Daheim & Unterwegs

Treffen in Kirow

Wieder mit dem Sonnenaufgang aufgewacht, gefrühstückt, das Massacker vom Vortag von der Windschutzscheibe gewaschen, und dann los, genug verfallender Bauernhof.

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Es gab also eine 70 km Schleife nach Norden wegen des in der Karte eingezeichneten aber nicht vorhandenen Weges bis Vokhma (Вохма). Da konnte ich tatsächlich „das andere Ende“ des Feldwegs finden. Gut, dass ich da nicht lang gefahren bin!

In Vokhma wollte das Navi nach Süd-West über Maloye Ramen’ye (Малое Раменье), von da südlich nach Ponasyrewo (Пона́зырево) und von da erst entlang der Bahnlinie nach Osten fahren. Das ist doch aber ganz falsch! Ich will sofort nach Nord-Osten! Die Verbindung nach Maloye Ramen’ye ist auch gar nicht auf meiner RKV-Karte eingezeichnet.

QV7Snapz006Ich suche ein bisschen in Vokhma rum, bis ich die Strasse finde, die direkt gen Osten aus dem Ort führt. Eine Entscheidung, die sich als nicht uneingeschränkt grossartig heraus stellen sollte…

Vokhma ist ein ganz gutes Beispiel für den Umgang mit Verkehr in den typischen russischen Städtchen: Üblicherweise ist am Ortseingang ein Schild, dass die gesamte Stadt für den LKW-Verkehr sperrt. Es gibt eine „Umgehungsstrasse“ am Stadtrand entlang, die oft aber abenteuerlich einfach nru zusammengeschoben ist oder irgendwelche lokalen Strassen durch Industriegebiete und dergleichen nutzt. Oft erstaunlich holperig, schlecht angebunden und eine tolle Gelegenheit, die Orientierung zu verlieren.

In einer namenlosen Stadt 40 km weiter gab es noch eine besonders holprige Ortsdurchfahrt und dann der Wechsel vom Kostroma Oblast in den Kirow Oblast. Hier war die Strasse teilweise wieder auf Waldweg Niveau, aber relativ viel befahren: vom Holzrückefahrzeug bis zum Eurotrailer-40-tonner kam mir alles entgegen.

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25 km weiter in Chernovskoe (Черновское) wollte ich weiter Richtung Osten nach Makarye fahren. Auf der RKV Karte war das kein Problem: die Strasse auf der ich war geht durch.

Im Ort war das schon ein Problem. Die Strasse, die in die richtige Richtung führte, sah nicht wirklich nach einer Durchgangsstrasse aus:

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IMG_8777Dafür gab es eine nette Kirch-Ruine im Stadtzentrum.

Also dann doch gen Süden. Mein Plan von einer direkten west-Ost Verbindung bei 58.5°N gibt wohl nichts. Also nach Süden bis Leninskoye (Ленинское) und da auf die West-Ost Verbindung entlang der Bahntrasse (33P-004).

IMG_8785Nach 40 km bei Shmelyovo (Шмелевo) einfach in einen Feldweg gefahren und hinter einer Baumgruppe ein Päusschen mit Blick auf die vorbeiziehenden Güterzüge gemacht.

Das war trotz Schattenparken ganz erstaunlich heiss da.

Inzwischen hatte sich günni gemeldet und ausgerichtet, das er die Schnauze von Kirow voll habe, aber etwas weiter einen schönen Platz gefunden habe. „Mit Urlaubsfeeling und Strand. Du siehst mich links, wenn Du über die Brücke kommst.“

150 km bis Kirow. Knapp zwei Stunden.
IMG_8791Um Kirov zum ersten mal seit Wologda ernsthafter Verkehr. Und Industrie.

Umweltschutz ist in Russland ein seltsames Thema: Zum einen wird regelmäßig an Umweltschutz erinnert. Es gibt jede Menge Mülleimer oder Mülltonnen auch an den einsamsten Orten.

Zum anderen liegt einfach überall Müll. Eine Zeitlang fuhr ein Müllauto vor mir, dass den Verschluss an der Müllpresse nicht zu hatte und aus dem deswegen munter Müll auf die Strasse flog. Die Mülltonnen werden nicht geleert, es wird Müll drumherum gestapelt und wenn die Mülltonnen geleert werden, bleibt alles drumherum liegen. Ergebnis: leere Tonne, volle Landschaft.

Mülldeponien sind grosse Felder neben der Strasse, die halt mit Müll vollgekippt werden. Gerne auch mal brennenden Müll. Generell wird alles gerne da fallen gelassen, wo man es nicht mehr braucht. Zum Glück ist das Land so gross, dass man nicht immer bis zum Knie im Müll steht. Es ist in dem Umfeld auch durchaus schwierig, nicht selber immer laxer mit seiner Abfallentsorgung zu werden – obwohl sich wirklich meist recht leicht ein Mülleimer findet.

Von Kirov sind es noch gut 30 km auf der R166 bis Slobodskoi (Слободско́й). Da durch den Ort, über den Fluss Wjatka (Вятка) und …

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… ja von der Brücke seh ich den Strand und einen feisten Stellplatz. Ein bisschen Zirkeln, bis ich unten bei Günnis Unimog bin und dann ein grosses Hallo!

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DSC07141Hurra! Wir sind zu zweit!

Günni kam aus Richtung Moskau und hatte dabei auch schon recht schmierige Abkürzungserlebnisse und war davon sehr fotogen verspritzt.

Erst mal klönen, schauen, fotografieren, lachen, Karten studieren. Hach ist das schön!

IMG_8783Ich zeige meinen durchgescheuerten Flaschen – inzwischen sind es sechs. Ein Blick in den hinteren rechten Staukasten zeigt dass die Transportsäcke der Schneeketten durchgescheuert sind und das alles im Staukasten mit einem feinen weissen Staub überzogen hat. Im linken hinteren Staukasten hat sich ein Kohlensack durchgescheuert und alles mit Kohlenstaub überzogen. Traumhaft!

Ich sortiere und räume. Ein paar meiner Kanthölzer lasse ich auf einem Haufen Feuerholz, den wir gefunden haben, zurück.

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IMG_8820Gemeinsames Abendessen. Zwischendurch ein paar Kinder an der Tür, die Geschenke haben wollen. Da sind sie bei uns an den Falschen. Ist aber auch das einzige mal, dass wir in Russland angebettelt werden.

Der Strand leert sich am frühen Abend. Am anderen Ufer Angler, aber keine Jugendlichen, die bei dem Traumhaften Wetter am Strand feiern. Na gut, ist ja auch ein Wochentag.

Jetzt kann der Urlaub beginnen. Am nächsten Tag ging das Abenteuer los.

Den Track zu dem Tag gibt es bei Wikiloc.