Products with Love

Wenn ich heute eine Hose oder eine Tasche in einem Laden kaufe, dann ist es mehr als wahrscheinlich, dass dieses Teil wie auch unsere Produkte aus Asien stammt. Ich weiß, dass es viele Leute in dieser Stadt, in der Umgebung, in diesem Land und vermutlich auf der ganzen Welt das gleiche Produkt gekauft haben. Es ist ein Ding, es hat keine Seele, ich werfe es weg, wenn es, vermutlich in nicht allzu langer Zeit, kaputt ist, oder mir die Farbe nicht mehr gefällt.

Doch das macht mich unglücklich. Und ich weiß, dass es vielen anderen auch so geht. Es ist der stille Wunsch nach mehr Individualität, der Wunsch etwas Besonderes zu besitzen, vielleicht auch der Wunsch, gesünder zu leben und etwas für die Umwelt und die Menschheit zu tun. In Zeiten in denen immer mehr schädliche Inhaltsstoffe in Produkten gefunden werden, Green Energy hip ist und man durch die Medien durchaus überzeugt ist, dass in Asien unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen und Kinderarbeit an der Tagesordnung ist, findet immer mehr eine Rückbesinnung statt auf handgefertigte Produkte.

Handgefertigte Produkte haben mittlerweile das Image des uncooles, des omahaften abgelegt und immer mehr junge Designer insbesondere aus Amerika, Australien und auch deutschen Großstädten wie Berlin, steigen aus und produzieren selbst. Natürlich per Hand, gerne aus natürlichen oder recycleten Materialien zumindest aber mit ansprechendem hippen Design.

Für sie ist das Handwerk nicht nur Passion sondern auch Mission, eine Reaktion, ein politisches Statement auf die Hyper-Fast-Wegwerf-Gesellschaft. Doch wirklich möglich hat diesen Hype erst das Internet, etwas das sich die jungen Kreativen in großem Maße zu Nutze machen. Sie tauschen nicht nur Anleitungen aus, lassen sich von anderen inspirieren, schließen sich zu Gruppen zusammen, nein, erst Verkaufsplattformen wie Etsy oder Dawanda haben das alles erst möglich gemacht. Der Long Tail eben.

Etsy das sich mittlerweile damit rühmt über 1.4 Millionen Mitglieder und 200.000 Verkäufer zu haben, hat zur Zeit 2.6 Millionen Produkte in seinen Shops. Und konnte seinen Bruttojahresumsatz von $166.000 2005 auf 64.5 Millionen 2008. Von 2007 auf 2008 hat der Umsatz mehr als verdoppelt.

Dawanda ein deutsches Unternehmen, dass allerdings viele Verkäufer aus den Staaten, Asien und ganz Europa hat hält sich was Zahlen angeht eher bedeckt. Vergleicht man die Anzahl der Suchergebnisse kann man schon gut ablesen, dass etsy nicht nur ganz klar bei der handwerklichen und designtechnischen Qualität der Waren, sondern auch an Quantität daWanda weit überlegen ist.

Der Vorteil für Käufer und Verkäufer ist, dass sie beide nicht allein lassen, ausgefeilte Suchtechniken z.B. nach Farbe oder Herstellungsart, sowie Feature über bestimmte Produkte oder zu verschiedenen Themen greifen immer wieder wunderbare Dinge aus der Masse der wunderbaren Dinge heraus und machen Lust zu kaufen.

Der Wunsch nach Individualität und dem Besonderen, weg von der Massenware, ist sicher nicht neu und Manufactum geht bereits seit 1988 diesen Weg. Neu ist jedoch, dass dieser Weg scheinbar im Massenmarkt angekommen ist. Manufactum wurde im Herbst letzten Jahres von Otto gekauft.

Bei Nike kann man sich im Internet Kleider und Schuhe mit Farben und Schriftzügen personalisieren, die dann natürlich in Asien gefertigt werden. Und Schneider bietet auf der Seite Pen4Me indivduelle Designs für seine Füllerkappen an, die man sich auf einen Farbdrucker ausdrucken kann, sofern man denn einen besitzt.

Sicher hat das nicht mehr viel mit Handarbeiten zu tun, dennoch ist es erstaunlich, dass diese Hersteller es schaffen, dass sich der Kunde mit den Produkten intensiv sogar im Vorfeld bevor sie das Produkt besitzt damit beschäftigt und somit eine wesentlich intensivere Beziehung zu diesem Produkt aufbaut.

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