Aufs Schiff nach Schweden

Wenn es auf’s Schiff geht, bin ich ja immer total aufgeregt. Also nachdem die Überschwemmung eingedämmt war und ich noch ein Brot verspeist hatte, ab zum Einschiffen am Skandinavienkai. Mist, die Parklücke war in der Zwischenzeit bedeuteted enger geworden. Und ich gebe es zu: Mit der Frage, wo mein Laster hinten genau zu Ende ist, bin sich nicht sonderlich gut. Ausparken in 20 Zügen und dann Anstellen zum Einschiffen.

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Check-In noch zu, ein paar Autos stehen in gebührendem Abstand zu den blinkenden, roten „X/closed“ Schildern. Andere stellen sich dahinter vor der Schranke auf. Ich warte brav weiter weg. Ein Stück vor mir ein hübsches LKW WoMo in orange mit netten Zeichnungen auf der Seite aus Schweden.
Es schüttet aber so sehr, das ich nicht aussteigen mag. Später stehen wir kurz nebeneinander aber da schüttet es so, das man nicht mal ins benachbarte Fahrerhaus schauen kann.

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Beim Stop-And-Go zum Check-In geht es recht stark bergab. Ich versuche mal den Motor aus zu lassen. Rollen; bremsen geht gut. Aber Lenken? Hggggmpf. Selbst leichte Kurskorrekturen sind ein riesen Kraftakt. 11 Tonnen wollen gelenkt sein.

Ich bin ja wegen Reifen und Fahrwerk etwas höher. Aber die Fernverkehrsfahrerhäuser (XLX oder so bei MAN) sitzen höher auf dem Rahmen, damit der größere Motor nicht ins Fahrerhaus ragt, sondern der Boden glatt ist. Eigentlich haben die Fernfahrer alle das Fenster nur 10 cm niedriger als ich. Warum sind Die Fenster von Check-In- und Maut-Schaltern dann so ein Riesen-Thema?

Im strömenden Regen aber mit recht viel Gelächter und Geturnte kriege ich meine frische Buchung in das Fenster vom Check- In Häuschen gereicht – es ist so eng, das ich die Tür nicht weit genug aufmachen kann, um auszusteigen. Für eine neue Katsche in der Fahrertür hat der Platz aber dann doch noch gereicht.

„Sie können noch nicht aufs Schiff, da ist noch eine grosse Pfütze vor der Rampe.“ Blick auf den Reifen vor ihrem Fenster. „*Sie* können aufs Schiff, aber die vor ihnen nicht, hilft also nix. Gasse 14 oder 15. Gute Reise!“

Da kommt dann tatsächlich nochmal eine Schranke. Hat sogar nicht nur auf PKW-Höhe ein Bedienteil. „Karte hier einfüren“ steht da. Ich dachte die Karte wäre der Zimmerschlüssel? Naja. Wo eigentlich einführen? Gefummel. Da kann man sie reistecken – nee *das* ist nur eine Fuge.

Hatte ich erwähnt das ich beim Einschiffen immer suuuuper aufgeregt bin? Suchen. Fummeln. Hmm. Laser Strich und grüner Punkt. Sieht doch wie ein Barcode Reader aus. Oh! Auf dem Boardingpass ist auch ein Barcode. Also anstatt die Karte wie angewiesen irgendwo einzuführen halte ich alter Hacker den Barcode unter den Reader. Ha! Zwar ist jetzt nach mienen hektischen Versuchen alles mögliche an Zetteln und Karten im Fahrerhaus verstreut, aber die Schranke hebt sich. Gasse wie viel war das? Ich kenn ja inzwischen meine Gedächnisleistungen und hab das notiert. Aber auf welchem Zettel? Ich will auch schnell unter der Schranke weg, nach dem eine franz\u00f6sische Schranke im Herbst versucht hatte, das F\u00fchrerhaus vom Aufbau abzuguillotinieren. Gasse 18 … 17 \… 16 steht ein Laternenmast … 12 … 11 … Moment … Jetzt mal ein bisschen weniger wohlig aufgeregt sein. Ich stell mich einfach hinter das größte Fahrzeug egal welche Schlange, die werden mich schon nicht stehen lassen. War dann doch nicht so schlau wie sich später zeigte …

Warten. Alles gepackt? Ja. In der Fähre ist ja oft nicht mehr so einfach in den Aufbau zu kommen. Aufbau seefest? Ja. Irgendwann werden wir von einem Lotsenfahrzeug zum Schiff gebracht. Ich hinter einem Mietlaster aus Ueltzen mit 3 Jungs drin. Die versprochene Pfütze treibt den PKW Besatzungen den Schweiß ins Gesicht. Ich bin versucht mit Schwung durch zu fahren, aber man will sich ja benehmen.

Im Schiff eine Rampe. Warten. Der Siebeneinhalbtonner vor mir kommt mit seinem Getriebe nicht zurecht und rollt zurück und rollt und rollt und … ohohoh. Zur Seite kann ich nicht flüchten. Nach hinten? Wo ist der nächste PKW? Am Ende denke ich an den Spruch meines Fahrlehrers: „Wer steht, baut keinen Unfall.“ Der Siebeneinhalbtonner findet im letzten Moment den richtigen Gang. Uffffz. In Zukunft vermeide ich hinter Miet-LKWs in schwierigen Fahrsituationen zu stehen.

Ich will brav Platz sparen und fahre ganz an die Wand und ganz nah vorne auf. Das ist auf diesem Schiff aber wohl nicht so Usus. Hat den Erfolg, das die PKW neben mir Bequem die T\u00fcren an beiden Seiten bis zum Anschlag auf machen k\u00f6nnen w\u00e4hrend ich auf der Beifahrerseite rausklettern muss.

Die Fahrzeugdecktypische Verwirrung, wo es den zum Passagierbereich geht. Warum ist das nie idiotensicher ausgeschildert? Zimmer suchen und ab ins Bett – es ist nach zwei Uhr Nachts.

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Endlich Unterwegs in den Urlaub

Aus NRW kommend die A1 nach Norden. Kenn ich schon. A2, A7. Dienstags reisen vermeidet natürlich größtenteils den Urlaubsverkehr. Das geht ganz gut. Ist ja auch schon echt spät.

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21:00h. Ich mache an „Deutschlands ältester Autobahnkirche“ bei Vlotho halt. Nett da. Vor allem der Friedhof.

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Hinter Hamburg von der Autobahn. Zum Glück bleibt es lange hell – Stellplatzsuche im Dunklen ist doof. Mein Reiseziel ist nur noch 20 km entfernt, aber ich will da nicht mitten im Dorf mitten in der Nacht die Nachbarschaft vergraulen. An einem Reitstall in den Feldweg – sieht gut aus. Die Kreuzung mit einem Radweg – auf einer alten Bahntrasse gebaut und beschildert wie eine Bundesstrasse – bietet einen Platz für die Nacht.

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Aber vor dem Schlaf muss ich das in das Auto geschmissene Gepäck zumindest ansatzweise Verstauen. Ach ja! Essen wäre auch nicht falsch. Es gibt eingetuppertes Möhrendurcheinander von zuhause. Bei offenem Fenster ist es nicht ganz so romantisch denn die umliegende Landwirtschaft ist wie immer erstaunlich laut. Naja, ich bin zum Glück lärmunenZzzzzzz

Der erste richtige Ferientag! Ich bin zum Frühstück eingeladen. Manche nennen es Arbeit.

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Zwischendurch noch ein Aufreger: Ein Kind findet daheim sein Personalausweis nicht. Und das macht die Urlaubsreise der Kinder nicht einfacher. Aber glücklicherweise lassen sich die Pässe mit den Russland Visa direkt von der Visa Agentur zu den Kindern umdirigieren. Läuft ja wie am Schnürchen!

Gegen 16:00 in Travemünde. Um 2h Nachts ist Einschiffen nach Helsinki. Ich stell mich zwischen die Trucker. Neben mir ist wieder der Michelin-Rennlaster, der auch letzten Sommer mit auf der Fähre war. Ulkig.

Ab ins Hafenhaus. Finnlines Büro. Nach einigem hin- und her: „Da kann nur die Passagierabteilung helfen – wir machen nur Fracht, die kommen erst um 19:00h“ Vor Samstag (es ist Mittwoch) ist kein Platz für mich auf dem Schiff. Und gute Kabinen ausser der „Owners Suite“ gibt es Samstag auch nicht. Ich überlege: 3 Tage an der überfüllten Deutschen Küste? Nicht mit mir!
Bisschen Fährrouten Checken. Oder doch die Brücken? Nee ich will schlafen und dabei geschippert werden. Ausserdem liebe ich nautische Dinge. Oder doch durch Polen ins Baltikum? Polen passt mir politisch grad so gar nicht – spricht das gegen einen Urlaub? Hmm. Also Schiff!

Ich war mal vor ein paar Jahren aus ehr prinzipiellen Erwägungen die A1 von Anfang bis Ende gefahren und fand die Verschiffung in Putgarden recht beeindruckend. Dann da lang!

Kaum bin ich aus dem Hafen raus Stopp- and go im Urlaubsverkehr. Ooooch nöööö. Haben die kein Zuhause? Dänemark kann mir gestohlen bleiben! Bisschen Internet Recherche. Zurück nach Travemünde, Hafenhaus. Diesmal TT-Line. „Ich möchte gern möglichst bald mit grossem Wohnmobil möglichst weit nördlich nach Schweden“ – „Nördlich haben wir nicht.“ – „Und bald?“ – „Auf der. 22h Verschiffung wird knapp. .. 7.2m … hmm. Nee. … 02:00 hab ich was. Kostet auch nur die Hälfte.“ „Perfekt“. Ca. 150€ wechseln den Besitzer und ich schau mir nun Schweden statt Karelien an.

Schlendern durch den Shop im Hafenhaus. Es gibt praktisch nur Alkohol. Entspannt laufen Leute mit rechts und links je einer Palette 0.5er Bierdosen in Plastiktüten aus dem Laden. Die haben wohl Übung, mir würde sofort der Griff abreissen.
Das doofe an gesunder Ernährung ist ja, dass man sich schnell daran gewöhnt und dann fast alles von dem, was unterwegs so angeboten wird, recht ekelhaft findet. Schlachtabfälle im Kunstdarm mit laffen Kartoffeln in altem Fett gebadet? Oder doch lieber Emulgatoren und Geschmachsverstärker mit Zucker und Fett aus dem Snack Regal? Doof das. Warum gibt es nix leckeres? Also eine Stulle zuhause im Auto geschmiert.

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Warten auf das Einschiffen zwischen den Zugmaschinen die Pause haben.

 

Das angekündigte Unwetter kommt. Ich find es nicht so schlimm. Bis ich plötzlich eine sehr nasse Socke habe.

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Was soll das schon wieder? Da kommt eine Pfütze aus dem Invertrerschrank geflossen. Ich bin total unamüsiert. Schrank auf, wenig zu sehen. Hinkriehen, Neeeeiiin! Jetzt auch nasse Knie. Es tropft vom Lüftergehäuse auf einen Kabelstrang. Da geht auch die Regenleitung lang. Wer bitte verlegt das Regenrrohr durch den Elektroschrank???

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Aber das Regenrohr (naja – Schlauch) ist knochentrocken. Scheinbar kommt es durch das Loch vorm Lüfter. Unter der Tür kommt es ja auch durch. Ich mache ein paar Atemübungen Versuche das Wasser mit einem Lappen vom Kabelstrag fern zu halten und das Problem erstmal zu ignorieren. Gelingt mir nur leidlich.

Trockene Socken und Hose suchen.

(langsam) Auf gen Norden!

Freitag. Kinder zur Schule gebracht. Die sind von da aus drei Wochen unterwegs. Das große Gefühl von Freiheit.

Reifen Montieren

Aber da war noch was: mein Laster hat ein oder zwei Räder ab. Die gewünschten Tyran-Ringe (und Montagepaste und Reifen Flickset und und und) sind noch nicht da. Überraschend tun sich da noch Geschäftstermine am Sonntag und am Montag auf und Primus verkündet dass er am Wochenende vielleicht zelten geht und solange noch daheim bleibt. Öhm.

Dann gehe ich Samstag eben Höhlenforschen als erste Urlaubshandlung. Der Muskelkater vom Reifenwechsel Freitag, mit dem Muskelkater vom im liegen Graben am Samstag steht also bereit mir Sonntag das Aufziehen der letzten Reifen zu versüßen.

Ziegenburg-Höhlen

Mit gutem Frühstück und Forumshilfe krieg ich das mit den Reifen dann irgendwie geschafft.

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Als Bürohengst fühle ich mich jetzt allerdings auch so, als brauche ich dringend Urlaub.

Irgendwann ist Montag der Geschäftsbesuch durch die Tür, die Wassertanks voll und dann auch irgendwann alles zum Leben gepackt – wobei mein kleiner Kopf deutlich überfordert ist mal eben für sechs Wochen ich und drei Wochen Kinder zu packen. Kopfkissen vergessen? Sonnencreme? Öl zum braten? Campingstühle für alle? Irgendwas fehlt immer.

Ach ja, „mal eben“, die Reserveräder ans Heck.

Reservreradmontage

Einen Stapel unbezahlte Rechnungen stopfe ich zusammen mit dem Online Banking Kram in den Rucksack.
Endlich! Erste Nacht im Auto.

Ab in den Sonnenuntergang!

Da ich nach Der ganzen Reifenaktion doch ein bisschen Sorgen um meine Tyran-Ringe habe fahre ich bei einem Freund in Aachen vorbei, der meinte, das sei kein Problem die zu besorgen. Meinte er. Beim Morgenkaffee kommt raus, dass er am Montag alle Reifenhändler in Aachen abgeklappert hat, bis er die doofen Ringe bekommen hat. Wir ziehen noch mal die Radmuttern mit vernünftigen Werkzeug nach, fachsimpeln über Reserveradträger. Optimieren die Schlösser an den von ihm gebauten Staukisten und endlich geht es wirklich los.

Aber: die Radschrauben sind jetzt gut angezogen dafür klappert in meinem Gebiss jetzt etwas. Ach nöö! Naja, besser jetzt als in zwei Wochen. Spontan Besuch bei meiner Zahnärztin. In der Innenstadt vorm Zahnarzt zu parken ist mit dem Laster eine Herausforderung.

Beim Zahnarzt

Die Schraube, die im Implantat sitzt ist locker. Drehmomentschlüssel, Schraubenkopf zuschmieren, fertig! So in etwa das gleiche hatte ich doch heute Morgen schon mit meinen Radmuttern.

Jetzt aber los!

Abfahrt zuhause

Irgendwann Rolle ich an der Abfahrt Remscheid vorbei … schon 270 km auf der Uhr. Weiter gen Norden!

Offroad-Wohnwagen

Mir war nach einem separaten Kinderzimmer. Das kam mit dabei unter:

Der Bushcamper ist hübsch und billig.

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Der Volker Lapp Trailer 340. Scheinbar ist was an mir vorbei gezogen, dass ich Herrn Lapp nicht kenne. Aber er scheint erhebliche Probleme zu haben, einen dauerhaften Produktionspartner zu halten.

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Offroad-Caravan 2 (X-Indoor) von Moser ist ehr unscheinbar.

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Der Kip Shelter Offroad kantig.

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Den KULBA Teardrop Caravan gibt es auch in einer Offroad-Variante.

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Und dan ist da die große Lösung: FM I & 1.5 t Einachser.

Buch: „No worries, too easy“. Australien von S+B Koch

„No worries, too easy!“ ist das zweite Buch von Sabine und Burkhard Koch. Die beiden haben es geschafft durch konsequente Umsetzung eines Lebens auf Reisen mit ihrer Pistenkuh zu einer Marke in der Weltreisenden-Szene zu werden. Wobei inzwischen scheinbar die nach 10 Jahren die „Pistenkuh“ nicht mehr ein einzelnes Fahrzeug – den lila Deutz-Hauber – bezeichnet, sondern das individuelle Reisekonzept der beiden. Vielleicht sind sie nach auch einfach nur das LKW-Reisen ein bisschen leid.

Auf jeden Fall sind die beiden für zwei Jahre nach Australien, haben sich ein Buschtaxi gekauft, es lila angestrichen und sind kreuz und quer durchs Land. Und ja, die haben im Dreck festgesteckt und waren fernab der Zivilisation und haben aus Baumstämmen eine Winde gebaut. Aber das kann eigentlich kein interessantes Overland-Buch ausmachen. In der Summe könnte man ansonsten ja auch mal einen Nachmittag in die Kiesgrube fahren und einem Truck-Trial zuschauen.

Das Buch ist kein Reiseführer und will auch keiner sein. Es ist auch nicht so recht ein Reisebericht. Jedenfalls konnte ich am Ende nicht so recht nachvollziehen, wo die Beiden jetzt genau lang gefahren sind.

Aber vielleicht ist es – ungewollt – ein Reiseratgeber. Das Buch bringt sehr gut auf jeder Seite den Ansatz zu reisen, den Sabine und Burkhard haben, rüber. Sich auf den Ort einlassen. Verweilen. Unsinn ausprobieren. Tage mit dem halb-irren Schrotthändler abhängen. Und so gesehen kann man es durchaus als Lehrbuch sehen. Man hat nachher ein ganz gutes Gefühl, wie man mit diesem Ansatz nett durch Australien kommt.

Es erinnert mich ein wenig an Bill Bryson’s „[Down Under : Travels in a Sunburned Country]“. Bei aller Sympathie: Bill Bryson ist ein deutlich talentierterer Autor. Aber Sabine und Burkhard schauen in mehr Ecken, die mich interessieren.


Da ist das Mitfahren auf einem 130 Tonnen – Road-Train, das nur unter großen Mühen zu organisieren war. Das Goldschürfer-Camp. Die „Homebase“ einer Motorrad Gang. Roadhouses. Die Abendteuer ein Auto in Australien anzumelden (“das kannst Du nicht machen, wir sind hier nicht in Afrika, Burkhard”. Der Versuch, Krokodile für ein Foto mit einer Elektrozahnbürste anlocken.

Oft sind die Begebenheiten brüllend komisch beschrieben. Wie zB das Rätselraten, ob man über die Straße fahren darf, die “from the Tuesday after Queens Birthday long Weekend” bis zum “Thursday after Melbourne Cup” gesperrt ist.

So gesehen hält das Buch, was es verspricht: Unterhaltsam, gut zu lesen. Da Tragen sicher auch die kurzen Kapitel bei. Satz- und Druck haben auch nicht mehr den LoFi „Microsoft-Word und Print on demand“ Charme, der den Kleinauflagen aus der Overland-Szene oft inne wohnt. Auch vom Typographie und Satz ein gut zu lesendes Buch.

Spannend sind die immer wieder vorkommenden Begegnungen mit den Aborigines und der Kultur des Umgangs mit ihnen.

Mir dämmert es ja nun auch schon seit einiger Zeit, dass indigenen Völker nicht per se „ursprünglich gut“ sind und nur das Feuerwasser des Weißen Mannes sie korrumpiert hat. Manche Indigenen Kulturen sind schon ziemliche Arschlöcher voll Gewalt, Missbrauch und gegenseitig zugefügtem Leid. Seit Jahrtausenden. Die haben zum Teil etwa so viel Respekt verdient, wie das pjöngjanger Kultusministerium oder das stalinistische Wiedereingleiderungsprogramm für Systemkritiker. Ohne jetzt die Debatte um ethische Relativismus aufmachen zu wollen – indigene Völker sind gelegentlich Überhaupt keine sympathischen Grüppchen.

Das Buch kämpft ganz schön mit diesem Thema im Bezug auf die Aborigines. Es behauptet, es wolle nicht werten. Aber wartungsfrei darzustellen ist gar nicht so einfach. Die beiden haben bei vielen Gelegenheiten versucht, Kontakt herzustellen. Scheinbar ist aber überwiegend nur mit den weissen Angestellten der indigenen Sehenswürdigkeiten, Land Managern und Alkoholverkäufern ein Gespräch zustande gekommen.


Sabine & Burkhard haben ein zweites Buch zum Thema Aborigines geschrieben. Das ist ganz klar bei mir auf der Leseliste. Das Thema ist ein dickeres Brett, als die in Overland-Kreisen üblichen Themen wie man mit korrupten Beamten umgeht & wo die schönsten Stellplätze sind.

Doch zurück zu “No worries, too easy.” Ein Buch, das großen Spass gemacht hat zu lesen. Die gelegentlichen Gelben Info-Boxen machen für mich vielleicht Sinn, wenn ich mal selber in Australien bin; aber bis dahin ist die Hälfte sicher veraltet.


No WORRIES – TOO EASY, Sabine und Burkhard Koch, 360 Seiten, ISBN 978-3944921044.  Am besten bei der Pistenkuh direkt zu beziehen.

Über das Bücher kaufen. Eine Liebeserklärung an Frau Funk.

tl;dr: Sucht euch eine Buchhandlung, die nicht zu einer Kette gehört und kein Webshop ist. Kauft da. Ihr werdet es auf lange Sicht nicht bereuen.

Ich mag ja Bücher. Stellenweise in meinem Leben vielleicht zu sehr. Als ich auf dem Dorf wohnte war Informationsbeschaffung ein Riesenproblem. Alles interessante in der Stadtbibliothek war nach ein paar Jahren gelesen. Der lokale Buchhändler konnte oder wollte mir mit meinen Interessen nicht so recht weiter helfen. Das Zweitausendens Merkheft bot etwas Abhilfe. In der Datenschleuder las ich etwas später, dass man über das Postamt die „Lehrblätter zur Fernmeldetechnik“ beziehen könne. Das ist mir aber nie gelungen. In der Provinz kannte die keiner.

An der Uni gab es dann viele Bücher. Elektronische Kataloge. Fernleihe. Und gleichzeitig kamen Internet-Buchhändler. Lehmanns. FatBrain.com. Irgendwann kam Amazon.com dazu. Und irgendwann kam das „Leute die dieses Buch gekauft haben, haben auch folgende Bücher gekauft“ bei Amazon dazu.

Wow! Die Ratschläge, die ich mir immer von meinem Buchhändler gewünscht hatte. So viele spannende Bücher. Ich habe über viele Jahre angefangen, Bücher schneller zu kaufen, als ich sie lesen konnte.  War ja alles so interessant. Vermutlich.

Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legte ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Aber inzwischen gibt es ja eigentlich jede Information detaillierter und aktueller im Internet. Bücher bieten etwas anderes: Statt Informationsbröckchen den Überblick. Das sich-dem-Thema-widmen.

Mal eben was erfahren geht im Internet besser und schneller. Ein Buch ist das Obligo sich mit einem Thema näher und und länger auseinander zu setzen.

Das scheint generell ein Trend zu sein. Z.B. gibt es wieder viel mehr typografisch und von der Bindung her schön gemachte Bücher. Bücher, die auch haptisch und optisch ansprechen.

Da ist es nicht mehr zeitgemäß, sich ein Buch im Internet zu klicken und dann am Tag drauf mit viel Verpackungsmüll aus dem Briefkasten zu ziehen. Das macht nur Frust über ungelesene Bücher und ein zu volles Regal.

Also: wenn ich heute von einem interessanten Buch erfahre, bewege ich das erst etwas in meinem Herzen. Lang genug, bis ich mich überwinde, den Schlossberg hoch zu laufen. Während der Ladenöffnungszeiten!!! In meinem Fall ist dass dann Buchhandlung Funk (gräßliche Internetpräsenz – ohne die tollen Emotionen des Ladens). Wenn man heute eine unabhängige Buchhandlung betritt, kann man bei einem sicher sein: die verstehen ihr Geschäft. Sonst wären sie längst pleite oder von den Thalias dieser Welt gefressen.

Und klar: keine Buchhandlung der Welt hat die Gebiete Transhumanismus, Overlanding, Machine Learning, Typografie, Geografie, Speleologie & Karst-Hydrologie komplett vorrätig. Und kein Buchhändler kann in all den Bereichen sinnvoll beraten. Vermutlich in keinem der Bereiche. Macht aber nix, wenn man eh ein konkretes Buch will.

Dann wird das Buch bestellt und man hat Vorfreude. Mit der kann man ein paar tage später wieder den Berg erklimmen, das Buch durchblättern, ein Schwätzchen halten und wenn man es mag, kaufen.

Alles so weit, so gut. Aber jetzt passiert das magische: Die Leute, die heute in einer unabhängigen Buchhandlung arbeiten lieben Bücher. Da man selber Bücher mag, fängt man an über Bücher und Interessen zu sprechen. Klar hat man selber einen viel besseren Überblick über die speleologische Literatur und die Buchhändler werden einem da kaum interessante Hinweise geben können. Aber beim Buchhändler hat man viel mehr Überblick über den Literaturbetrieb als solchen. Und allein durch das drüber reden wird der Blick für die Interessengebiete des Kunden (also meine) geschärft. Bei der Lektüre des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels wird die Buchhändlerin jetzt bei entsprechenden Büchern aufhorchen. Beim Verlagsvertreterbesuch wird der Buchhändler jetzt empfänglicher für Bestellvorschläge aus den abseitigen Sortimenten die (mich) interessieren.

Und Stück für Stück werden Bücher im Laden auftauchen, an denen man mehr Spass hat und die aus dem Einheitsbrei von Baedeker und dem geheimen Leben der Bäume herausstechen. Das ist natürlich ein gegenseitiger Prozess: die Buchhandlung lernt, was ich mir wünsche und ich lerne von den erfahrenen Bücherwürmern, was sich noch anzuschauen lohnt; wo man mal über den Tellerrand schauen kann.

Das ganze ist ein Mordsspass für alle: Ich freu mich über neue Ideen und Bücher. Die Buchhändlerin was gefunden zu haben, wo ich Spass dran habe (und Geld für ausgeben). Und darüber, Feedback vom Kunden zu bekommen.

Und weil der Prozess doch recht entschleunigt ist, kaufe ich nicht mehr Bücher, als ich lesen kann. Kaufe auch mal ein Buch wegen der tollen Aufmachung oder Illustrationen. Erfahre mehr über Autoren und Verlage.

Habe einfach viel mehr Freude an einem Buch, wenn ich es nach einigen Mühen als Beute nach Hause trage.

Viel besser, als sich im Internet ein Buch zu klicken!

Die seltsamsten Orte der Welt

3406674925-01-_sx450_sy635_sclzzzzzzz_Alastairs Bonnetts Buch, das in der englischen Ausgabe „Unruly Places“ oder „Off the map“ heisst, ist mehr eine Essay Sammlung, als eine durchgängiges Werk. Und dass ist gut so. Genau das richtige um ein paar Seiten Lesevergnügen zu snacken. Nach dem Frühstück, beim Arzt, in der Bahn.

In 50 Essays beschreibt Bonnett komische Orte. Und obwohl ich mir einbilde, auf dem Gebiet ganz gut bewandert zu sein, gab es viel neues für mich. Neben journalistisch ehr ausgelutschten Plätzen wie Sealand, Aralkum, (Berg) Athos, Baarle-Nassau & Baarle-Hertog, Tschernobyl und Wittenoon finden sich in dem Buch neue interessante Plätze.

Auch an den ehr bekannten Plätzen versucht der Autor jeweils ein paar kleine philosophische Überlegungen fest zu machen. Das gelingt mal mehr und mal weniger, sorgt aber dafür, dass das Bück immer unterhaltsam bleibt. Wie es zwischen dem Berichten von Fakten und dem Sinnieren des Geographen hin und her pendelt baut immer einen ganz netten Spannungsbogen auf.

Es fällt mir schwer, meine Lieblingsessays zu benennen – interessant waren sie eigentlich alle. Sandy Island – die Insel, die es nicht gibt, Nowhere – die europäische Antwort auf Burning Man, Gagausien – unübersichtlicher als Transnistrien, Ağdam – Geisterstadt zwischen den Fronten, Kijŏng-dong – das ultimative Potemkische Dorf und Bir Tawil – das Niemansland, dass keiner will, fand ich wohl am inspirierendsten.

Alles in allem ein Buch, das jede Menge Spass macht und gleichzeitig leichte Lektüre bleibt. Und der Umschlag fühlt sich gut an!

Alastair Bonnet: Die seltsamsten Orte der Welt, ISBN 3406674925.

Was hätte es noch im Nord-Ural zu sehen gegeben?

Bei all dem, was wir in Russland 2016 gesehen und gemacht haben, hätte es natürlich noch mehr gegeben.

Kommt man zum Taiga Krater?

Der Taiga Crater ist der Überrest eines Atomtests. Er liegt buchstäblich am Ende der Welt. Karten aus westlichen Quellen zeigen recht eindeutig eine Strasse, die von Nyrob (Ныробnach Norden geht zu dem Ort Chusovskoye und dem gleichnamigen See.

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Heimweg

Langsam muss es mal zurück nach hause gehen. Also los!

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