Daheim & Unterwegs

Buch: „No worries, too easy“. Australien von S+B Koch

„No worries, too easy!“ ist das zweite Buch von Sabine und Burkhard Koch. Die beiden haben es geschafft durch konsequente Umsetzung eines Lebens auf Reisen mit ihrer Pistenkuh zu einer Marke in der Weltreisenden-Szene zu werden. Wobei inzwischen scheinbar die nach 10 Jahren die „Pistenkuh“ nicht mehr ein einzelnes Fahrzeug – den lila Deutz-Hauber – bezeichnet, sondern das individuelle Reisekonzept der beiden. Vielleicht sind sie nach auch einfach nur das LKW-Reisen ein bisschen leid.

Auf jeden Fall sind die beiden für zwei Jahre nach Australien, haben sich ein Buschtaxi gekauft, es lila angestrichen und sind kreuz und quer durchs Land. Und ja, die haben im Dreck festgesteckt und waren fernab der Zivilisation und haben aus Baumstämmen eine Winde gebaut. Aber das kann eigentlich kein interessantes Overland-Buch ausmachen. In der Summe könnte man ansonsten ja auch mal einen Nachmittag in die Kiesgrube fahren und einem Truck-Trial zuschauen.

Das Buch ist kein Reiseführer und will auch keiner sein. Es ist auch nicht so recht ein Reisebericht. Jedenfalls konnte ich am Ende nicht so recht nachvollziehen, wo die Beiden jetzt genau lang gefahren sind.

Aber vielleicht ist es – ungewollt – ein Reiseratgeber. Das Buch bringt sehr gut auf jeder Seite den Ansatz zu reisen, den Sabine und Burkhard haben, rüber. Sich auf den Ort einlassen. Verweilen. Unsinn ausprobieren. Tage mit dem halb-irren Schrotthändler abhängen. Und so gesehen kann man es durchaus als Lehrbuch sehen. Man hat nachher ein ganz gutes Gefühl, wie man mit diesem Ansatz nett durch Australien kommt.

Es erinnert mich ein wenig an Bill Bryson’s „[Down Under : Travels in a Sunburned Country]“. Bei aller Sympathie: Bill Bryson ist ein deutlich talentierterer Autor. Aber Sabine und Burkhard schauen in mehr Ecken, die mich interessieren.


Da ist das Mitfahren auf einem 130 Tonnen – Road-Train, das nur unter großen Mühen zu organisieren war. Das Goldschürfer-Camp. Die „Homebase“ einer Motorrad Gang. Roadhouses. Die Abendteuer ein Auto in Australien anzumelden (“das kannst Du nicht machen, wir sind hier nicht in Afrika, Burkhard”. Der Versuch, Krokodile für ein Foto mit einer Elektrozahnbürste anlocken.

Oft sind die Begebenheiten brüllend komisch beschrieben. Wie zB das Rätselraten, ob man über die Straße fahren darf, die “from the Tuesday after Queens Birthday long Weekend” bis zum “Thursday after Melbourne Cup” gesperrt ist.

So gesehen hält das Buch, was es verspricht: Unterhaltsam, gut zu lesen. Da Tragen sicher auch die kurzen Kapitel bei. Satz- und Druck haben auch nicht mehr den LoFi „Microsoft-Word und Print on demand“ Charme, der den Kleinauflagen aus der Overland-Szene oft inne wohnt. Auch vom Typographie und Satz ein gut zu lesendes Buch.

Spannend sind die immer wieder vorkommenden Begegnungen mit den Aborigines und der Kultur des Umgangs mit ihnen.

Mir dämmert es ja nun auch schon seit einiger Zeit, dass indigenen Völker nicht per se „ursprünglich gut“ sind und nur das Feuerwasser des Weißen Mannes sie korrumpiert hat. Manche Indigenen Kulturen sind schon ziemliche Arschlöcher voll Gewalt, Missbrauch und gegenseitig zugefügtem Leid. Seit Jahrtausenden. Die haben zum Teil etwa so viel Respekt verdient, wie das pjöngjanger Kultusministerium oder das stalinistische Wiedereingleiderungsprogramm für Systemkritiker. Ohne jetzt die Debatte um ethische Relativismus aufmachen zu wollen – indigene Völker sind gelegentlich Überhaupt keine sympathischen Grüppchen.

Das Buch kämpft ganz schön mit diesem Thema im Bezug auf die Aborigines. Es behauptet, es wolle nicht werten. Aber wartungsfrei darzustellen ist gar nicht so einfach. Die beiden haben bei vielen Gelegenheiten versucht, Kontakt herzustellen. Scheinbar ist aber überwiegend nur mit den weissen Angestellten der indigenen Sehenswürdigkeiten, Land Managern und Alkoholverkäufern ein Gespräch zustande gekommen.


Sabine & Burkhard haben ein zweites Buch zum Thema Aborigines geschrieben. Das ist ganz klar bei mir auf der Leseliste. Das Thema ist ein dickeres Brett, als die in Overland-Kreisen üblichen Themen wie man mit korrupten Beamten umgeht & wo die schönsten Stellplätze sind.

Doch zurück zu “No worries, too easy.” Ein Buch, das großen Spass gemacht hat zu lesen. Die gelegentlichen Gelben Info-Boxen machen für mich vielleicht Sinn, wenn ich mal selber in Australien bin; aber bis dahin ist die Hälfte sicher veraltet.

No WORRIES – TOO EASY, Sabine und Burkhard Koch, 360 Seiten, ISBN 978-3944921044.  Am besten bei der Pistenkuh direkt zu beziehen.