Daheim & Unterwegs

Weiter Richtung Kirow

In meiner ersten russischen Nacht um 3:30 h schon von der Sonne geweckt. Um 6:00 h rolle ich.

Es geht ca 250 km weiter Richtung Wologda (Vologda, Во́логда). Von da geht es nicht auf der M8 Richtung Süden nach Jaroslawl (Yaroslavl, Яросла́вль) und dann Kostroma. Stattdessen fahre ich die M8 etwa 60 km nach Norden und biege nach Osten ab. Nehme also die Ostroute nach Kirov über Totma (Тотьма) und Nikolsk (Никольск). Wologda bietet mir erstmals in Russland so Dinge wie mehrspurigen Verkehr, Autobahnrampen und so weiter. Find ich grad ehr stressig.

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QV7Snapz004Etwa 100 km nach meiner Abreise bewirbt die Landkarte das Kloster Ferapontow (Ферапонтов монастырь). Da will ich mal reinschauen. Aber wo ist das Ding genau? Auf der riesen Landkarte, die ich habe ist das nur auf vielleicht 25 km einzugrenzen. Es gibt allerlei Schilder an der Strasse, aber was die mir sagen sollen, verstehe ich nicht ganz.

Im Nachhinein weis ich: es liegt etwa 1 km westlich der A-119 auf einem Bergrücken zwischen zwei Seen. Ich komme an einer netten Kirche vorbei, auch an dem Kloster, dass ich nicht als weltklasse Sehenswürdigkeit identifiziere und deswegen vorbei fahren 😬. Dafür kommt wenig weiter eine Holzbrücke über den Kanal, der die beiden Seen verbindet. Die knirscht beim drüber Fahren bedenklich. Ich fühle mich so, als würden die umstehenden mich mit sehr grossen Augen anschauen und suche „unauffällig“ das weite und breche die Kulturerkundung ab. Adrinalin flutet derweil meine Adern und die Magensäure kocht hoch. Habe ich die Brücke kaputt gemacht? (Im Nachhinein: I’wo! Verformung ist ne gute Sache!)

Drei Kilometer weiter folge ich nochmal einem Schild das ich als Wegweiser zum Kloster interpretiere Richtung Westen – aber da ist nichts. Naja, dann weiter!

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Wiederbieten mir die Russischen Wege eine riesige Vielfalt von unterschiedlichen Strassenzuständen. Baustellen Schilder können alles mögliche bedeuten von „übers Blankett an einer Teermaschine vorbei“ bis „nix zu sehen, ignorieren Sie mich“. Ich hab schon wieder eine Ladung Bitumen oder so abbekommen. Damit ist jetzt erstaunlich viel Rollsplit am Wagen festgeklebt.

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Weil ich so früh auf war mache ich ein Mittagsschläfchen an einer Ruine. Komisches Gebäude.

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Ich gebe mir Mühe, zwischen all der Fahrerrei die Mahlzeiten zu zelebrieren. Also zwei mal am Tag den Tisch richtig decken und in Ruhe hinsetzen. Sonst verkommt man völlig zur Kilometerfressmaschine.

Die Gegend wird langsam dichter besiedelt. Ich bin sehr allein. Kann nichts lesen, mit niemandem Sprechen, kein Internet, meist nicht mal Mobilfunk und bin nie länger an einem Ort. Zeit zum Denken. Gut.

Mein Iridium Telefon geht nicht. In Finnland ging es noch, in Russland muss es aufwändig freigeschaltet werden – vermutlich damit irgendwelche Dienste besser abhören können. Langwierig, die Lieben zu Hause sind am Thema dran.

Die Toughbook-Halterung für meinen Navigationscomputer muss ich umbauen, damit das ganze nicht mehrfach täglich bei starken Bodenwellen auseinander fällt.

Zwischendurch Tanken. Russische Tankstellen scheinen immer einen Wachmann zu haben.

Vor Pyshchug (Пы́щуг) gehts ins Kostroma Oblast. Von da will ich nciht den vom Navi vorgeschlagenen südlichen Bogen über Shakunya, Yaransk und Kotelnich fahren, sondern direkt über Makarye nach Kotelnich. Das sollte sich am nächsten Tag als spektakulär schlechte Idee herausstellen.

QV7Snapz005Auf der RKV Karte gibt es eine schöne West-Ost-Verbindung zwischen Pyshchug und Vokhma. Die will ich fahren. In der Praxis sieht das allerdings deutlich anders aus.

Im unten stehenden Bild sieht man die Weggabelung 11 km östlich von Pyshchug. Links fährt der LKW die nördliche Route gen Pavino, rechts neben dem Strommast ist der Weg, der als direkte Route nach Vokhma eingezeichnet ist – den fahre ich dann heute Abend doch nicht mehr.

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IMG_8761Stattdessen suche ich mit einen verfallenen Bauernhof und stelle mich 50 Meter von der Strasse entfernt für meine zweite Nacht in Russland hin.
IMG_8766Ich kann eh kaum noch etwas sehen, vor lauter toten Insekten. Mehrere Libellen stecken im Kühler. Morgen ist auf jeden Fall erst mal Fenster Putzen angesagt.

Im Kühlschrank ist ein Ei kaputt gerüttelt. Dann gibt es wohl morgen Eier zum Frühstück.

Ein Hund bellt immer wenn ich mich bewege. Beim Spaziergang ums Auto hab ich mir ein paar Kletten eigefangen – Handarbeitssession am Arbeit. Dabei kann ich auch die Motte, die irgendwie im Fliegengitter am Bett zerbröselt ist, rausfummeln.

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Am nächsten Tag geht es nach Kirov Günni treffen.

Den Track zum Tag gibt es hier.