Daheim & Unterwegs

Konvoi Fahren

GSL und ich haben ja schon den einen oder anderen Wochenendausflug gemeinsam gemacht. Aber noch nie mit zwei Lastern und so total harmonieren wir dann auch nicht. Ich bin mehr der Fahrer mit Hut (“warum soll ich jetzt überholen, ist doch gemütlich mit 75 km/h”) und er mehr der Fahrer mit Mütze (“bei 110 km/h schlägt der Begrenzer ja brutal beim beschleunigen zu!”).

Ich vergesse gerne mal nach einem Tempolimit sofort wieder zu beschleunigen und G. vergisst vielleicht auch mal vor ner Kurve zu bremsen.

Sich da einzugrooven und nicht auf die Nerven zu gehen ist nicht so einfach. CB-Funk klappt auch nur über kurze Distanzen, weil wir die Aussenantenne nicht nutzen können, weil der Unimog keinen 12 V Anschluss im Führerhaus hat und ohne 12 V die Aussenantenne nicht geht. Wenn ich vorausfahre, gehts besser, weil meine Festantenne über den Koffer funkt. Ausserdem sind die Batterien bei G immer leer (siehe 12 V Problematik).
(((Der Unimog hat sogar einen 12 V Anschluss, aber mit einem seltsamen 3-Pin Stecker, mit dem wir nix anfangen können.)))

Die Unimog Hupe hör ich gar nicht und GSL hört mein “Überlandhorn” auch meist nicht. Lichthupe ist Nichthupe und fällt auch nicht so recht im Rückspiegel auf. SMS geht auch nicht so ganz zuverlässig, das Satelittentelefon zickt wie immer und nur weil man viel Geld für einen Internetzugang ausgegeben hat und das Handy “EDGE” anzeigt, heist das nicht, das man auch Datenpakete in die Welt senden kann.

Inzwischen haben wir uns geeinigt: Wenn der Hintermann dauerhaft mit Aufblendlicht fährt, will er halten. Mit meiner Lichtorgel geht das gut, beim Unimog kann man Aufblend- und Abblendlicht kaum unterscheiden. Fahr ich eben hinten und GSL gibt sich mühe nicht so zu rasen.Unsere Navigationsansätze sind doch recht unterschiedlich. “Warum bist du da denn durch die Innenstadt gefahren? Bist Du nachtblind? Ist ja nicht schlimm …” – “Warum bist Du grad von der Umgehungsstrasse ab mitten durch die Stadt? Wir wollen doch vor Mitternacht …?” – “Das war jetzt genau an der Stadt vorbei, wo wir am Fluß picknicken wollten.”

Aber wir grooven uns langsam ein. Ich meistens hinten als Treibanker (ausser die Berge rauf, da als Unimog-Treiber 😈) GSL vorne als Trüffelschwein für gute Stellplätze und seltsame Imbissbuden.

So steuerte er gestern Abend (bei einer übersehenen Umgehungsstrasse) noch eine klitzekleine Imbissbude vor einem hell erleuchteten aber ehr geschlossenen Supermarkt (Mall? Whatever!) an. Dran stand was mit “23:00”) und es war kurz vor elf. Palaver mit den davor stehenden Jungens und um 22:59 trifft die Frittenbudenfrau mit einer Einkaufstüte voll Kleinkram ein. Nach viel weiterem Palaver sind wir 320 Rubel ärmer und haben zwei dicke Chicken Wraps bekommen. Dafür sollten wirins Gästebuch schreiben. Verzehr an der Stosstange, ich mit riesen Sauerrei, jemand anders ganz ohne kleckern.


Ich bin ja ganz gut im Schicke Routen, Industriebrachen Bohrtürme, Museen und so instinktiv finden. Aber wie GSL Schlafplätze und Essensgelegenheiten findet, versetzt mich immer wieder in erstaunen.

Das wir da sehr unterschiedlich ticken merkt man auch immer an den Gesprächen am Abend. “Hast Du den Mobilen Bohrturm gesehen?” – “Nee, nur die Pipeline-Baustelle” – “Das waren vier!” – “Viele Kinderwagen in Perm” – “Ich hab nur die Raketenfabrik gesehen” – “Hä? Vor oder nach dem Park?” – “Welcher Park?” usw.?

Auch abzustimmen, wie viel man fahren will und kann ist was, wo man sich eingrooven muss. Klappt aber ganz gut.