Daheim & Unterwegs

Auf Bergpfaden Zurück zur Höhle

Morgens aufwachen bei niedrigen Wolken. Immerhin gelegentlich kein Regen. Der Luftdruck auf 1600m macht spannende Sachen mit meinen Not-Rationen.

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Der Weg geht ja irgendwie weiter, also fahre ich mal weiter. Was ich am Abend beim Kartenstudium schon gelernt hatte war: Der schöne Weg, den ich auf der Karte entlang des Kamms gesehen hatte war kein Weg, sondern die Grenze …

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Also den Weg weiter bergauf. Karst.

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Noch zwei Höhlen gefunden: eine zum praktisch reinfahren. Eine hatte direkt eine Katasternummer auf einem Blechschild am Einstieg, also vermutlich was größeres und danach wurde ich es leid in Einganglöcher zu schauen. Der Weg war definitiv für kleinere Spurbreiten gemacht, aber zum Glück gab es praktisch keine Bäume nur Buschwerk. Anfangs bisschen schlechtes Gewissen, aber die Hoffnung keine Spuren zu hinterlassen war gerechtfertigt, wie sich auf dem Rückweg zeigte. Karstgebiete sind halt alles in allem knochentrocken.

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Mehr Pferde, dann diverse Gatter und Hütten und dann war die Strasse auch zusende. Schöner Abstecher!

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Generell wurde mal wieder klar: die 1:100k Karte lässt viel bessere Vorhersagen über die Fahrbarkeit zu, als die 1:25k Karte.

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Also zurück Richtung Aspalt!

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Jetzt runter ins Tal nach Isaba, schauen, ob auf de spanischen Seite der Pyrenäen das Wetter besser ist.

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Auf dem Weg nach Isbala wird das Wetter nicht besser, aber ich begegene wenigstens mal wieder dem einen oder anderen Auto. Eigentlich wollte ich Ort und Käserei anschauen. Aber Haarnadelkurvenkreuzung vorm Ortseingang und kaum habe ich die erfolgreich in etwa 20 Zügen gemeistert – stört nicht, kommt ja keiner – bin ich schon wieder aus dem Ort raus. Ups!

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Aber da ist etwas auf Google Maps was mich fasziniert: eine Rot gestrichelte Strasse. Gesperrt? Co Pilot Truck HD hat ein Durchfahrt verboten Schild da drauf. Jup. DAS wird mein nächster Pyrenäenpass.

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Praktisch nicht befahren, sicher bei gutem Wetter schön aber Schweinewetter grad. Ich fahre bis unter die Wolkendecke und dann geht’s in den Scheiteltunnel. Nix von Sperrung.

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Die Dachscheinwerfer hatten in letzter Zeit etwas viel Ast-Kontakt und leuchten kreuz und quer. Da ist eine Lösung nötig,

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Hinter dem Pass geht es rechts ab am Kamm entlang. Was sagen die Karten? Das viel gerühmte maps.me stellt die OpenStreetmap (OSM) Daten meiner Meinung nach saudoof dar: In OSM gibt es „Track“ – das ist ein einpuriger Feldweg für zweispurige Fahrzeuge. Von „Grade 1“ (Mit Tesla befahrbar) bis „Grade 5“ (Hinterachssperre empfohlen). Und dann gibt es „Footway“ das ist höchstens mit dem Motorrad befahrbar. Bei Maps.ME sieht das aber alles gleich aus: gestrichelte Linie.

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Die Topografische Karte ist bei 1:25.000 im Gebirge auch nicht so der letzte Schluss. Es sieht jedenfalls so aus, als gäbe es von dieser Abzweigung mehrere Chancen wieder nah am Kamm lang nach Osten zu kommen.

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Versuch macht klug!

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Immer links der Abgrund, Rechts der Berg. Welcher der vielen Wege auf der Karte der richtige ist, ist vor Ort leicht heraus zu finden: Es gibt immer nur einen, über den ich mit gutem Gewissen mit dem LKW fahren kann. Unterhalb immer wieder Ställe und Gatter um Vieh zusammen zu treiben – mit haarsträubenden Pisten dahin. Einmal führt der Weg mitten durch ein Gatter. Einmal stehen zwei Autos an einem Stall. Nieselregen. Wolken. Zum Glück kaum glitschig.

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Elektrozäune, das das Vieh nicht an die zu steilen Abbrüche geht.

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Diverse Karten meinen hinter einer Serpentine ist Ende. In der Serpentiene erstmal ein Pferdekadaver. Und ein kleines Grüpppchen Pferde direkt daneben samt Fohlen beim Weiden. Der Weg geht weiter über einen Sattel zu einem Stall.

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Hier soll es sogar eine gefasste Quelle geben. Sieht dann nicht so romantisch aus, wie erwartet.

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Irgendwo soll hier der Weg weiter gehen. Oder wenn man genau hinschaut … ein anderer Weg anfangen?

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Ja. Etwa 200m Luftlinie und 100 Höhenmeter. Nee, das kann man nicht fahren. Schade. Mittagsschlaf!

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Zurück geht schneller und Zeit für Fotostops.

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Viel Geologie.

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Und eine Doline. Garantiert mit Höhlensysteme. Ich denke mir: Karstlandschaften fehlen ein bisschen in NRW (bis auf das Felsenmeer).

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Ponys bimmeln im Nebel.

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Ich diesel im Nebel vor mich hin.

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Unglaublich einsam fühlt sich das an.

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Und unglaublicher Verbrauch.

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Auf Asphalt runter ins Tal.

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Alle sind hier gegen Bären und Wölfe.

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Mich juckt es in den Fingern von der anderen Seite an die Stelle zu fahren, wo ich umgedreht bin. Aber ich bin ja verabredet.

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Zurück in Sainte-Engrâce bleibt mir noch Zeit die Kirche zu besichtigen. Schöne Baskische Grabsteine.

Auf dem Rückweg ist ein Junghuhn, das durchs Friedhofstor geschlüpft ist und nicht zurück kommt. Ich versuche zu helfen. Die Großkücken sind sehr lustig und führen sich auf, wie ein Haufen … dumme Hühner. Ich glaube alle beteiligten hatten
Spass aneinander.

Gegenüber der Kirche ist ein Restaurant, in dem man sehr gut essen können soll. Aber nur nach Anmeldung und nur um 20:00h. :-/

Auf zum „Basislager“ für Höhlenführungen. Ich decke mich mit den Forschungsberichten und Plänen zu den lokalen Höhlen ein, bekomme eine Ausrüstung geliehen. In meiner Grösse hat hier noch nie jemand geliehen. Gummistiefel gibt es für mich nicht – da muss ich wohl vermeiden in Bäche zu treten. Es gibt einen Schlaz (SCHLufAnZug. Schufen ist was der Leihe „krabbeln & kriechen“ nennt – siehe auch Schluf) in meiner Größe, der wurde noch nie benutzt, Helm mit irgendeiner Funzel dran. (Wer sehen will, wie man Licht am Helm auf die Spitze treibt, kann sich mal Scurion anschauen).

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Gute Höhlentour. Ganz anders ohne das „Kunstlicht“ der Schauhöhle. Wir sind stromaufwärts geklettert über das Staubecken des Wasserkraftwerks.

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Wasserkraftwerk? Ja. in den 0er Jahren wurde das Projekt wieder aufgenommen. Der Fluß war zu klein, um in der Höhle ein Kraftwerk zu bauen; fand man in den 50ern, als der „EDF Tunnel“ gebohrt war. Inzwischen denkt man anders. Aus der Kammer wurde ein 500 m langer 60 cm Tunnel bergab gebohrt. An dessen Ende ist ein Wasserkraftwerk. Da wo der Höhlenfluss in La Verna fließt wurde ein Staubecken errichtet, von da geht eine Rohrleitung zur Höhlenwand, wo sie in dem Tunel verschwindet. So erzeugt man 14 GWh Strom im Jahr. Die Gemeinden, die an dem Projekt beteiligt sind, haben aus den Einnahmen den Bau der Schauhöhle (Treppen, Licht, etc.) und des Besucherzentrums finanziert. Klingt gut.

Unglaublich sieht es aus, das stille blaue Staubecken im Schein der Helmlampe. In der Salle de Chevallier wird mir klar, wie riesig hier alles ist. Das ganze ist ein Tal unter Tage.

Marco weis, wie man mit meiner Höhenangst umgeht. „Oh, hier hängt ja ein Seil. Ohne käme man da auch nicht runter. Wie alt das wohl ist? Könnte halten. Schau dass du immer das Gewicht auf den Füssen hast und nicht am Seil. … Immer beide Hände am Seil! Vorsicht, das ist echt tief.“ usw. Höhlenforscherhumor oder sowas.
Zum Abschluss sausen wir an einem Gespannten Seil (Tyrolean) über einen Abgrund. Dumm, wenn man nicht genug Fahrt aufnimmt und in der Mitte hängenbleibt. Dann geht es sich doof Berghauf zu hangeln (nein, das ist mir diesmal nicht passiert).

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Wir (naja, eigentlich nur ich) kommen gut durchgeschwitzt zum Besucherzentrum. Erstmal Ausrüstung entlehmen. Es gibt natürlich den perfekten Waschplatz mit Wäschleine unter Dach aber im Wind. Hier waren bei der Planung Profis am Werk!

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Geht wir nun zu dir oder mir? Es gibt Nudeln mit Pesto, Parmesan, Hering und Kölsch bei mir. Wir studieren noch Karten und Pläne für die weitere Pyrenäenquerung bis in die Morgenstunden.

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