Daheim & Unterwegs

Aufs Schiff nach Schweden

Wenn es auf’s Schiff geht, bin ich ja immer total aufgeregt. Also nachdem die Überschwemmung eingedämmt war und ich noch ein Brot verspeist hatte, ab zum Einschiffen am Skandinavienkai. Mist, die Parklücke war in der Zwischenzeit bedeuteted enger geworden. Und ich gebe es zu: Mit der Frage, wo mein Laster hinten genau zu Ende ist, bin sich nicht sonderlich gut. Ausparken in 20 Zügen und dann Anstellen zum Einschiffen.

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Check-In noch zu, ein paar Autos stehen in gebührendem Abstand zu den blinkenden, roten „X/closed“ Schildern. Andere stellen sich dahinter vor der Schranke auf. Ich warte brav weiter weg. Ein Stück vor mir ein hübsches LKW WoMo in orange mit netten Zeichnungen auf der Seite aus Schweden.
Es schüttet aber so sehr, das ich nicht aussteigen mag. Später stehen wir kurz nebeneinander aber da schüttet es so, das man nicht mal ins benachbarte Fahrerhaus schauen kann.

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Beim Stop-And-Go zum Check-In geht es recht stark bergab. Ich versuche mal den Motor aus zu lassen. Rollen; bremsen geht gut. Aber Lenken? Hggggmpf. Selbst leichte Kurskorrekturen sind ein riesen Kraftakt. 11 Tonnen wollen gelenkt sein.

Ich bin ja wegen Reifen und Fahrwerk etwas höher. Aber die Fernverkehrsfahrerhäuser (XLX oder so bei MAN) sitzen höher auf dem Rahmen, damit der größere Motor nicht ins Fahrerhaus ragt, sondern der Boden glatt ist. Eigentlich haben die Fernfahrer alle das Fenster nur 10 cm niedriger als ich. Warum sind Die Fenster von Check-In- und Maut-Schaltern dann so ein Riesen-Thema?

Im strömenden Regen aber mit recht viel Gelächter und Geturnte kriege ich meine frische Buchung in das Fenster vom Check- In Häuschen gereicht – es ist so eng, das ich die Tür nicht weit genug aufmachen kann, um auszusteigen. Für eine neue Katsche in der Fahrertür hat der Platz aber dann doch noch gereicht.

„Sie können noch nicht aufs Schiff, da ist noch eine grosse Pfütze vor der Rampe.“ Blick auf den Reifen vor ihrem Fenster. „Sie können aufs Schiff, aber die vor ihnen nicht, hilft also nix. Gasse 14 oder 15. Gute Reise!“

Da kommt dann tatsächlich nochmal eine Schranke. Hat sogar nicht nur auf PKW-Höhe ein Bedienteil. „Karte hier einfüren“ steht da. Ich dachte die Karte wäre der Zimmerschlüssel? Naja. Wo eigentlich einführen? Gefummel. Da kann man sie reistecken – nee das ist nur eine Fuge.

Hatte ich erwähnt das ich beim Einschiffen immer suuuuper aufgeregt bin? Suchen. Fummeln. Hmm. Laser Strich und grüner Punkt. Sieht doch wie ein Barcode Reader aus. Oh! Auf dem Boardingpass ist auch ein Barcode. Also anstatt die Karte wie angewiesen irgendwo einzuführen halte ich alter Hacker den Barcode unter den Reader. Ha! Zwar ist jetzt nach mienen hektischen Versuchen alles mögliche an Zetteln und Karten im Fahrerhaus verstreut, aber die Schranke hebt sich. Gasse wie viel war das? Ich kenn ja inzwischen meine Gedächnisleistungen und hab das notiert. Aber auf welchem Zettel? Ich will auch schnell unter der Schranke weg, nach dem eine franz\u00f6sische Schranke im Herbst versucht hatte, das F\u00fchrerhaus vom Aufbau abzuguillotinieren. Gasse 18 … 17 \… 16 steht ein Laternenmast … 12 … 11 … Moment … Jetzt mal ein bisschen weniger wohlig aufgeregt sein. Ich stell mich einfach hinter das größte Fahrzeug egal welche Schlange, die werden mich schon nicht stehen lassen. War dann doch nicht so schlau wie sich später zeigte …

Warten. Alles gepackt? Ja. In der Fähre ist ja oft nicht mehr so einfach in den Aufbau zu kommen. Aufbau seefest? Ja. Irgendwann werden wir von einem Lotsenfahrzeug zum Schiff gebracht. Ich hinter einem Mietlaster aus Ueltzen mit 3 Jungs drin. Die versprochene Pfütze treibt den PKW Besatzungen den Schweiß ins Gesicht. Ich bin versucht mit Schwung durch zu fahren, aber man will sich ja benehmen.

Im Schiff eine Rampe. Warten. Der Siebeneinhalbtonner vor mir kommt mit seinem Getriebe nicht zurecht und rollt zurück und rollt und rollt und … ohohoh. Zur Seite kann ich nicht flüchten. Nach hinten? Wo ist der nächste PKW? Am Ende denke ich an den Spruch meines Fahrlehrers: „Wer steht, baut keinen Unfall.“ Der Siebeneinhalbtonner findet im letzten Moment den richtigen Gang. Uffffz. In Zukunft vermeide ich hinter Miet-LKWs in schwierigen Fahrsituationen zu stehen.

Ich will brav Platz sparen und fahre ganz an die Wand und ganz nah vorne auf. Das ist auf diesem Schiff aber wohl nicht so Usus. Hat den Erfolg, das die PKW neben mir Bequem die T\u00fcren an beiden Seiten bis zum Anschlag auf machen k\u00f6nnen w\u00e4hrend ich auf der Beifahrerseite rausklettern muss.

Die Fahrzeugdecktypische Verwirrung, wo es den zum Passagierbereich geht. Warum ist das nie idiotensicher ausgeschildert? Zimmer suchen und ab ins Bett – es ist nach zwei Uhr Nachts.

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