Daheim & Unterwegs

Westsibirien 2016 – die Route

Im Sommer 2016 waren wir das westsibirische Tiefland -also die Gegend östlich des Ural – erkunden.

Die Anreise

Es ging für mich von zuhause aus nach Lübeck-Travemünde (Tag 1) und von dort mit der Fähre in 30 h nach Helsinki (Tag 2) und dann bis zur russischen Grenze am Grenzübergan Niirala, ca. 250 km nördlich von St. Petersburg (Tag 3). Ich hab den kleinen, nördlichen Grenzübergang genommen, anstatt den bei St.Petersburg/Leningrad weil ich lange LKW-Schlangen und den Verkehr um Leningrad umgehen und mir Karelien anschauen wollte.

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Dann ging es über die Russische Grenze nach Karelien, am Ladoga- und Onegasee vorbei bis in den Wologda Oblast (Tag 4). Dabei fand ich schon erstaunlich „offroadige“ Strassen – obwohl ich die wirklich nicht dediziert gesucht habe.

Am nächsten Tag wurden Kilometer gefressen und weiter ins Kostroma Oblast gefahren (Tag 5). Ausserdem durfte ich lernen, dass die Karte nicht umbedingt etwas damit zu tun hat, was sich da vor dem Fahrzeugfenster abspielt.

Am letzten Anreisetag erst Kirov Olast und dann konnte ich endlich meinen Reisepartner in Slobodskoi (Слободско́й) östlich von Kirow (Ки́ров) treffen (Tag 6). Ein schöner Nachmittag am Strand.

Insgesamt bin ich von Helsinki 1450 km nach Osten gefahren. Insgesamt waren das 2.200 Fahrkilometer. knapp 1800 km durch Russland – etwa 50 mehr, als ich mit dem Navi geplant hatte. Siehe Track bei wikiloc.

Die Westsibirientour

Unser Plan war von Kirow über den Ural nach Asien, dann ein bisschen in West-Westsibirien nach Norden rumfahren und dann auf der Höhe von Vuktyl auf einem wenig genutzten Pass zurück nach Europa. Das hat nicht so geklappt.

Uralquerung West-Ost

Dabei wollten wir den Ural nicht bei Jekaterinburg (Yekaterinburg, Екатеринбу́рг, Ekaterinburg, Swerdlowsk, Свердло́вск, Katharinenburg) queren sondern auf dem weniger genutzten Pass ca. 60 km nördlich von Nizhny Tagil (Nischni Tagil / Ни́жний Таги́л) auf ca. 58.5° N queren. Noch lieber wäre uns gewesen, noch weiter nördlich auf einem kleinen Track zu queren, aber wir hatten im Vorfeld nichts vielversprechendes gefunden.

Auf der Suche nach einem geschotterten Pass über den Ural wollten wir Perm rechts liegen lassen und zur der für ihre Tagebrüche berüchtigten Stadt Beresniki (Березники́) fahren. Dazu müssten wir die Kama nördlich des Kamastausees queren. Die Kama hat übrigens dem Kamaz LKWs ihren Namen gegeben. Bei Beresniki soll es eine Fähre über die Kama geben. Von Beresniki 200 km nach Norden hätte es auch den Taiga-Crater gegeben, denn wir irgendwie und vielleicht besuchen wollten.

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Anstatt langweilig die Regionalstrasse Richtung Perm zu nehmen sind wir bei Afanasyevo (Афана́сьево) nach Norden abgebogen und nach 25 km in Biserovo (Бисерово) wird nach Osten Richtung Kudymkar (Кудымкар) abgebogen. Nach 22 km übernachten wir in dem fast verlassenen Dorf Petryata (Петрята, Tag 7). Am nächsten Tag schaffen wir nur 11 km gen Osten (Tag 8). Am übernächsten Tag (Tag 9) drehen wir wegen schlechter Strecke um und fahren dann über Afanasyevo nach Osten 210 km ins Perm Oblast bis Karagay (Карагай).

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Von da geht es am folgenden Tag 223 km an Perm (Пермь) vorbei bis zum GULAG Museum Perm-36 in Kuchino (Kychino, Kyчино) etwa westlich von Tschussowoi (Chusovoy, Чусовой, Tag 10). Am nächsten Tag fahren wir nach Museumsbesuch 260 km gen Osten und übernachten an einem Flussufer. Etwa bei Tyoplaya Gora (Тёплая Гора́) stellt ein Pass im Ural die Grenze zwischen Europa und Asien da (Tag 11).

Man PuPu Ner

QV7Snapz011Darauf geht es durch Serov (Серов) 240 km nach Norden bis Ivdel (Iwdel, Ивдель, Tag 12). Von Ivdel wollen wir zu Man PuPu Ner (Man-Pupu-Nyer; Мань-Пупу-нёр, Маньпупунёр) und möglicherweise am Djatlow-Pass (Dyatlov, Дятлова) vorbei.

Von Ivdel geht es über Polunochnoye (km 22), Severnyy (km 36) und Vizhaj (km 80, Vizhay, Вижай, Wischai) nach Ushma (km 125, Tag 13).

Am nächsten Tag sind wir noch 30 km weiter nach Norden bis N 61.75802° E 59.83901° gekommen, zum „Mining Camp“ , gut 1 km weiter westlich haben wir umgedreht und wieder in Ushana übernachtet (Tag 14).

Vom Umkehrpunkt wären es noch 20 km Luftlinie gen Osten zum Pass gewesen. Und vom Pass hätten nochmal 55 km Luftlinie gen Norden nach Man PuPu Ner vor uns gelegen.

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Wir sind dann mit einem Abstecher ins schöne Burmantowo (Burmantova, Burmantovo, Burmatova, Бурмантово) wieder zurück bis Ivdel (Tag 14).

Insgesamt war das eine 355 km Exkursion. Wenn man bis Man Pu Pu Ner will, sollte man wohl etwa 10 Tage Rechnen und mindestens Ausrüstung für zwei Tage Fussweg dabei haben. Vielleicht geht es auch mit Quad oder Enduro. Track bei Wikiloc.

Uralquerung Ost-West

Zurück wollten wir den Ural auf der Höhe von Khulimsunt,Vuktyl und Ukhta bei ca 63.3°N queren. Das es da einen gut zu fahrenden Pass gibt, ist recht eindeutig, nur wie kommt man da hin?

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Die Route, die wir im Auge hatten, war Jugorsk (Yugorsk, Югорск), Agirish (Агириш), Khumilsunt. Falls das nicht klappt weiter östlich von Jugorsk Richtung Nyagan/Ob im Norden und von da gen Westen nach Khulimsunt (Хулимсунт).

Die knapp 200 km bis Yugorsk gingen sehr bequem, von Jugorsk ging es 70 km nach Norden auf Betonplatten. An der dortigen Kreuzung 25 km nach Westen nach Agirish.

Ab Agirish wurde es dann sehr rustikal. Nach 30 km haben wir auf offener Strecke übernachtet (Tag 15).

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Am nächsten Tag haben wir nach 2.5 km Richtung Khumilsunt umgedreht, sind durch Agirish zurück zur Hauptstrasse und da nach Norden abgebogen. Wir haben 40 km weiter nördlich übernachtet (Tag 16).

40 km weiter Nördlich hat Gazprom uns nicht durch seine Pipelinebaustelle gelassen. Wir sind dann 20 km zurück und nach Osten auf die offizielle aber viel schlechtere Strasse. Nach 8.5 km steckten wir dort fest und mussten umdrehen.

120 km zurück nach Jugorsk da übernachtet (Tag 17).

Die Uralquerung bei Khulimsunt scheint ganzjährig möglich, Khulimsunt im Sommer zu erreichen jedoch nur aus westlicher Richtung. Aus Osten gibt es nur Zimnicks, also Winterstrassen. Track unserer Bemühungen gibt es bei wikiloc.

Unten dick die geplante und dünn die gefahrene Route.

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Die Rückreise

Zunächst am Nachmittag von Jugorsk nach Sewerouralsk (Североура́льск, Tag 18). Am nächsten Tag an Jekatharinenburg vorbei bis zur Oblastgrenze nach Baschkortostan (Tag 19). Dann den ganzen Tag die M5 gen Westen über Ufa und Samara Übernachtung bei Syzran (Tag 20). Am nächsten Tag weiter gen Westen über Lipetsk hinaus (Tag 21). Dann bis in die Ukraine (Tag 22). Darauf durch Kiew über Lviv bis hinter die polnische Grenze (Tag 23). Dann weiter durch Polen nach Radeberg bei Dresden (Tag 24). Und zurück nach Köln (Tag 25).

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Die gesamten 5400 km Rückreise gibt es bei Wikiloc als Track.