Daheim & Unterwegs

Nach Man-PuPu-Ner

Nach der Nacht in Ushma erstmal eine Outdoor Waschmaschine angesetzt.

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Dann los weiter nach Norden. Knackige Piste.

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War gar nicht mal so einsam, gelegentlich kam Gegenverkehr.

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Und ich hatte mal ne Schraube locker. Aber auf nen grober Keil muss nen grober Klotz …

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Nach 25 km kam eine Furt über die Auspiya (Ауспия), die harmlos war. 500 m ist eine gut fahrbare Abzweigung nach Westen, die wir ignorieren.

Nach weiteren 3 km (N 61.72738° E 59.82131°) kommt eine riesiger Schlammsee auf der Piste. Es gibt eine auch mit flüssigem Schlamm geflutete Umgehungs-Passage westlich durch den Wald – der hier ausnahmsweise mal grossen Baumbestand hatte). Mit unseren grossen Fahrzeugen und langem Radstand passen wir aber nur so eben zwischen den Bäumen durch. Wo die Astabweiser versagen, muss der Stahlkäfig des Wohnkoffers als Baumabweiser dienen.

In anderen Bereichen war der Junge Baumbestand mit 3-5 cm Stammdurchmesser sehr in den Weg gewachsen und letztendlich schleifte permanent etwas am Dach lang.

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Der Knüppeldamm war zum Teil eingebrochen, beschädigt, entfernt, kaputt. Doof war wenn noch Querstämme unter Wasser lagen. Besonders doof war es, wenn die schweren LKWs die Querstämme bei den Rädern zermalmt hatten, aber in der Mitte die Stämme noch vorhanden waren. D.h. die Räder standen 40 cm tiefer, als der doch recht robuste Unterbau in der Mitte. Da es dann auch immer noch man recht energisch auf und ab ging, wenn man über einen im Wasser liegenden Baumstamm fuhr, machte ich mir schon sehr viele Gedanken um die unteren Weichteile meines Campers. Die Reisenden mit Portalachsen hatten da weniger Schweiß auf der Stirn.

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Generell gab es einige sehr wässrige Teile. Mal war es wohl eine Flussquerung und mal war wohl einfach der Waldweg unter Wasser.

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Das Mining Camp

Irgendwann kamen wir dann zu dem Ort, den wir „mining camp“ nannten. Wow, das war eine Überraschung!

Allerlei schweres Gerät erwartete uns 32 km und gut 5 h Fahrt ohne bedeutende Pausen nördlich von Ushma.

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„Mining Camp“ haben wir uns ausgedacht. Auf Karten hat dieser Ort an der Lozva (N 61.75802° E 59.83901°) keinen Namen.

Wie uns die beiden freundlichen, nachdenklichen und offensichtlich gebildeten Anwesenden erklärten, wären sie dabei, grad eine Goldmine aufzubauen.

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Sie würden mit 10 Jahren Projektzeit rechnen, bis das erste Gold gefördert würde. Momentan seien all Maschinen kaputt. Große Teile würden im Winter auf gigantischen Schlitten über den Fluss herangeschafft. Scheinbar waren die damit beschäftigt, einen Eimerkettenbagger zusammenzubauen.

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Nach Norden ginge es nicht viel weiter, die Strecke sei sehr schlecht. Nach Westen sei durchaus ein Durchkommen. ca. 25 km zum Djatlow/Dyatlov-Pass, dann ca. 80 km nach Norden zu Man PuPu Ner. Wenn wir bis hier her gekommen wären, kämen wir auch weiter. Klingt gut.

Schokoriegel und weiter!

Gut 15 Minuten und 1 km weiter westlich stoppten wir und kehrten um. Was war passiert? Bissher hatten wir praktisch nur Lehm, Sand und Baumstämme als Untergrund, jetzt wurde es plötzlich ein steiniger Waldweg. Durchaus so, wie wir es von zuhause kannten. Das war nicht mehr mit einem Bulldozer plan geschoben. Das Fahren war extrem unangenehm. Und langsam: etwa 7 km/h im Schnitt.

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Es war 30 Grad. Ich war von den ausgefallenen Differentialsperren (Tag 8) und den inzwischen vorgeschädigten Reifen (Tag 9) auf den letzten paar Kilometern doch ziemlich unentspannt. Die CB-Antenne & Astabweiser hatten deutlich gelitten, mehrfach hatten sich die Spiegel in Bümen verhakt und ein Dachscheinwerfer war zum Himmelsstrahler geworden. Das, was wir jetzt zuletzt über die Steine gefahren waren, war noch Materialmordender, als der Wald vorher und machte keinen Spass.

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Wenn die Strecke so blieb würden wir es nicht vor Einbruch der Dunkelheit bis zum Djatlow-Pass schaffen. Und zumindest ich ging davon aus, dass die Strecke noch schlechter würde. Bis hier hin hatten wir von Ushma (Ушма) für knapp 34 km insgesamt 4:14 h reine Fahrzeit gebraucht – ein Schnitt von knapp über 8 km/h. Und es wurde nicht besser!

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Dann wären es zu Man PuPu Ner unter Idealbedingungen noch mal zwei Tage. Zwei Tage zurück bis zum Djatlov-Pass und von da zwei Tage zurück bis Ivdel. Also 10 Tage für Man PuPu Ner Abenteuer. Hmm. Schon Geil dahin zu kommen. Aber irgendwie waren wir uns sicher, das wir doch viele Kilometer (zwischen 20 und 100) auf Schusters Rappen zurück legen müssten. Dafür waren wir nciht wirklich ausgerüstet. Und überhaupt. Ich hatte die Lust verloren, das war kein Spass. Bei einer gemütlichen Kekspause zog ich Günther langsam auf die Seite der Abknicker. Enger, steiniger und steiler sollte die Strecke werden. War doch aufregend genug. Etcetcetc.

Nächstes Mal mit einer Enduro!

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img_9497Eine gute Stunde später suchten wir eine Stelle zum wenden und begannen den Rückzug. Bei guenther mehr dazu.

Die Natur hatte auf den Letzten paar hundert Metern ihren Charakter total geändert. Flechten, Kiefern. Mehr wir der Wald, wie ich ihn zuhause kenne aber mit ganz viel „verwunschen“ drumherum.

Zurück geht es wie immer deutlich schneller. Am „Mining Camp“ kommt uns grad die Alkoholikertruppe auf Quads entgegen, die wir am Vortag an der Furt nach Ushma getroffen hatten.

Unsere Stimmung war nicht so der Hit und auf die Jungs hatten wir keine Lust, also winken und weiter.

Kurz darauf trafen wir die Familie (Mutter, Vater, Teenager) auf Fahrrädern, die wir auf dem Hinweg schon an der Ushma Furt gesehen hatten. Beeindruckend!

Eine andere Reisegruppe, die wir noch nicht getroffen hatten, kommt uns auch noch entgegen.

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Der Preis für die sonderbarste Stelle geht an 200 k breit ausgebaute Piste, wo sogar eine Mülltonne bereit steht – wie häufig die wohl geleert wird?

Die Rückfahrt fühlte sich viel schneller an, war aber gar nicht mal schneller: Wir haben nur weniger angehalten. Statt 8.1 km/h Schnitt auf dem Hinweg fuhr ich 9.2 km/h auf dem Rückweg und traf mit dem Abendgrauen bei Ushma ein. Gedrückte Stimmung, Bett. Am nächsten Tag sollte es zurück nach Ivdel gehen – aber das war nicht alles!

Den Track der Tour gibts es bei wikiloc.