Dicke der Stämme analysiert und konnte damit das Alter des Waldes ermitteln. der Wald war zum Zeitpunkt des Ausbruchs 1200 Jahre alt, was indiziert, das es 1200 Jahre vorher bereits einen Ausbruch gab.

Da es keine vertikalen Tree Moulds von 10 cm oder weniger gab, ging Honda davon aus, dass alle Bäume unter 10 cm Durchmesser von dem Lava Fluss umgeworfen wurden. Artus berechnete er eine Flussgeschwindigkeit von 4 m/s. Weiterhin konnte er daraus die Viskosität der Lava berechnen und damit auch die Temperatur derselben – 1200 C. Beeindruckende Wissenschaft, auch wenn es einige Rückfragen zur Methodik gab, die wir ohne Honda nicht beantworten konnten.

Dann berichtete Harry Marinakis erneut über das Zuni-Bandera Volcanic Field – diesmal vor allem über die Menschliche Nutzung, die teilweise sehr aktiv war – die Bilder von Indianerdörfern unter Felsüberhängen sind bekannt. sehr interessant, aber ich habe mir nicht genug Fakten gemerkt, um detailliert berichten zu können. Marinakis hat in 4 Jahren überwiegend zu Fuß eine Neuaufnahme der höhlen in der Gegend gemacht und dabei etwa 200 Lava Tubes neu entdeckt. für die Trips war es zum Teil nötigq, bis zu 12 Liter Wasser mitzuschleppen, um die Hitze zu überstehen. gleichzeitig sind viele der höhlen Eishöhlen, wobei jedoch die Eismenge in den letzten Jahren enorm zurückgehen. Höhlen, deren Eingang noch vor 20 Jahren in einer Einwand endete, sind heute problemlos befahrbar. Höhlen wurden auch für „Ice Mining“ benutzt, aber der Eisverlust kommt auch in Höhlen ohne Menschliche Einwirkung statt. Die Indianer haben übrigens ganz klar in den Höhlen Feuer gemacht, um dort Eis zu schmelzen und zum Teil wohl auch Resevoirs ausgegraben.

Ahmed Asker Al-Ahmed berichtete über die tektonische Lage in Jordanien, aber vermutlich fehlte mir das nötige geologische Hintergrundwissen, um dem Vortrag hinreichend detailliert folgen zu können. Geologisch scheint die Gegend hier deutlich interessanter zu sein, als ich gedacht hatte. anschließend gab es eine Muntere Diskussion über … Naming conventions? Pressure > Ridges? Heat Ridges? Ich war wohl zu ungebildet, der Diskussion zu folgen.

Stephan Kempe berichtete dann vom „Dessert Kites“, große Steinwälle, die wohl vor mehr als 10.000 Jahren erbaut wurden, um Gazellen in Treibjagden (?) zu erlegen. sie heissen so, weil sie in den Zwanzigern von Postflugzeugpiloten beschrieben wurden, die der meinung waren, die Steinwälle sähen aus, wie Kinderdrachen.

Es wurde ein Trichter aus Steinwänden errichtet, der an der Öffnung bis zu einem Kilometeer groß ist und am anderen Ende 10-30 m. Dahinter gab es einen großen Steinkreis, der dann wiederum die Gazellen einigen kleineren Fällen zuführte. Im großen und ganzen mussten die Jäger wohl kaum was machen, die migrierenden Gazellen liefen von selber in die Trichter und vermutlich entkamen die meisten Gazellen, aber genug verletzten sich beim Sprung aus der Falle, dass man sie nur noch auflesen musste.

An einem solchen „Kite“ wurden Fragmente einer Steinkeule gefunden, womit den Gazellen vermutlich der Rest gegeben wurde.

Es gibt in Jordanien mindestens noch hunderte – vielleicht sogar über tausend – solche > Kites. Kites sind in Ketten vom bis zu 220 Kites in Nord-Süd Richtung angelegt, so das die Gazellen, die im Frühsommer aus der Wüste migrierten, eine gute Chance hatten, in einem Kite zu enden.

Er hat dann versucht, aufgrund der Bewegten Masse an Steinen für die Kites ja berechnen, wie viel Kalorien man benötigt, um 1 km Wand zu errichten (60.000 cal). er geht davon aus, dass man für einen Kite 560 Manntage braucht. Aus 3 Gazellen konnte man bereits die Energie erhalten, die benötigt wurde, um 1 km Wand zu errichten. Damit kommen wir auf 20-30 Gazellen, die ein Kite fangen muss, um energetisch profitabel zu sein. Das lässt vermuten, dass die Kites hochprofitabel waren. Interessant, aber die Berechnungen haben mich nicht auf Anhieb überzeugt.

Zwischendurch ein Grußwort vom Kronprinzen und die Ankündigung, dass der Prinz vielleicht beim Field-Trip auftaucht. :-O Großes Geschimpfe, dass die Kites momentan zum Teil mit dem > Bulldozer Platt gemacht werden. Offiziöse Worte und Ansprachen.

Die einzige Strasse in der in Rede stehenden Gegend, der „Harrat“ ist übrigens entstanden, als in den 20ern eine Öl Pipeline gebaut wurde, die aber nach wenigen Jahren schon wieder aus Betrieb genommen wurde.

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