Daheim & Unterwegs

Nach Gibraltar

Durch die von Errosion geprägte Extremadura geht es richtung der spanischen Südspitze. Der Plan ist, in Gibraltar zu nächtigen - allerdings muss ich lernen, dass jede Form von nächtigen in dem britisches Überseegebiet verboten ist.

Am späten Abend und frühen Morgen fuhren erstaunlich und unerfreulich viele Fahrzeuge an mir vorbei. Ein oder zwei Traktoren, aber vor allem PKW. Erkenntnis daraus: Das ist nicht nur ein Feldweg, sondern diese Schotterstrasse führt von irgendwo nach irgendwo. Da werde ich lang fahren.

Aber erstmal steht noch Arbeiten an. Es wird darüber 13 Uhr und draussen ist es staubig und heiss.

Sa-ngende-Landschaft

TabletPlatzt Das Tablet mit dem ich üblicherweise die Haustechnik bediene, klappt nicht mehr ganz so prächtig. Der "Home Button" scheint nach innen ins Gehäuse gerutscht zu sein. Bei näherem hinsehen stelle ich fest, dass das ganze Gerät sich aufgebläht hat - vermutlich der Akku. Nicht der Button ist nach hinten verschwunden, sondern die gesamte Gerätefront ist nach vorne gekrochen. Unschön.

Extremadura

Ich fahre also los auf staubigen Feldwegen. Bin etwas sprachlos ob der Erosionsprobleme, die die hier haben. Unter Zäunen sind metertiefe Kanäle durchgespühlt, die mit Paletten notdürftig verhauen sind. Auf den Äckern gibt es tiefe Rinnen, in den Pisten auch. Karte und Landschaft sind ehr unübersichtlich. Weder TomTom noch CoPilot HD taugen hier als Navi ersthaft etwas.

Gehoeft

Irgendwann kommt mir ein Trecker entgegen, der grad die Auswaschungen im Track mit einer Art angehängtem Strassenhobel in Ordnung zu bringen scheint. Wir kommen auf keinen Fall aneinander vorbei und wenden sit auch nicht ganz so trivial. Nach gefühlt 200 Zügen und freundlichem Einweisen fahre ich zurück, an dem Track lag eh nur eine einzelne Farm, ansonsten Sackgasse.

Gatter

Google Maps scheint die meisten Tracks zu kennen und ich lasse mich zur Autobahn lotsen. Schliesslicht ist es völlig unakzeptabel den Weg, den ich gekommen bin, zurück zu fahren. Das große Dorf, durch das ich gestern Abend zuletzt gekommen war[1] war irgendwie auch nicht wirklich einladend.

Herden

Gatter-im-Spiegel Staubige Pisten, Mittagssonne. Viehgatter, Bellende Hunde. Ein ummauerter Obsthof wo ich laut Navi durch soll - nee das passt nicht. Entgegenkommender Trecker. Sehr freundliches Grüßen. Irgendwann Asphalt dann auch bald Autobahn.

Ereignisarm geht es auf leeren Autobahnen gen Süden. Lustig sind die Schilder die vor Auffahrunfällen von Motorrädern - aber auch LKW und PKW - warnen. Alle immer durchaus humorvoll illustriert.

MotorradAuffahrn

Ich will mir erstmal Gibraltar anschauen. Als ich an der Bucht von Algeciras ankomme trifft mich der Schlag. Genau so stelle ich mir die Costa Brava in meinen Albträumen vor.

Der Grenzübergang ist schnell ausgemacht[2]. Der Felsen von Gibraltar ist ja wirklich kaum zu übersehen. Aber wie komme ich zum Grenzübergang? Es braucht drei Platzrunden, bis ich Richtung Schlagbaum unterwegs bin.

Bei der Gelegenheit komme ich an zwei Autotransportern randvoll mit Buschtaxis vorbei. Die werden ja Über Gibraltar aus Afrika in die EU eingeführt.

Erste anfrage bei einem Mann von der Guardia Civil. Ob ich mit dem Camping-Car da nach Gibraltar einreisen könnte. Nein in Gibraltar können man nicht campen. Hin und her, Missverständnisse. Ich fahr dann einfach mal.

UnitedKingdom

Beinahe brettere ich an der spanischen Ausreisekontrolle vorbei bis zur Britischen Einreisekontrolle. Ob mich die Guardia Civil schon kontrolliert hätte? Äh …. ja, klar. Viel Getippe für eine EU-Binnengrenze. Derweil kommen mir Heerscharen von Berufspendlern überwiegend zu Fuß entgegen.

Die freundliche Britische Beamtin weigert sich, zwischen mich und das Kontrollhäuschen zu treten. Ich würde sie sonst tot fahren. Obwohl ich versichere, dass ich das um jeden Preis vermeiden will, solle ich lieber ein paar Meter vorfahren. Kurzer Blick in den Pass. Nein, einen Stempel kann ich nicht kriegen. Schwupps bin ich im Vereinigten Königreich.

Landebahn

Eine Blechkaravane will in Gegenrichtung ausreisen. Rush-Hour. Die Hauptstrasse führt ja über die Landebahn des Flughafens - immerhin beschrankt, wie ien Bahnuubergang. Sowas mag ich ja.

Das Städtchen ist echt doll verwinkelt[3]. Ich komme an einem T5 Wohnmobil vorbei, ansonsten werden hier wohl ehr kleine Autos bevorzugt.

An einer Stelle sind zwei Parkplätze hintereinander frei - da würde ich von der Länge drauf passen. Aber von der Breite nicht - wenn ich da stehen würde, käme keiner mehr vorbei[4].

Ich gurke weiter durch Festungsanlagen, Tore, Mauern. Alles passt nur um Haaresbreite [5]. Aber man kann um den Felsen von Gibraltar drumherum fahren! Das klingt ja super. Da ich hier wohl eh keinen Stellplatz finde, einmal um den Felsen und dann irgendwo in Spanien an der Straße übernachten.
Die Europa-Road, die zur Südspitze führt, ist auch extrem eng. Wenn ein Bus entgegen kommt, geht erstmal gar nichts mehr. Auch an parkenden Autos komm ich beim dichten Gegenverkehr oft (gefühlt) minutenlang nicht vorbei[6].

Point-Europe An der Südspitze leuchtet mir eine Moschee in den letzten Sonnenstrahlen entgegen. Aus dem Innenraum erschallen Gebete. Davor ist eine kleine Brache mit Ruine, da stelle ich mich drauf. Später finde ich heraus, dass ich da auf dem Gelände von Nun's Well stehe - eine historische Zisterne - zeitweise von einer Brauerrei genutzt, die 1988 von der Armee ein komisches Eingangsgebäude spendiert bekommen hatte. Ab 2010 wurde da die Gegend immer wieder abwechselt beflanzt aber nicht bewässert oder in der Gegend wachsene udn vom aussterben bedrohte Gibraltar See-Lavendel mit Schotter überdeckt. Ich dachte zu dem Zeitpunkt das das Gebäude eine obskure und gescheiterte Disko oder so sein müsste.

Ich lass das Auto jedenfalls im Schatten des Minaretts stehen und mach mich auf zur Steilküste.

Moschee

Europa Point, die Südspitze Gibraltars, ist schon ein beeidruckender Ort. Das Meer hier am Zusammenfluß von Atlantik und Mittelmeer ist hier auf ruhige weise kraftvoll, aber auch bedrohlich. Im Süden sehe ich die Lichter von Marokko. Dazwischen jede Menge Schiffe.

Marokko

In meinem Rücken die Moschee, eine Kapelle und natürlich der Felsen von Gibraltar.

The-Rock

Derweil bin ich zur Überzeugung gekommen, das das sich aufblähende Tablett eine Feuerrisiko darstellt und das ich trotz Rauchmelders nicht mit dem Ding in einem Raum übernachten möchte. Aber wohin damit. Wo ist hier die nächste Slektronischrott-Annahmestelle? Ich beschliße das gute Stück erstmal auf das Mäuerchen neben meinem Parkplatz zu legen.

Keller Dann mache ich mich auf Nun's Well, die Vermeindliche Disko zu erkunden. Durch MAuern wird man erst in ien Gebäude geleitet. Dann geht es wieder nach draussen und dort iene Treppe hinab in eine mehrbogiges Gewölbe. Das war mal mit einem Bauzaun abgesperrt, aber inzwischen ist die Absperrung überwiegend durch Müll ersetzt worden. Unten steht eine handbreit das Wasser. Komischer Ort. Ich bin schnell das Erkunden leid.

Parken-vor-Moschee Aber als ich zurück bin, hat sich ein Problem von selber gelößt: Das feuergefährliche Tablet hat einen Liebhaber gefunden und ist verschwunden. Gut das ich vorher schon alle Daten darauf gelöscht hatte.

Beim Kochen bekommme ich besuch von der Polizei. Ich werde mit britischem Charme über die Unmöglichkeit in Gibraltar im Auto zu übernachten aufgeklärt. Das ich in einem wild umkämpften Umweltschutsdesaster parke wird mir allerdings verheimlicht.

Mit Rheinischem Charme, dem Hinweis dass ich früh morgends auf die Fähre wollte und ein durchqueren der Verwinkelten Gassen mit LAster bei der Dunkelheit doch ungünstig wäre eingen wir und sarauf, dass ich morgen früh bevor die Touristen kommen weg bin. Das macht mich ein bisschen traurig, denn St. Michael's Cave und vielleicht ein paar der vielen anderen Höhlen in Gibraltar harrten noch eines Besuches. Aber andererseits will ich ja auch mal irgendwann nach Marokko.

Nachts ist es ein bisschen warm, gelegentliche lärmende Mopeds und irgendwelche offensichtlich besoffenen Jugendliche, die mit Affenlauten einen tierischen radau veranstelten ...

Nachtplatz-Gibraltar


  1. Fuente de Cantos ↩︎

  2. Grenzübergang bei 36.155185, -5.348408 ↩︎

  3. Beispiel Ansicht bei Google Street View ↩︎

  4. Zu schmale Parkplätze bei Google Street View ↩︎

  5. Beispiel bei Google
    Street View ↩︎

  6. Straße bei Google Street View ↩︎